Suffragette

OT: Suffragette
DT: Suffragette – Taten statt Worte
Cast: Carey Mulligan, Helena Bonham Carter, Meryl Streep, Ben Whishaw
Genre: Drama
Regie: Sarah Gavron
Drehbuch: Abi Morgan
Musik: Alexandre Desplat
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Maud (Carey Mulligan) ist eine arbeitende Mutter, die zunächst eher zufällig in die beginnende Frauenrechtsbewegung um Emmeline Pankhurst (Merly Streep) hineingezogen wird. Mauds Wunsch nach Gleichberechtigung führt dazu, dass sie ihren Job verliert, von ihrem Ehemann auf die Straße gesetzt wird und selbst um das Recht, ihren Sohn zu sehen, kämpfen muss. Aber die Frauen, sogenannte Suffragetten,halten zusammen – um gemeinsam den inspirierenden und herzerweichenden Kampf um Frauenrechte, um Würde und Selbstbestimmung fortzusetzten. [Klappentext]

Als allererstes möchte ich sagen, dass der Klappenext meiner Meinung nach irreführend ist, zwar gibt er den Inhalt richtig wieder, aber er macht den Eindruck, als sei dieser Film eine Shakespear’sche Tragödie. Das ist er nicht, ganz im Gegenteil, denn vielmehr weist „Suffragette“ auf eine schmerzhafte Weise auf eine Wahrheit hin: diese Frauen haben für etwas gekämpft, was für uns hier in Europa selbstverständlich geworden ist, so sehr, dass wir fast schon vergessen haben, welches Privileg diese Form der Gleichstellung ist.

Das ist einer der Filme, auf die ich mich schon länger gefreut habe, vor allem als großer Fan von Carey Mulligan seit ihrer großartigen Performance in „Am Grünen Rand der Welt„. Hier zeigt sie aber nicht die romantische, sondern ihre leidende und kämpferische Seite, welche sie genauso grandios spielt. Die Besetzung hält auch, was sie verspricht: zum einen natürlich die entsprechende Frauenpower und großes, emotionales schauspielerisches Können von Carey Mulligan, die einiges druchleiden muss. Angst, Verzweiflung, Entschlossenheit und vor allem ihre Entwicklung von einer jungen Frau, die sich hat  herumschubsen lassen, zu einer um ihre Würde kämpfende Suffragette.
Dass es manchmal etwas fantastisch werden kann, zeigt Helena Bonham Carter in ihrer Rolle einer sehr engagierten Apothekersfrau. Seltsam fand ich allerdings Meryl Streep, denn obwohl Mrs Pankhurst natürlich eine führende Rolle spielt, thematisiert der Film vor allem die „gewöhnlichen“ Frauen, welche vor allem aus der Arbeiterklasse stammen. Ihr kurzer und plötzlicher Auftritt als eine leidenschaftlich Reden haltende Emmeline Pankuhurst wirkte etwas überdramatsiert und eher als Werbung für Streep als Schauspielerin – was der Film wirklich nciht nötig hat.
Auch Brendan Gleesons Aufritt als gegen Suffragetten ermittelnder Polizeibeamter sorgt für eine gewisse Portion Einschüchterung – dieser Mann schafft es immer, eine gewisse mächtige Erhabenheit auszustrahlen.

Was ich sehr positiv finde ist die Tatsache, dass der Film nicht überwältigend Feministisch ist. Besonders in unserer Zeit wird der Begriff Feminismus falsch verstanden, denn meiner Meinung geht es um eine Gleichstellung – keine Besserstellung! Die Wurzeln einer Bewegung ausgelöst durch Mrs Pankhurst werden in verschiedenen Facetten gezeigt, denn eine Suffragette zu sein war in erster Linie sehr gefährlich. Der im Jahr 1912 spielende Film zeichnet ein sich immer Frauenbild, welches sich im Aufbruch befindet: Mädchen, die es satt haben, missbraucht zu werden, sprechen.. naja,  aber nicht jede kann ihre Stimme erheben. Manche Männer lassen ihren Frauen Freiheit, unterstützen sie bestenfalls, andere werfen sie aus ihren Häsuern. Einige verschiedene Seiten sind vorhanden und zeigen eine brutale Diskrepanz. Dazu kommen die Kämpfe mit der Polizei, die radikalen Suffragetten – kurz und gut: es wird definitiv nicht verschönt und das macht diesen Film so bewundernswert ausdrucksstark, weil die Realität von vor fast 100 Jahren erschreckend mitfühlbar wiedergegeben wird.

