Bookstagram & Ich

Der Balkon und Ich

Ein Samstagvormittag: es ist ziemlich frisch auf meinem Balkon, wenn ich müde seufze, bildet mein Atem weiße Schlieren in der Luft. Ich trage mehrere Schichten: ein T-Shirt, ein dicker Cardigan, Wollsocken und ein Schal natürlich, sie geben mir Wärme und erlauben mir sogar ein bisschen Bewegungsfreiheit.
Die Sonne scheint fröhlich auf den Balkon, das ist gut, das muss ich nutzen. Denn die Sonne ist mein Freund, sie spendet Licht, das ich gut gebrauchen kann.

Auf einer Holzplatte stehen Kerzen, Laubblätter und ein Stapel weißer Bücher. Liebevoll ordne ich sie an, ich lasse mir Zeit, es hat einen sehr entspannenden Effekt eine Art ordentliches Chaos zu kreieren. Manchmal stelle ich noch einen Topf Blumen dazu oder die aktuelle Tageszeitung. Als letztes schließlich zücke ich meine Kamera (manchmal auch mein Handy) und hopse herum, bis ich den perfekten Winkel gefunden habe für mein Foto – vermutlich sehe ich dabei Rumpelstilzchen ziemlich ähnlich.

Warum das alles?

Nun, ich bin, wie auch auf in der Widget-Leiste verlinkt, mittlerweile ziemlich aktiv auf dem social media Kanal Instagram, besser gesagt, auf einer etwas spezielleren Form des Ganzen namens Bookstagram. Ja, ich fotografiere Bücher, ordne sie an, mache sogenannte „Tags“ (auf den Blogs nennt man sie meistens Stöckchen) und habe immensen Spaß.
Was als simpler Zeitvertreib mit dem laschen Gedanken „Okay, ich probiere mal Insta aus“ ist tatsächlich ein Hobby geworden.

Quantität und Qualität

Es ist natürlich ein wesentlicher Teil dieser social Media Präsenz. Besonders, als meine Zahl an Followern anstieg, nahm auch mein Elan, täglich etwas zu posten, zu. Nur, wie man das dann für sich selbst auslegt ist die Frage.
Es gibt so viele Bookstagrammer auf Instagram, ich habe selbst überhaupt keinen Durchblick obwohl ich das nun seit ca. einem halben Jahr intensiv betreibe. Jeder hat seinen gewissen Stil, manche sogar enormen Wiedererkennungswert und unglaubliche Anzahl an  Follower in fünfstelligen Bereichen.
Ich habe an mich selbst den gleichen Anspruch, wie an meinen Blog: Ich möchte etwas gut geschmiedetes hinterlassen, ich möchte nicht langweilen und mich doppeln. aber vor allem mich selbst verwirklichen.

Allerdings sehe ich sehr häufig Menschen, die ein Buch beispielsweise drei Tage hintereinander fotografieren. Schön und gut und jedem das seine. Allerdings empfinde ich das für mich als unkreativ, da poste ich lieber nicht täglich und hinterlasse Content, den ich nicht schon vier bis fünf mal gezeigt habe.
Was mich aber mein Stolz dann kostet, sind Follower. Ja, richtig, wenn ich mehrere Tage nicht poste und wehe mir, dass ich mal etwas anderes zeige als Bücher, dann folgen mir die Leute nicht mehr. Was mich am Anfang aufgeregt und auch etwas persönlich beleidigt hat, versuche ich mit einem Schulterzucken hinzunehmen.
Natürlich freue ich mich, wenn mir neue Menschen folgen, wenn ich ein größeres Publikum erreichen kann (selbiges gilt natürlich für meinen Blog). Aber wenn jemand mich nur deshalb „mag“ und abonniert, weil ich nur Bücher zeigen soll, hat sich derjenige in mir geirrt.
Denn so sehr ich Bücher auch liebe, nur Bücher … wäre mir viel zu langweilig. Manchmal sind es kleine Zeichnungen, häufiger Altbauten und Architektur, die ich bewundere. Weil ich mich über so viel mehr Dinge definiere, als nur Bücher. Das mag ein Nachteil sein, dass ich auch kein reiner Buch- oder Filmblogger bin, dass ich mich nicht spezifiziere. Aber verdammt, ich würde mich vor mir selbst langweilen.

Meine Zufriedenheit mit meinem Insta-Feed gilt vor allem meiner Zufriedenheit mit den Werken, die ich hinterlasse. Ich werde nicht um Follower betteln, solche Hashtags wie #likesforlikes oder #followforfollow benutzen und überall „love it“ kommentieren. Es ist natürlich jedermanns eigne Entscheidung, wie er Insta und andere social media seiten auslebt. Denn ich möchte hier niemandem vorschreiben, wie er seine Seite zu pflegen hat. Ich schreibe, wie ich es hier mache, und wie ich es persönlich für gut halte. Und die Qualität und die Reflektion meiner selbst in meinen „Werken“ ist mir wichtig.

