Der*Die*Das Ersti: eine Studie

Moin Moin!

Ja, ihr habt richitg gelesen, heute geht es um Erstis, denn ich bin nun einer. Genauer gesamt, ein Erstsemester in dem Fach Sozialwissenschaften, welches Soziologie und Politikwissenschaft umfasst. Und weil in meinem sehr linken Studiengang viel Wert auf Gender gelegt wird, möchte ich schon beim Titel damit anfangen.

Nach dem Abitur war es keine leichtes Los, mich dafür zu entscheiden, was ich studieren möchte, allein, dass ich studieren wollte, stand ziemlich fest für mich. Ich wollte etwas Neues erfahren, in etwas eintauchen und sein Innersters verstehen und auch ein bisschen vergessen, dass ich bei der Universität der Künste Berlin abgelehnt wurde. Mangel an Talent hieß es. Erst war ich sehr verletzt, aber meine Gefüuhle haben sich verändert, vielleicht soll es so sein, dass ich mein Hobby nicht zu Beruf mache, und in der Abhängigkeit von meiner Kreativität zu leben, Brot zu erwerben, das bewundere ich lieber an Anderen.

Ständig wurde ich in denen letzten Woche gefragt, wie ich denn auf Sozialwissenschaften, liebevoll SoWi genannt, gekommten bin. Meist überkam mich ein Schmunzeln und ich gestand offen, dass ich eigentlich Bildene Kunst studieren wollte und nun eine andere meiner großen Interessen gewählt habe. Häufig begegnen mir verwunderte, ja skeptische Blicke, die das nicht glauben wollen. Ach Gott, die ist 18, die kann eh nichts wissen verrät das Funkeln in den Augen. Von Kunst auf SoWi, was ist das denn für eine? Weißt du überhaupt, was Politikwissenschaft ist?

Denn wenn etwas als eine feste Tatsache zu sagen ist (und ich habe in den letzten Wochen vieles über Theorien gehört!), dann dass der Altersdurchschnitt meines Studiengangs sich irgendwo Mitte 20 bewegt. Es schüchtert schon ein, denn noch nie in meinem Leben war ich so sehr ein Küken.

Aber was ist dieses Wesen, der Student, die Studentin – wahrscheinlich ist Studierende zu sagen, die praktischere Form -, was kennzeichnet sie?
In den letzten Tagen war ich viel in der Mensa und habe ein bisschen beobachtet. Meine Soziologie-Dozentin erklärte bereits bei der ersten Sitzung, dass es ein Seminar zu der Soziologie am Beispiel des Berghains gebe, sie sparch davon, als gäbe es nichts selbstverständlicheres, als ins Berghain zu gehen. Nun, ich … bin nicht im Berghain. Und ich wohne auch nicht in Kreuzköllnprenzlberg („Wie, du wohnst nicht in der Nähe? Das heißt ja, dass du voll lange fahren musst! Zieh doch inne WG!“)
Es gibt offensichtlich ein sehr spezielles Bild des Studenten, vielleicht auch des SoWi-Studenten. Ich versuche also herauszufinden, wie ich denn zukünftig zu seien habe.
Mein Alter stimmt schon mal nicht, meine Party-Orientierung (meine Party-Lust übrigens auch) offenbar auch nicht. Wie muss ich denn noch sein? Ach ja genau, politisch links!
Als ich an meinem ersten Tag in das Institutsgebäude kam, erwarteten mich vor allem zwei Sachen: eine Omnipräsens des werten Herrn Karl Marx und der Antifa. Sticker, Parolen, Jutebeutel mit roten, fünfzackigen Sternen sind nun mein neuer Alltag.

Stylemäßig sehe ich verschiedenes auf dem Campus: junge Hipster*innen, die selbst bei fünf Grad Außentemperatur in ihren Jeansjacken und schwarzen, dünnen Strumpfhöschen nicht frieren. Außerdem Alternative, mit „Kein Mensch ist Ilegal“-Pullovern, bunten Dreadlocks und Doc Martens. Fashionqueens, welche die neusten Trends aus Paris beim Anstehen in der Mensa modelhaft vorführen.
Ich, im überfüllten Hörsaal, sitzte dazwischen diesen in meinem grünen Holzfellerhemd und einer engen schwarzen Jeans und versuche von all den Eindrücken nicht auf ein mal überflutet zu werden. Bin… ich denn gut genug für SoWi? Zumindest mein Abidurchschnitt sieht das so. Manche scheinen hier so auf alles zu scheißen, dass sie selbst dadruch cool wirken, vielleicht sollte ich das auch probieren?

Halt stoppt. Dieser Welt dreht sich zu schnell, ich muss mich kurz sammeln!

