The Circle

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Autor: Dave Eggers
OT: The Circle
Genre: Sci-Fi, Dystopie
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 2014
Verlag: Penguin
Preis: £6.29
Länge: 512 Seiten
ISBN: 978-0241146507

Auf deutsch unter „Der Circle“ erschienen

Mae Holland, eine jungere Amerikanerin erhält durch ihre Studiumsfreundin Annie einen Job bei der begehresten Firma ihrer Zeit: Der Circle, welche sich durch raffnierte Innovationen immer mehr etabliert. Schnell findet Mae sich in der Welt dieser Firma ein, sie wird Teil eines imensen sozialen Netzwerkes. Doch ihre Eltern, ihr Exfreund und ein mysteriöser, scheinbar identitätsloser Mann wirbeln ihr Leben auf – unterdessen wird der Circle immer mächtiger.

Selten hat mich ein Buch so entsetzt. Sagte ich selten? Noch nie. Zugegeben, der Englisch Grundkurs nötigte mich, meiner zweiten Dystopie näher zu kommen, doch ich verschlang den Roman förmlich. Etappenweise, um genau zu sein, da ich finde, dass man den Circle ab und an aus der Hand legen sollte, um nicht komplett verrückt zu werden.
Immer wieder fragte ich mich, wie das seien könne, wie grausam und blind Menschen seien können und musste leider feststellen, dass blinder Gehorsam und die Neigung nichts zu hinterfragen, stark verbreitet sind. In The Circle malt Dave Eggers ein gruseliges Zukunftsbild einer technisch hochentwickelten, ja, eigentlich Technik süchtigen Gesellschaft. Wenn’s neu und krass ist, wieso sollte man da Nein sagen?
Man kann es so oder so sehen, aber man findet im Circle unheimliche Verbindungen zu unserer technisierten Welt, wo wir alles sharen und liken und uns eine Identität im Netz erschaffen und unser Selbstwertgefühl dadurch aufflammt, dass jemand einen Smiley oder ein Herz sendet – das ist überspitzt, aber etwas ist dran.

Mae leitet einen druchs Geschehen, man blickt durch ihre Augen, fühlt, was sie fühlt und liest ihre Gedanken. Dabei ist Mae eine impulsive und leicht zu begeisternde Person, anfangs scheint sie naiv und unbeholfen, doch je mächtiger der Circle wird, desto mehr wird sie eingesogen von der Macht und man möchte in dieses Buch springen und schreien sie soll doch endlich zu Vernunft kommen. Sie ist ein sehr egoistischer und meines Erachtens nach stark sexualisierter Charakter, eigentlich zieht sie ihr Ding durch, ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken – meist fallen ihr (wenn überhaupt) ihre Fehler im Nachhinein ein. Dadurch ist sie ein ziemlich vielseitiger und realistischer Charakter – ich persönlich habe sie mit jeder Seite mehr gehasst und war auch ein bisschen froh, als ich den Roman beendete, dass ich mich nicht mehr mit ihr befassen muss.
Die Ereignisse jagen sich förmlich: einen Chip in Kinder einpflanzen, um sie vor Kidnapping zu Schützen, überall Kameras intsallieren – jedes Mal, wenn man glaubt, absurder könnte es es nicht werden, fällt man umso mächtiger auf die Nase. Dave Eggers konstruiert eine abartige Welt, die sich als Utopia ausgibt und ständig betet man, wenigstens einer möge zur Besinnung kommen. Es ist die Geschichte von technischer Innovation und blindem Gehorsam, die gar nicht so weit von unserer Zeit weg zu seien scheint, man denke nur an die große Firma, die fast ein Monopol auf alles im Internet hat – Google. Ich meine natürlich den Circle!

Allerdings muss ich einwenden, dass ich Eggers Schreibstil nicht besonders mochte, er lebte von einer eigenartig dikatorischen Wiederholungskraft und den Dingen, die in Maes Kopf vorgehen – dadurch ist es natürlich sehr authentisch und teilweise auch furchtbar nervtötend, vor allem, wenn man an dem Punkt ankommt, wo die absolute Doktrin durch Leitspürche wie „Secrets are Lies“ anfängt. Zudem ist das Buch nur in drei Teile eingeteilt und in keine Kapitel, so dass es schwer ist, sich zu orientieren, manchmal geschieht ganz viel und dann wieder zum vierten Mal, wie Mae durch ihren Zing-Feed scrollt.

THE VERDICT: Der Circle ist ein abartig aufregendes, unheimliches und schockierendes Buch mit technokratischen Zukunftsvisionen und besticht dabei durch eine plastische Authenzität, die einem aber gleichzeitig enorm nerven kann 7 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover

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7 Kommentare zu „The Circle

  1. Ich fand auch den „Spannungsbogen“ etwas mau. Vielleicht rüttelt es an den Leuten, die es cool finden, dass sie sich auf jeder Plattform mit ihrem einen Facebook-Account anmelden können.

    1. Ich fand es am Anfang auch etwas mau, aber als es mit dem ganzen Kameras usw losging, wo die Privatsphäre ohne Ende verletzt wurde, war ich ziemlich aufgeregt 😀

  2. „Begrüßen Sie unseren ehrwürdigen Präsidenten: Mr. Zuckerberg“
    War zugegeben nur mein erster Gedanke nach dem Lesen dieser Rezi, die meiner Meinung Lust auf das Buch macht 🙂

  3. Jepp, der Roman ist durchaus gelungen. Insbesondere die Assoziationen nicht nur zu Google, sondern auch zu Firmen wie Apple (die Beschreibung des Firmengeländes erinnert schon stark an Apples Hauptquartier) können einem angst machen. Eine stark überzeichnete digitale Gesellschaft? Ist es wohl gar nicht wirklich. Leider…

    1. Stimmt, Apple auch! Wahrscheinlich geht es in die Richtung Silicon Valley, ich glaube, der Roman fühlt sich noch mal ganz anders an, wenn man in den USA wohnt.

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