Ich habe regelmäßig Kreativlöcher, es ist eine Kunst, sich etwas auszudenken, aber gleichzeitig macht es so Spaß, denn irgendwie ist man nicht allein, ganz im Gegenteil, mit manche Leuten entwickelt man eine Art „Bücherbeziehung“ , kommentiert gegenseitig und tauscht sich über Romane aus, was einer der schönsten Seiten an Bookstagram ist.

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Der beste Filter ist immer das natürliche Licht

Wie kann man so viele Bücher besitzen?

Das frage ich mich regelmäßig, wenn ich auf Insta manche „shelfies“ sehe, also selfies von Bücherregalen, die sich scheinbar über meter strecken, wo die Bücher nach Farben sortiert sind und wunderschöne Ausgaben der „Clothbound Classics“-Reihe des Penguin Verlags (also hochwertige und nicht gerade Preiswerte Auflagen von Klassikern) besonders hervorstehen. Ich kann es mehr oder weniger empirisch belegen, welche Auswirkung das auf mich hat: ich möchte nämlich unbedingt noch mehr Bücher besitzen. Auch schon vor Instagram war mein Buchkaufverhalten manchmal etwas bedenklich, aber ich kaufe seitdem definitiv mehr Bücher.

Ich muss allerdings auch sagen, dass es Augenblicke gibt, wo ich mich frage, ob das nicht eigentlich alles materialistisch-kapiltalitische Selbstdarstellung ist, angeben, wie viel man sich leisten kann. Wenn man zynisch und insta-feindlihc sein will, kann man das über alles sagen, über Blogger, die viel Reisen oder professionell fotografieren, über Instagrammer, die stolz ihre Chanel Classic Flap Handtasche neben einem riesigen Starbucks-Gettränk präsentieren, über… ja, über alle.
Mein Gott, nein. Es ist toll anzusehen, es ist toll, Freude zu teilen, es ist einfach toll. Lasst die Leute tun, was sie glücklich macht und seht es euch nicht an, wenn ihr nur trollen möchtet. Für mich persönlich ist die Plattform natürlich eine Austauschmöglichkeit und es bleibt jedem selbst überlassen, worin er oder sie sich wiederfindet. Dazu noch ein wunderbar böser Kommentar [hier] der YouTuberin Alexa Losey. Denn bei Instagram geht es einfach  darum, sich kreativ frei zu fühlen und nicht den Druck, berühmt zu werden, weil es viel wichtigeres im Leben gibt.

Was YouTube sagt

Wenn man bei Youtube Insta-Theme oder Insta-Famous eingibt, findet man verdammt viele Videos. Das sogenannte Insta-Theme beschreibt, wie der eigene Feed Bilder aus ähnlichen oder gleichen Farblementen  bestehen soll und dass säntliche Bilder die gleiche Belichtung haben müssen usw. Im Grunde genommen, dass alle Bilder auf eine unterschiedliche Weise gleich aussehen sollen und das diese Weise eines „perfekten Feeds“ zu mehr Ruhm führen käme. Nun so simpel das auch klingt, so schwierig ist das und meines Erachtens ist mein Leben zu bunt, um sich auf einen monochromen Feed aus  beispielsweise  Weiß und Pastellfarben zu beschränken. Ferner erfährt man, wie man durch bestimmte Arten von Postings besonders viele Follower bekommt und das es tatsächlich Apps gibt, die einem Statistiken anzeigen, welche Bilder am beliebtesten sind, um welche Uhrzeit man posten soll…

Oh ja, Instagram ist eine ernstzunehmende, perfektionistische Wissenschaft! Zumindest für andere. Denn man kann das ganze natürlich mit viel mehr Humor und Leichtigkeit betrachten.

Tatsächlich fand ich neulich irgendwo in den Untiefen von YouTube ein ganz lustiges Video darüber, wie sich Bookstagram in der Realität anfühlt und welches auf humorvolle Weise herausstellt, wie man damit kämpft, ein gutes Foto aus gewissen Winkeln zu machen und dass das bookstagrammer-Leben natürlich deutlich glamourös ist, als es scheint, als es ist. Das alles mit einem Augenzwinkern.

Ein paar Bookstagrammer, die ich bewundere:

@lottelikesbooks
@mscaulfield
@maru.books
@azriela.moone
@bluestockingbookshelf
@mynerdywonderland
@beautywithbooks
@earlgreyandbooks
@bookolanda

Es gibt natürlich einen großen Haufen an tollen Bookstagrammern, das hier sind die, die mir aus dem Stegreif eingefallen sind. Wenn ich euch noch nicht komplett vergrault habe, könnt ihr auch gerne mal meine Insta-Seite besuchen! @katha-logisch

Ich bin gespannt auf eure Kommentare und verlinkt mit gerne eurer Instagram-Profil, falls ihr eins habt.