Ich muss dabei nichts davon sein, nicht älter, was ich auch überhaupt nicht beeinflussen kann, nicht betrunkener, nicht demonstrierend, kein Ausbildungs-Hintergrund, kein Vorwissen über die nächsten Semestern SoWi.
Ganz konservativ fahre ich mit der Bahn zu Uni, versuche erstmal klar zu kommen und bin kein Vegetarier, habe keine WG und zwei Nebenjobs. Es ist so unfassbar schwer, sich nicht in den Sog dieser Erwartungen zu begeben.
Aber moment, dann bin ich ja in gewisserweise auch Alterntiv? Dann gehöre ich auch irgendwo dazu! Während ich diese Zeilen tippe, überkommt mich ein leises Schmunzeln, wie gut es doch tut, seine Gedanken zu sammeln.

Mich fragte neulich jemand, wie viele Menschen in meinem Studiengang wären, ich antwortete, dass es vermutlich um die 200 seien. Mein Gesprächspartner schumnzelte: „Vielleicht hast du noch nicht die richten Leute kennengelernt.“

Ich werde gerne weiterberichten von meinem „aufregenden“ Studentenleben.

Alles Liebe,
Katha

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4 Kommentare zu „Der*Die*Das Ersti: eine Studie

  1. Um mal ein bisschen zu stänkern :P. Bei Artikeln, die klar ein Geschlecht haben, bringt der Genderstern nicht so viel ^^.

    Hat die UdK dir eigentlich mal geantwortet? Da erinnere ich mich grad gar nicht mehr dran.
    Ist natürlich schade, du bist schließlich wirklich talentiert, aber wie du schon sagst, kann es auch Vorteile haben, eher hobbymäßig als beruflich kreativ zu sein.

    Hä, was hat denn etwas wissen können damit zu tun, ob man etwas studieren sollte? Immerhin studiert man ja, weil man etwas lernen möchte, und nicht, weil man schon alles weiß.
    Und ich finde SoWi wirkt da deutlich reflektierter als zB Leute, die Jura studieren, weil sie meinen, als Anwalt wird man reich.
    Ich hätte eher gedacht, dass man bei Kunst schräg angestarrt wird ^^.

    Studierende ist tatsächlich praktischer. Generell sind solche neutralen Wörter immer gut, wenn man sie verwenden kann.

    Du meinst dein*e Dozent*in :P?

    Wohnen bei dir echt alle in der Nähe? Ich meine, so viele staatliche Unis hat Berlin nicht und es gibt ja wohl auch junge Leute in Randbezirken. So wie wir ^^.

    Naja, gut dass deine Angepasstheit oder fehlende Angepasstheit nichts damit zu tun hat, ob du gut genug bist ;). Und es ist wichtig, seinem Stil treu zu bleiben. Hat ja auch keinen Sinn, super „alternativ“ zu sein, weil es alle anderen sind.

    Finds faszinierend, dass bei dir die Leute scheinbar so „typisch SoWi“ aussehen. Bei uns kann man das nicht so pauschal sagen, finde ich. Ich erkenne zumindest keine wirklichen optischen Gemeinsamkeiten. Wir sind eine sehr homogene Gruppe, wie Statistiker_innen sagen würden ^^.

    Alles Liebe,
    Carlos

    1. Liebe Charlie,

      Erstens natürlich vielen dank für deinen ausführlichen Kommi, da schlägt das Bloggerherz gleich höher! Ja, die Udk hat tatsächlich geschrieben, dass ich auf Grund fehlender künstlerischer Begabung nicht an der Aufnahmeprüfung teilnehmen kann.
      Tatsächlich war der Titel mehr so eine sarkastische Zuspitzung an diese Gender-Geschichte und ja, war tatsächlich eine Dozentin, eine Frau ;D ich bin gespannt, wie die Wochen werden, wen ich noch alles kennenlerne und wie ich dann noch viel reflektierter das SoWi-Dasein betrachten kann.
      Zum Glück bist du ja da 🙂 Ein Herz für Randbezirkler ❤

      LG,
      Katha

  2. Hallo, ich bin ein bisschen spät, aber mir gefällt dieser Beitrag wirklich sehr!

    Dieser „Studenten-Stil“ ist mir auch hier in Tübingen aufgefallen. Als ich damals ganz neu hier war, hatte ich das Gefühl, dass man plötzlich nur noch mit seinem Kaffebecher aufkreuzen darf, im Bus sollte das Studium Gesprächsthema Nummer Eins sein (so wie die wöchentlichen Partys der Uni) und man muss seinem Fach entsprechend gekleidet sein : BWLer und Jurastudenten im Anzug, Physiker in Nerdigen shirts und Biologen immer schön Barfuß – auch im Winter! Doch ich habe bis heute überlebt – ohne Kaffe, mit Schuhen 😉
    Und auch ohne wilde Partys, denn auch ich wohnte zunächst in einem kleinem Dorf, das zu weit weg war, um abends noch in die Stadt zu fahren.

    Grüße!

    1. Hey, erstmal danke für den Kommentar und deine lieben Worte 🙂 zu spät gibt es gar nicht und ich bin für jeden Überlebenstrick- und tip im Studentenleben dankbar! Mit dem Kleidungsstil muss ich dir vor allem bei den Juristen recht geben. Die anderen kenne ich gar nicht, weil ich campus anderswo ist 😀

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