Spinner

Autor: Benedict Wells
OT: Spinner
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2009
Verlag: Diogenes
Preis: 12€ (Taschenbuch)
ISBN: 978-3257243840
Länge: 320 Seiten

Nachdem ich vollkommen in den Bann gezogen war von Benedict Wells‘ „Vom Ende der Einsamkeit„, wollte ich auch weitere Bücher von diesem begnadeten Autor lesen und entschied mich für Spinner, einen Roman, der ganz gut zu der verwirrten Jugend passt, zu der ich auch gehöre.

Eine erlebnisreiche Woche aus dem Leben des Jesper Lier, 20 und nicht zur Uni gehender Student, und den großen Fragen und der Verwirrtheit, was man eigentlich aus seinem Leben machen soll.
Nach dem Tod seines Vaters zog er von München nach Berlin, die magische Großstadt zog ihn an mit ihren Reizen und funkenden Perspektiven. Doch Jesper steckt in einer Krise, er will endlich sein Leben umkrempeln und ehe er sich versieht, hat er sich in eine Fremde verliebt und träumt von ihr und  mit seinem Roman „Der Leidensgenosse“ über Nacht berühmt zu werden.

Ein Wells wäre natürlich kein Wells, wenn der schrullige Jesper nicht in die Untiefe sämtlicher philosophischer und essentieller Lebensfragen versinken würde. Lustig und lautstark geschrieben, mit viel Schwung und Energie, einer flotten und verrückten Handlung, scheint das Buch einerseits urkomisch zu sein, gleichseitig zeugt es von einer unheimlichen Tragik. Der Schreibstil schwankt seltsam zwischen kreischenden Heavy-Metal-Rocker und sanfter Klaviermusik, ein auf und ab aus Gefühlen und Reizen – was zunächst gewöhnungsbedürftig ist. Jesper erlebt die verrücktesten Partys, sieht Obszönes und Perverses, nimmt Drogen und lebt aber auch den tristen Alltag, kennt den leeren Kühlschrank und die dunkle, kleine Berliner Altbauwohnung. Auf ehrliche, skrupellose Weise wird allmählich die Verzweiflung Jespers klar: Was soll aus ihm werden? Was hat er, seitdem er von zu Hause geflohen ist, erreicht? Warum hat er keine Freundin?

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Mich hat „Spinner“ stark berührt, zwar ist Jespers Leben sehr überspitzt und gerne dramatisch, ja, wirkt auf der Weise einer Satire, doch die Essenz des Romans und seine Aussage ist sehr klar: Es ist in Ordnung, etwas verwirrt zu sein. Jung , ahnungslos und überfordert.

Ich denke, dass es ein sehr interessantes Buch für jedem, der um die Zwanzig ist, oder generell Menschen, die frisch aus der Schule kommen und gleichermaßen eine gewisse Ahnungslosigkeit verspüren, wie es mit ihren weitergehen soll, aber auch für Lesende, die älter sind und auf diese verrückte Zeit zurückblicken. Es ist manchmal definitiv keine leichte Kost, mnachmal sogar etwas zu viel des Guten, aber das macht das Buch anderseits so herrlich schrullig und eigenartig.

Zu guter letzt möchte ich sagen, dass mir das Cover zwar ganz gut gefällt mit dem simplen Bild eines rauchenden jungen Mannes, was vielleicht mit seiner leeren „coolen“ Miene etwas provokant wirken soll (es handelt sich hier um die neue Taschenbuchedition, die nicht mehr ein glänzendes, sondern ein mattes Diogenes-Cover besitzt), allerdings raucht Jesper sehr selten im Buch. So trifft das Bild  einfach nicht den Nagel auf den Kopf.

THE VERDICT: Ein berührender und gleichzeitig schriller und verrückter Roman und das Jung- und Verwirrtsein aus einer tragikomischen Perspektive, etwas gewöhnungsbedürfig, aber gleichermaßen liebenswert mit einem absoluten Spinner als Protagonisten. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

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