Irisches Herz in Brooklyn

OT: Brooklyn
DT: Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten
Genre: Drama, Liebesgeschichte
Cast: Saorise Ronan, Emory Gohen, Domnhall Gleeson, Julie Walters, Jim Broadbent
Regie: John Crowley
Drehbuch: Nick Hornby
Musik: Michael Brook
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 0 Jahren

nach dem gleichnamigen Roman von Colm Tóibín
nominiert für 3 Oscars

Wir schreiben das Jahr 1952 in einer irischen Kleinstadt: Die junge Ellis Lacey erhält durch Hilfe ihrer Schwester Rose und dem Father Flood eine Stelle in Brooklyn und emigriert in die Vereinigten Staaten. Ihre Schwester und die verwitwete Mutter bleiben jedoch in Irland. Ellis lebt in einer Art Pension mit anderen Mädchen und erhält eine Stelle in einem örtlichen Kaufhaus, belegt gleichzeitig aber auch einen Kurs über Buchhaltung. Sie leidet an starkem Heimweh und fühlt sich verloren in der großen Stadt, bis sie eines Tages auf einem Tanzabend Tony kennenlernt. Plötzlich wird ihr Leben wieder fröhlicher, bis sie plötzlich einen Anruf ihrer Mutter erhält, dass ihre Schwester gestorben ist und sie Ellis zurück nach Irland bittet.

Es geht um die Heimat, um Familie, um die erste und vielleicht auch große Liebe, um Tod und Schmerz, Sehnsucht, Heimweh – ja, Brooklyn ist ein berührender Film und wird deshalb vielleicht als ein typischer Frauenfilm abgestempelt, weshalb ich die Idee mit meinem besten Freund in diesen Film zu gehen recht komisch fand und positiv überrascht wurde.

Die junge Saorise Ronan beweist, dass sie weitaus mehr ist, als eine Schauspielerin, die in ihrer Kindheit durch die Verfilmung von „Abbitte“ berühmt wurde. Jetzt ist sie kein kleines Mädchen mehr, sondern eine erwachsene junge Frau, die mit ihrem wunderbaren irischen Akzent bezaubert und durch gefühlsvolles schauspielerisches Können besticht.
Dabei ist Ellis auf keinen fall ein platter Charakter, teils auch widersprüchlich und trifft auch nicht unbedingt Entscheidungen, die sie für den Zuschauer sympathisch machen – was gut ist, denn dadurch ist „Brooklyn“ so lebensnah und bewegend. Der Film lebt von den kleinen und großen, aber vor allem menschlichen Gefühlen.
Außerdem habe ich mich sehr über den (kurzen) Auftritt Jim Broadbents gefreut, er schafft es immer wieder ältere Männer auf eine so nette und fast schon drollige Weise darzustellen, mal ernst, mal selbstironisch.
Ein weiterer Pluspunkt sind natürlich die anderen – irischen – Schauspieler, welche durch ihren natürlichen Akzent dem Film Authenzität verleihen.

Besonders positiv sind mir neben Ronans hervorragender schauspielerischer Leistung der Soundtrack aufgefallen: Michael Brook kombiniert Irische Folklore mit melancholischen, aber auch modernen Tönen, wobei Streicher stets im Vordergrund stehen und dadurch sich das traditionell irische Thema durch den Film zieht und stets an die Heimat erinnert. Die vielen Höhen und Tiefen werden durch herzzerreißende Geigen betont und alles in einem ist es ein eher trauriger und nachdenklicher Sound, der aber das Emigieren und eine neue Heimat aufbauen mit all seinen Mühen originell untermalt.
Ganz toll sind auch die Kostüme: Volksnahe Kleidung, schlicht und bieder wie die 1950er Jahre. Es wird nicht mit typischen Rockabily-Klischees gearbeitet, sondern mit der Kleidung des Alltags.

Brooklyn ist allerdings im großen und ganzen eine Liebesgeschichte, welche durch eine mögliche Dreiecksbeziehung etwas in ein Klischee fällt, das nicht hätte seien müssen. Natürlich ist es eine Buchverfilmung und da ich dieses nicht gelesen habe, kann ich es in dem Punkt nicht bewerten, allerdings steht für mich fest, dass das letzte Drittel für mich etwas zu rosa-rot war, denn der Film ist im Großteil recht ernst und dementsprechend ist der Kontrast ziemlich groß.

THE VERDICT: Alles in einem ist „Brooklyn“ ein schöner Film mit Portionen von Wehmut, Liebe und der Bedeutung von Heimat. Vor allem punktet er durch Optik, Soundtrack und seiner Hauptdarstellerin, die der leuchtende Stern des Filmes ist. Es ist ein netter Film, den man sich an einem gemütlichen Abend ansehen kann und zu kleinen Diskussionen über Emigration verleitet, allerdings auch nicht mehr. 7 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover
Bild 2

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5 Kommentare zu „Irisches Herz in Brooklyn

  1. Sooo, dritter Versuch. Wieso will das bekloppte WordPress, mit dem ich eh noch nie klargekommen bin, mir nicht erlauben, mich NICHT anzumelden zum Kommentieren -.-? Nur weil es meine Mailadresse erkennt…

    Wie auch immer: Vielleicht sollte ich mir den Film auch mal zu Gemüte führen :). Ich kann Saoirse Ronan seit „Abbitte“ eigentlich kaum noch sehen, weil sie mich da so aggressiv gemacht hat, aber sie soll ja eine ziemlich geniale Schauspielerin sein. Hast du „In meinem Himmel“ mit ihr gesehen? Den wollte ich immer mal sehen.
    Soso, der gute alte Slughorn ist auch dabei ^^?
    Eine sehr schöne Rezension :).

    LG <3,
    Don Carlos

    1. Hey Charlie, danke für deinen lieben Kommentar! Ja, ich habe „In meinem Himmel“ gesehen, das war knapp nachdem ich 12 geworden war und es offiziell im Kino sehen durfte. Damals hat noch der Film extrem verstört und ich wurde das erste Mal mit der Angst vergewaltigt oder umgebracht zu werden von ekeligen Männern konfrontiert. Ob Ronan eine tolle Schauspielerin war, kann ich nicht beurteilen, weil mich das mit 12 nicht wirklich interessiert hat. Der Film hat mich jedenfalls nachhaltig verstört und ich möchte ihn nicht noch ein mal sehen…
      Aber Brooklyn kann ich dir für einen netten Mädelsabend ans Herz legen.
      LG, Katha

      1. Das kann ich nachvollziehen ^^. Du kennst ja meine kranke Faszination für alles… Kranke :D. Ich werde ab Oktober gut aufgehoben sein bei den Psychos ^^.

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