Effi Briest

Autor: Theodor Fontane
OT: Effi Briest
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1894
Verlag: Aufbau Taschenbuch Verlag
Preis: 12,90 DM (Taschenbuch)
ISBN: 978-3746652665
Länge: 336 Seiten

Effi Briest lebt bei ihren Eltern in Hohen-Cremmen und genießt ihre unbeschwerte Jugend, am liebsten im Garten. Als sie jedoch mit siebzehn Jahren den einundzwanig Jahre älteren Geert von Instetten heiraten und in das tiefste Pommern ziehen soll, ändert sich ihr Leben radikal. Der freie Vogel lebt nun in Kessin an der kalten Küste in einem unheimlichen Hause und ihr Mann ist nur selten da. Das Leben scheint ihr so trist und vereinsamt. Doch alles  ändert sich, als sie Major Crampas auf einer Feier  kennenlernt, einen offensiven Offizier.

Drei Mal habe ich dieses Buch angefangen, bis ich es tatsächlich in nahezu einem Zug durchlas. Mein Wille war groß, wo ich doch viel reizendes über Effi Briest gelesen habe und Theodor Fontanes Schreibstil verehre. Allerdings ist mir nun rückblickend bewusst geworden, dass ich in dieses Buch reinwachsen musste. So gerne ich auch Klassiker lese, glaube ich, das einige erst wirklich verständlich werden und sich einem erschließen, wenn man  ein bisschen „erwachsener“ wird (mir ist das schon mit ein paar Büchern passiert, auch als anderen Gdnres). Ich bin natürlich noch sehr jung, aber nun mit fast 19 Jahren und einem besonderem Faible für das 18. und 19. Jahrundert,  kann ich viel besser mitempfinden und verstehen, wie die Gesellschaft im 19. Jahrhundert gedacht haben muss, als vor drei Jahren, wo ich noch wenig darüber wusste. An dieser Stelle wird mir bewusst auf welch wunderbare Weise Bücher es schaffen, uns Ideen, Werte, Moral, Gedanken, Lebensweisheiten, Erfahrungen und Gefühle zu vermitteln, ohne es direkt zu merken!
Vor drei Jahren hätte ich vermutlich gesagt, dass es eine interessante Geschichte mit einem blumigen Schreibstil ist, die mich aber nicht berühren noch fesseln konnte. Jetzt sehe ich es zum Glück anders!

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Das wunderbare an Fontane ist, das er mit vielen Symbolen arbeitet: Das Rondell der Eltern im Garten, die Schaukel, das Meer in Kessin, der Hund Instettens namens Rollo und ein paar mehr. Auf den ersten Blick erkennt man eindeutig, dass es ein Gesellschaftsroman des Realismus ist: Gegenstände und Personen werden detailliert beschrieben, aber wirken zunächst seltsam oberflächlich. Erst nach und nach werden Effis und später auch Innstettens Charakter und Emotionen  für den Lesenden sichtbar. Genauso wie es in der Gesellschaft Gang und Gäbe war, diszipliniert und nach außen hin stets perfekt zu wirken, agieren die Figuren im Roman. Auf mich wirkte es wie realistisches Portrait der Wilhelminischen Ära, das gleichzeitig seltsam zynisch wirkt, weil es diese Normalität ad absurdum führt. Durch die angedeuteten Witze und Beobachtungen wird offensichtlich, in was für einer gespielten Welt Effi lebt und wie sehr sie unter den affektierten Menschen leidet (wie man es auch selbst tun würde). Ein paar wenige Figuren wachsen ihr ans Herz und ganz still und heimlich trifft sie sich dann und wann mit Crampas, was sie sehr gut vor Instetten vertuscht.

Nun stellen sich einige Fragen: Kann man mit Effi Mitleid haben? Sie geht doch ohne weitere Bedenken in diese Ehe, obgleich dieser Mann eigentlich der Verehrer ihrer Mutter war? Was definiert man als Ehebruch?

Ich glaube, es ist sehr subjektiv, wie man dieses Buch wahrnimmt. Wir lasen es letztes Jahr in Ausschnitten im Deutsch Leistungskurs und die Meinung zu Effis Verhalten differierte stark. Dennoch macht diese kontroverse und interessante Person den Roman für mich so interessant und lesenswert: Man kann herrlich darüber diskutieren und sich überlegen, was man selbst getan hätte.
So gesehen kann man „Effi Briest“ in eine Reihe mit den anderen großen europäischen Werken, die Ehebruch thematisieren stellen, allerdings ist Effi eine viel sanftere Figur und deutlich weniger selbstmitleidige und egoistische Person als Emma Bovary (Anna Karenina habe ich allerdings noch nicht gelesen), die ich wirklich kein Stück mochte. Wer Werke aus dieser Reihe lesen will, dem lege ich Effi ans Herz.

Der einzig negative Punkt, den ich anmerken muss, ist das man besonders, wenn man den Roman anfängt, sich an den Schreibstil gewöhnen muss – man kann „Effi Briest“ eher nicht in einer lauten Bahn lesen. Fontane schwankt zwischen Berichtartigem Schreiben, blumigen Ausschweifungen, knapper mündlicher Rede und langen Diskussionen – so gesehen trifft man auf fast jede Erzählform, was für eine gewisse Leichtigkeit und Abwechslung sorgt. Allerdings verliert der Roman in der Mitte leider deutlich an Tempo und teils langweilt man sich fast so sehr wie Effi im pommer’schen Kessin. Diese Mitte hat mich zwei Mal zum Abbruch veranlasst, doch sobald sie überwunden ist, kommt der ein großartiges letztes Drittel.

