Kolumne: Neues Terrain

Moin Moin!

Zeit ist etwas seltsames. Nicht, dass dies eine besonders neue oder einfältige Erkenntnis ist, doch mir scheint alles so plötzlich. Sicherlich haben sich manche gefragt, wo ich denn geblieben bin und ich selbst wusste manchmal nicht so ganz, was eigentlich los ist. Doch nun ist der richtige Moment gekommen, um einmal in einem Schwall alles loszuwerden.
Für mich waren die letzten Monate eine Probe, die mir das Leben stellte, bei der ich viele Formen von Angst überwinden musste und ich will dies hier teilen, denn es war den Mut wert!

1. Prüfungsangst, Angst vor dem Scheitern: Abitur
Nie hatte ich es mir so vorgestellt! Ja, es war mehr, als rannten die Prüfungen an mir vorbei, wie Landschaften an einem Zug vorbeiziehen. Allerdings war es für mich auch die deutlich bessere Einstellung: nicht verrückt machen, sondern es auf das herunterzureduzieren, was es ist: eine Klausur wie jede andere. Mir ist in der Prüfungsphase jedoch noch etwas viel wertvolleres klar geworden: mein seelisches Wohl steht über jedem Stress, den ich mir wegen Schule auch nur ansatzweise machen würde. Es ist all die Nervenzusammenbrüche nicht wert! Wichtig war für mich, eine Ausgeglichenheit zwischen den so beängstigend scheinenden Prüfungen und meiner eigenen Seele zu finden. Lernen ist nicht alles und das möchte ich jedem ans Herz legen, der das Abitur noch vor sich hat.
Zwar bin ich noch nicht im Besitz des Abiturs als Zeugnis, aber ich kann glücklich verkünden, dass ich mit einer sehr zufriedenstellenden Note bestanden habe! Seit der Bekanntgabe fühle ich ein leichtes Prickeln auf meiner Haut, ich bin unfassbar erleichtert, doch noch mehr: es ist vorbei, all diese Abende, an denen ich mir den Kopf zerbrach und am liebsten alles hinschmeißen wollte, sind vorbei. Wobei gesagt werden muss, dass mich das Fehlen von Mathematik am meisten freut und ich mich wohl nimmer mit Mysterien wie Analysis beschäftigen muss.

2. Angst vor Schmerz, Bewältigung schlechter Erfahrungen: Weisheitszahn-OP
Nachdem ich letztes Jahr eine Weisheitszahn-Operation durchmachte, bei welcher mich mein Kieferchirurg als weinerliches, jammerndes Mädchen beschimpfte und sich über meine Angst scheinbar lustig machte, weigerte ich mich sehr lange, die Zähne auf der verbleibenden Seite ziehen zu lassen – ich konnte mich jedoch nicht ewig drücken und so erfolgte direkt nach der letzten Abiturprüfung eine Art abschließende, letzte Prüfung. Man kann Weisheitszahn-Operationen nicht beschönigen, sie sind nicht angenehm, ganz zu schweigen von der Vorstellung, wie ein Chirurg gar wie ein Fleischer, einem Zähne aus dem Mund hebelt, aber sie sind keinesfalls so böse. Ich war froh, diesmal eine freundliche, ruhige Chirurgin zu haben, die mir von Anfang an ein Gefühl von Sicherheit vermittelte. Auch hier kann ich nur sagen, unfassbar froh zu sein, dass es vorbei ist!

3. Angst vor Schwäche, sich selbst überwinden: Aberglauben, Pech
Für manche ist es Freitag der dreizehnte. Für andere die schwarze Katze. Doch zusammengefasst sind es Hindernisse, die man sich selbst baut und ich bin keines Weges frei davon, beruhigenderweise aber auch nicht alleine. Aber warum, wozu mache ich es mir selbst unnötig schwer? Nun, ich lache darüber, ich lache mich selbst aus und ich lache mit anderen. Mittlerweile bin ich dazu hinübergegangen, denn so wie Freude höchstwahrscheinlich schlechte Geister vertreibt (falls es diese gibt), gilt das auch hierfür. Es ist ein komisches Phänomen, das einem die schlechten Erinnerungen so sehr im Kopf hängen bleiben, genauso gut könnte man auch behaupten, man habe einen Glückstag im Jahr. Da ist die Gleichsetzung und -bereichtigung für die Ausgewogenheit noch nicht im Kopf angekommen.