Love, Katha

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8 Kommentare zu „Bookstagram & Ich

  1. Ich stimme dir voll zu, jeder möge sein Insta-Profil so gestalten wie er mag. Deinen Stil finde ich sehr individuell und geschmackvoll, ohne den Eindruck zu bekommen, dass du zu perfektionistisch kuratierst und alle störenden Farben verbieten würdest. Ich besitze auch nicht soo viele Bücher, leider erst recht keine tollen Leinengebundene und bei einigen Instagrammern bezweifle ich ehrlich gesagt, dass er/ sie alle gelesen hat und nicht nur zum Vorzeigen angeschafft hat.
    Also bleibe bitte deiner Einstellung zu Instagram treu (oder ändere sie, wie du magst natürlich, nichts ist schlimmer als von Zweifel paralysiert die persönliche Entwicklung zu verweigern ;))
    Liebe Grüße!

    1. Erstmal danke für deinen Kommentar! Es freut mich zu hören, dass dir meine Insta-Seite gefällt! Ja, jeder muss mit seiner Seite zufrieden sein, egal ob das jetzt mit simplen oder überladenen Elementen ist. Ich werde genauso vorgehen und weiterhin einfach Spaß haben (du hoffentlich auch!) und das ganze genießen 🙂
      Liebe Grüße zurück!!

  2. uuuuh, ich wusste gar nicht dass du bei Instagram bist. Habe mal einen Blick darauf geworfen. Ich mag deine Mischung sehr gerne. Es ist immer schön zu sehen, wenn Menschen ihren Leidenschaften frönen. Also scheiß auf Follower und Fame. ^^

    Mein Lieblingsbild ist übrigens das:

    1. Huhu 🙂 es freut mich total zu hören, dass dir das Bild so gut gefällt! hab dich auch gerade auf insta entdeckt 😉 ich finde, es ist einfach ne super Plattform um Kreativität herauszulassen!

  3. Ich musste schmunzeln bei deiner Beschreibung, wie du dick eingemummelt auf seinem Balkon rumhüpfst ^^.

    Ich finde, die Regel, lieber nicht so oft aber dafür qualitativ hochwertige Inhalte zu posten, gilt für alle guten Medien. Ich mag es z.B. auch nicht, wenn jemand in Blogs jede Woche schreibt, welche Bücher sie/er neu bekommen hat. Ich finde, das reicht auch einmal im Monat, und würde stattdessen lieber was Neues lesen.

    Ich hab nie verstanden, wie Leute einem entfolgen können, wenn man mal ein paar Tage nicht postet. Kennen die alle ihre abonnierten Accounts auswendig und führen ne Liste? Mir macht das nichts aus, wenn ich mal eine Weile nichts höre, und genau wie bei Blogs mag ich es, wenn jemand nicht nur über ein Thema schreibt. Genau solche Blogs suche ich in letzter Zeit verstärkt.

    Witzigerweisw glaube ich nicht, dass Instagram so viel Einfluss auf mein Buchkaufverhalten hat, aber ich lese ja schon seit Jahren Buchblogs, wo ich ähnlichen Stimuli bekomme. Meine Wunschliste wächst allerdings schon ^^.

    Hm, ich bin mir nicht sicher, ob es bei Insta nicht auch viele Leute gibt, die nur sich und ihr vieles Geld präsentieren wollen. Aber was soll’s, solche Leute gibt es überall und verbieten kann man es ihnen nicht. Die meisten in „unseren Kreisen“ teilen wirklich nur das, was ihnen Freude macht.

    Das mit dem gleichfarbigen Feed finde ich so bescheuert. Sowas ist mir total egal, wenn ich entscheide, ob ich Leuten folge. Mich müssen die Bilder einzeln ansprechen und interessieren.

    Ich find deinen Insta-Account jedenfalls klasse und das sag ich nicht nur, weil ich deine beste Freundin bin ^^.

    Alles Liebe,
    Carlos

    1. Leider ist das mit dem Eingemummelt sein wirklich so. Ich frage mich wirklich, wo die ganzen Instagrammer ihr gutes Licht herbekommen! Ich möchte die Bilder auch möglichst wenig bearbeiten und selbst wenn ich im Dunklen fotografiere und die Helligkeit erhöhe, geht dafür die Quali flöten. Aber jetzt, wo die Temperaturen am Gefrierpunkt angekommen sind, muss ich mir echt was anderes überlegen…

      Ich finde dieses Entfolgen einfach nur scheinheilig und gemein!

      Und natürlich Danke für deine lieben Worte, ich finde das total motivierend und auch beruhigend, dass ihr mich nicht für einen social media Spinner hält! Übrigens finde ich die Entwicklung auf deiner Seite auch schön, neben den Büchern haben mit besonders die Städtefotos (Frankreich & London) gut gefallen.

      Grüße,
      Katha

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