Einer meiner Lieblingssätze und auch wahrscheinlich einer der bekanntesten aus diesem Roman ist ohne Zweifel der Dauerspruch von Effis Vater „Es ist ein (zu) weites Feld…“, der nicht ohne Grund zu einem geflügelten Wort geworden ist.

Zu guter letzt etwas zu dieser Ausgabe: Ich habe sie (und „Irrungen, Wirrungen“)  vor einiger Zeit zu einem spottbilligen Preis auf dem Trödel gefunden und mich sofort verleibt. Es gibt eine ganze Reihe dieser „Berliner Frauenromane“, welche der Aufbau Verlag in den 1990ern aufgelegt hat, jedoch heute leider nicht mehr erhältlich sind. Dabei sind es wahrlich schöne Bücher, von denen ich so gerne die gesamte Reige besitzen würde.

THE VERDICT: Ein wunderbar geschriebener Roman in mit vielen Facetten und faszinierenden CHarakteren. Die Geschichte entwickelt sich eher langsam, aber voll versteckter Symbolik, nur leider ist die Mitte des Buches im Gegensatz zum starken Anfang und Ende etwas dünn, aber darüber sehe ich gerne in der Gesamtbewertung hinweg, da alles in einem es einfach ein tolles und hoch lesenswertes Buch ist, besonders für Klassiker-Liebhaber! 8 von 10 Steren.

Love, Katha

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8 Kommentare zu „Effi Briest

  1. „An dieser Stelle wird mir bewusst auf welch wunderbare Weise Bücher es schaffen, uns Ideen, Werte, Moral, Gedanken, Lebensweisheiten, Erfahrungen und Gefühle zu vermitteln, ohne es direkt zu merken!“

    Wirklich sehr schön gesagt! 🙂

    Ich habe „Effi Briest“ damals etwa im selben Alter – ebenfalls als Schullektüre – gelesen und war sehr begeistert. Eigentlich könnte ich es so langsam mal wieder lesen, allein, um zu wissen, ob mein Eindruck heute noch der selbe ist.

    Irgendwo muss das bei mir doch noch rumliegen… 😉

    1. Dankeschön, diese netten Worte wärmen mein Herz!
      Mach das auf jeden Fall, ich wäre sehr neugierig auf einen Blogpost dieser Art! Vielleicht mit einer „vorher-nachher “ Analyse der eigenen Eindrücke. Woran du dich erinnert hast, was du anders interpretierst usw!
      Ich will auch unbedingt noch mehr von Fontane lesen, allgemein habe ich sehr bereichernde Erfahrungen mit Klassikern 🙂

      Grüße,
      Katha

      1. Hmmm, ich habe „Klassiker der Weltliteratur“ für meinen Blog nie wirklich kategorisch ausgeschlossen, insofern ist das wirklich eine Überlegung wert.

        Ein Vorher-Nachher-Vergleich dürfte sich allerdings als schwierig gestalten, denn so ziemlich das Einzige, woran ich mich erinnere, ist, dass mir das Buch sehr gut gefiel. 🙂

        Die Lektüre ist aber auch schon fast zwei Dekaden her! 🙂

      2. Ich wäre sehr gespannt darauf! Ich versuche dieses Jahr auch mehr Klassiker zu lesen und in diesem besondere Welt einzutauchen 😉

  2. Hallo 🙂

    Ein Buch, dass ich noch unbedingt lesen will! Übrigens genauso wie Anna Karenina und Madame Bovary ( steht schon Ewigkeiten in meinem Regal)! Und ich gebe dir recht damit, dass man ein gewissen Alter haben muss um solche Bücher gut lesen zu können. Ich denke, in einem zu jungen Alter schrecken einen Romane die zu diesen Zeiten spielen eher ab. Ich tue mich auch heute noch manchmal schwer damit, aber die Klassiker sind es auch wirklich wert!

    Grüße 🙂

    1. Hey!
      Anna Karenina steht bei mir auch auf der Liste, aber ehrlich gesagt schüchtert mich dieser Brocken schon ein. Ich liebe Klassiker total und hab für dieses Jahr vor definitiv mehr zu lesen. Aber ich glaube, um in die Klassiker-Welt einzusteigen, eignet sich Dickens sehr gut, seine Werke sind so richtige Schmöker und total Alters- und Zeitlos. Ich war schon immer von der Vergangenheit fasziniert ^^ Wenn es allerdings um „ernstere“ Werke geht wie Buddenbrooks oder auch Effi, da muss man sich ein bisschen dran gewöhnen, aber es lohnt sich!!

      Alles Liebe
      Katha

  3. Ich kann deine Begeisterung für Fontane uneingeschränkt teilen! ❤
    Auch ich startete zu Schulzeiten mit der Effi und habe mich mittlerweile durch alle seine Frauenromane gelesen. Von "Cécile" über "L'Adultera" oder "Unwiederbringlich" (und all die anderen bekannten) – lies sie am besten chronologisch und ende mit "Mathilde Möhring". Diese Figur ist noch einmal eine Weiterentwicklung der bekannten Figuren à la Effi. In diesem letzten Roman merkt man, wie unheimlich modern Fontanes Frauenbild zum Ende des 19. Jahrhunderts schon war.

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