Die Stadt der träumenden Bücher

Zugegebenerweise hat mich die Leselust zum denkbar schlechtesten Moment meiner bisherigen schulischen Laufbahn erwischt: Während der Abiturprüfungen! Aber was soll’s, ich habe eine Menge toller Bücher vorzustellen. Hier eines davon:

https://www.piper.de/uploads/import/produkte/produkt-2579.jpgAutor: Walter Moers
DT/OT: Die Stadt der träumenden Bücher
Genre: Fantasy
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2004
Verlag: Piper
Preis: 12.99
Länge: 480 Seiten
ISBN: 978-3492246880

Bücher können alles – sogar töten! Der junge Dichter Hildegunst von Mythemetz erbt ein makelloses Manuskript, dessen Geheimnis er ergründen möchte. Die Spur weist nach Buchhaim, die Stadt der träumenden Bücher… Walter Moers entführt uns in ein Zauberreich der Literatur, wo Bücher nicht nur spannend oder komisch sind, sondern auch in den Wahnsinn treiben oder sogar töten können. [Klappentext]

Wir werden entführt in eine Welt der Bücher, alles ist mit ihnen verbunden, der absolute Traum eines jeden Bibliophilen wird in Buchhaim wahr – nur, dass es weniger menschlich zugeht, schließlich befinden wir uns bei Walter Moers,in Zamonien! Der Held Hildegunst von Mythenmetz, eine Art Echsen-Dinsosaurier, genannt Lindwurm, stürzt sich in ein gefährliches und waghalsiges Abenteuer – alles, dank eines Manuskriptes.

„Die Stadt der träumenden Bücher“ ist ein wahrgewordener Traum eines jeden Leser: selten habe ich ein Buch gelesen, dass so reich, originell, verwirrend und wortgewandt war. Es ist fast, als würde man ein Viergängemenü essen, das Herz wird einem so warm, sobald man es beendet hat, man fühlt sich gut gesättig, aber es liegt einem nicht schwer im Magen! So viel Einzigartigkeit: ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll!

Vor ab: ich bin sehr froh, der Empfehlung, diesen Roman zu lesen, gefolgt zu sein!

So fantasiereich und -lastig dieser Roman ist, man muss sich einleben, denn es wird immer absurder und bedarf viel Abenteuerlust und Liebe zum Phantastischen, um die ersten 150 Seiten zu überwinden, sie leben vor allem von Grundwissen zur Vorgeschichte, Hintergrund zu Buchhaim und sind etwas langatmig. Dann jedoch kommt ein Bruch, die Geschichte erfährt ein zuvor nie gekanntes Tempo und eine neue Form der Spannung. Ich möchte nicht zu viel spoilern, denn sonst ist der Spaß der unzähligen Überraschungen verloren, allerdings lebt die Spannung hier von Wendungen, die man wirklich nur schwer erahnen kann.
Hildegunst von Mythenmetz lernt schnell, dass sein Auftrag, den sein Dichterpate ihm am Sterbebett gegeben hatte, viel gefährlicher ist, als er auch nur im geringsten erwartet hätte und dass er die Magie von Büchern deutlich unterschätzt.
Jedoch ist er ein ganz wunderbarer Protagonist, etwas naiv, lernt aber schnell und viel und erfüllt in dieser Hinsicht den Typ des Heldens, der eigentlich nicht vor hatte, einer zu sein und schließlich über sich hinauswächst. Allerdings lernt man als Leser gewisser Maßen auch dazu und das macht unheimlichen Spaß.

Ein ganz großes Highlight ist nicht nur Moers herrlich blumige und reiche Sprache, sondern auch die grandiose Idee, das die Namen zahlreicher Figuren nichts als Anagramme berühmter Schriftsteller sind und so freut man sich als Leser enorm, wenn man Charles Dickens, Friedrich Hörderlin, Goethe oder Edgar Allan Poe zwischen den Zeilen entdeckt. Ich bin über die Maßen begeistert über den Ideenreichtum dieses Buches, auch wenn es an manchen Stellen etwas zu sehr ins Detail geht, staunt man jedes Mal über die Fantasie des Autors. „Die Stadt der träumenden Bücher“ ist zudem auch illustriert mit kleineren und größeren Zeichnungen, zeigen z.B. die Buchlinge in den Katakomben Buchhaims und untermalen wortwörtlich perfekt das Geschehen.

THE VERDICT: Ich bin begeistert und erstaunt, wie viel „Die Stadt der träumenden Bücher“ einem Leser an Ideenreichtum, überraschenden Wendungen und ulkigen Figuren bietet. Auf jeden Fall ein Muss für jeden Fantastikbegeisterten und Bibliophile, die es noch werden wollen. Sehr episch. 9,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover

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6 Kommentare zu „Die Stadt der träumenden Bücher

  1. Liebe Katha,
    wie hocherfreulich, daß Du Walter Moers für Dich entdeckt hast.
    Ich LIEBE seine ZAMONIEN-Bücher!
    Der erste ZAMONIEN-Band ist der Käpt’n Blaubär:
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/12/25/die-13½-leben-des-kaptn-blaubar/

    Und im zweiten Band „Ensel und Krete“ findet auch bereits Hildegunst von Mythemetz Erwähnung.
    Im Anschluß an das Märchen von „Ensel und Krete“ erzählt uns Walter Moers – als kleine, kurzweilige Zugabe – die halbe Biblio-Biographie des Hildegunst von Mythenmetz. Spätestens nach diesen ersten fünfhundert Lebensjahren (Hildegunst gehört zur Daseinsform der vernunftbegabten, aufrechtgehenden Dinosaurier, die eine durchschnittliche Lebenserwartung von tausend Jahren haben) schwant uns, daß das nicht das letzte mythenmetzsche Wort gewesen sein kann.

    Hier wie auch an anderen Stellen des vorliegenden bzw. vorgelesenen Buches zeigt sich Walter Moers‘ erzählerischer Weitblick. Leser, die mit den nachfolgenden Werken vertraut sind, werden in „Ensel und Krete“ viele Ideenkeime erkennen, die in späteren ZAMONIEN-Romanen bunteste Blüten und reichhaltigste Früchte treiben.

    Walter Moers besitzt eine Vorstellungskraft, die ich lieber Vorstellungsmagnetismus nenne, da sie so unwiderstehlich-anziehend ist und eine unheilbare Lesesucht auslösen kann.

    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/02/05/ensel-und-krete/

    Da es noch laaange dauern kann bis „Das Schloß der träumenden Bücher“ erscheint (der Erscheinungstermin wird seit drei Jahren ged e e e e e e hnt), lohnt sich die Lektüre sämtlicher
    Vorgänger-Romane, um das Warten zu überbrücken.

    Möge er prangen!

    Nachtaktive Grüße 😉
    Ulrike von Leselebenszeichen

    1. Wie glücklich es mich doch macht, dass du auch so begeistert bist. Ich möchte unbedingt noch mehr von Walter Moers verschlingen, also werde ich deine Rezension morgen mit ausgeruhter Frische lesen. Ich freue mich jetzt schon!
      Nächtliche Grüße zurück 🙂

    1. Oh, das sehe ich mir doch gleich an! Käpt’n Blaubär möchte ich auch unbedingt lesen! Ich arbeite aktuell an einer Rezension, die dich vielleicht spezifisch interessieren könnte, also schau vielleicht später nochmal vorbei 😉

      LG zurück
      Katha

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