4. Angst vor Neuem: Und jetzt?
Das fragen mich gerade sehr viele und ich habe zwar einige Gedanken, aber werde davon erst berichten, wenn ich einen Studienplatz sicher habe. Allerdings werde ich im Juli ein einmonatiges Praktikum bei einer Zeitung in der Hauptstadt absolvieren und etwas aus Neugier und Verzweiflung packt mich. Wie wird das? Bin ich gut genug? Nur weil ich per Gesetz erwachsen bin, fühle ich mich längst nicht groß, erfahren und verantwortungsvoll? Was, wenn das total in die Hose geht? Ich kann es nicht einschätzen, auf einmal werde ich so überrollt und alles scheint so vage und unbestimmt, wie ich doch diese Menschen mit ihrem Dualem Studium bewundere die mit aller Ruhe durch den Tag schreiten und sich nicht in dieser seltsamen Ungewissheit befinden. Gleichzeititg hat das Neue einen unbestreitbar unwiderstehlichen Reiz, denn es ist mein Fahrtwind, meine Hoffnung.

Ich bin diese Woche das erste Mal alleine auf eine längere Reise gegangen und es war absolut berauschend. Die Kunst, so dünkt mich, ist sich nicht lähmen, sondern beflügeln zu lassen. Das ist simple Physik und nennt sich Kraftumwandlung und sie gefällt mir.

Ich hoffe, euch allen geht es gut! Wenn ihr mögt, kann ich gerne vom Praktikum berichten, schreibt mir einfach in die Kommentare.

Alles Liebe, Katha

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2 Kommentare zu „Kolumne: Neues Terrain

  1. Ich habe die Abiprüfungen auch so gesehen, als ganz normale Prüfungen, bloß eben die letzten in der Schulzeit. Französisch war zB 1:1 so aufgebaut wie meine bisherigen Klausuren, sodass ich mich kaum anders gefühlt hab beim Bearbeiten der Aufgaben.
    Und wie du schon richtig feststellst, sollte das eigene Wohl immer über den Noten stehen. Wenn man ohne Nervenzusammenbrüche kein 1,0 schafft, hat man eben nicht 1,0, dann ist das eben so. Und kein Beinbruch.

    Das mit dem Praktikum ist doch Mega cool, vor allem bei dieser Zeitung. War echt beeindruckt, dass du das bekommen hast :). Du packst das schon! Und ich würde gerne einen Bericht lesen :).

    Und seit ich duale Studenten kenne, beneide ich sie kaum noch ^^. Die müssen einfach den gleichen Stoff in der halben Zeit schaffen. Mega viel Stress.
    Aber generell habe ich auch immer die Leute beneidet, die genau wissen, was sie wollen. Mittlerweile sehe ich das lockerer. Ich weiß, was ich studieren will, und alles andere ergibt sich schon.

    Krass, dass du vorher noch nie allein verreist bist :o. Du hast doch perfekte Voraussetzungen ^^.
    Wir müssen auch nochmal zusammen verreisen irgendwann :).

    Liebste Grüße,
    Don Carlos

    1. Erstmal danke für deinen lieben Kommentar! Ich war ja sehr lange sehr Blogabwesend, deshalb freu ich mich, wenn sich ein paar Leute hierher verirren ^^
      Ich schau mal, was ich dann in 3 Wochen von meinen Abenteuer berichten kann 🙂 Aber momentan macht es eigentlich ganz schön Spaß.

      Müssen wir wirklich Mal. Naja, ich meine alleine Reisen kann ja auch ein bisschen langweilig sein – ich bin da aber auch ein bissl ängstlich.

      Fette liebe Grüße zurück,
      Katha

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