Auf der anderen Seite glaube ich, dass man sich vor allem für dieses Thema interessieren muss, um den Film zu mögen, weil er schon sehr speziell und geschichtsgetreu ist – ganz und gar kein Popkornkino, mehr wie eine emotionale Dokumentation, die sehr interessant zu sehen ist.

Ein großes Plus: Mein Lieblingskomponist Desplat leistet mal wieder ganze Arbeit und sorgt mit seinem düsteren, traurigen Soundtrack für Revolutionsstimmung. Dazu die Nahaufnahmen von Mulligans emotionalen Gesichtsausdrücken – das Mifühlen ist perfekt.

THE VERDICT: Wen die 1910er und die Frauenbewegung faszinieren, für den ist das genau der richtige Film. Carey Mulligan und Helena Bonham Carter, die beide eher aus anderen Genres bekannt sind, beweisen beide, dass sie auch in ganz anderen Rollen brillieren können. 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

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6 Kommentare zu „Suffragette

  1. Das klingt vielversprechend und die Besetzung setzt meine Erwartungen ziemlich hoch. Ich bin auch ein Freund von Carey Mulligan, von der brillianten Helena Bonha Carter fange ich gar nicht erst an. Danke für deine Einschätzung, ich bin gespannt 🙂

  2. Ich fand ja leider das Drehbuch eher schwierig und war aufgrund der Besetzung etwas enttäuscht.
    Der einzige wirklich greifbare, dreidimensionale Charakter ist der Polizeiguy, gespielt vom mighty Brendan Gleeson.

    Aber was meinst du damit, dass der Film nicht allzu feministisch ist? Was ist denn feministischer als ein Film geschrieben und regissiert von Frauen, der Frauen im Kampf für Gleichberechtigung zeigt und am Ende eine Liste dir um die Ohren haut, wann und wo das Wahlrecht eingeführt wurde? Und wo eben immer noch nicht.

    1. Entschuldige, dass ich dir erst jetzt antworte, wordpress hat deinen Kommentar gleich zwei mal geschluckt. Als aller erstes Danke für deine Meinung 🙂
      Zunächst möchte ich sagen, dass ich deine Bedenken nachvollziehen kann. An manchen Stellen hätte der Film noch mehr aus sich machen können. Bezüglich der Rollen fand ich eigentlich nur Meryl Streep komisch. Was genau fandest du denn schwierig?
      Gleeson war natürlich brilliant as always.
      Fernen finde ich es wichtig, darauf hinzuweisen, dass einer der größten Schritte zur GLEICHBERECHTIGUNG noch nicht auf der ganzen Welt getan wurde. Denn beim Feminismus geht es ja um diese Gleichstellung. Das fand ich wichtig zu betonen, weil es heutzutage auch Bewegungen in die Richtung „Besserstellung“ gitb und mittlerweile erschreckend viele Feminismus als eine solche Bewegung ansehen (sog. „Feminazis“ usw). Aus diesem Grudn finde ich ih nicht so „Super feministisch“, sondern auf eine angenehme, ja sogar bewunderswerte Weise. Ich hoffe, dass war nicht zu kompliziert zu verstehen, ich habe es oben im Artikel offenbar nicht verständlich ausgedrückt. Das tut mir leid :/

      Alles Liebe, Katha

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