Kolumne: Suche nach mir selbst

Was ist das, was einen wirklich ausmacht? Wie würdest du dich selbst definieren?  Was möchtest du machen? Aber vor allem, wer willst du sein?

Es gibt kaum andere Fragen, die mich zur Zeit so beschäftigen wie diese. Es fühlt sich doch an, wie vor einer Gabelung zu stehen, nur dass es eher ein freies Feld ist und der Horizont so fern blutrot glüht. Es ist eine Sache Abitur zu machen, sich durch Prüfungen zu kämpfen und die letzten Wochen störrisch die Zähne zusammenzubeißen, um noch das letzte Tröpfchen Kraft aus mir herauszupressen. Ich wate durch Moore, schlage Gstrüpp aus meinem Weg, klettere über Hindernisse – ich weiß, was ich tue (meistens bin ich auch überzeugt davon), ich weiß bloß nicht in welche Richtung ich eigentlich gehe. Und während ich mich kurz zur Rast unter einen Baum setzte und den nächtlichen Himmel anstarre, hunderttausende kleine Sterne in der Ferne leuchten sehe, fühle ich diese schiere Unendlichkeit, in der ich so fürchterlich klein bin.

Bis jetzt gab es den Weg, der vorgegeben war, zumindest nur kleinere Abweichungen waren möglich und so sehr es mich freut daran zu denken, bald niemals wieder den Dschungel der Analytischen Geometrie betreten zu müssen oder gar abzuleiten, ich habe keinen Schimmer, was jetzt passiert.

Was will ich überhaupt? Es klingt fast schon luxuriös, wie viel Wahl ich habe. Zumindest kann ich ein paar Dinge ausschließen.

Nun versuche ich darüber nazudenken, was mit mir nach der Schule werden soll und ich stoße auf eine zweite, noch exitenziellere Frage, die meinen dauererschöpften, siebzehnjährigen Kopf doch ganz schön brummen lässt: Wer bin ich überhaupt? Andere können mich beschreiben, sagen, dass ich groß sei, nachdenklich, mürrisch, kreativ, sarkastisch – und diese Adjektive nehme ich auf, wie ein Schwamm und akzeptiere sie. Ein paar dieser ‚Tags‘ füge ich selbst hinzu: rechthaberisch, ungeduldig- Ganz am Ende kleben sie an mir, überall, Adjektive ohne Ende. Aber bin ich einfach ein Produkt aus Wertungen? Ist meine Essenz letztlich das? Ich kann einen Menschen beschreiben, lang und breit, episch wie ein euphorischer Johann Wolfgang von Goethe, wortgewandt und feinfühlig präzise. Aber diese Person zu erleben ist etwas ganz anderes, unsere Sprache ist dafür nicht geeignet, noch weniger dieses kategorisierende Schubladendenken.

Ich verändere mich, flink wie die Moleküle in flüssigem Aggretatzustand, mein Charakter ist kein Zustand – das macht alles aber nur so viel schwieriger! Und das Schlimmste ist, dass sich alles so unfassbar endgültig anfühlt und ich aber gar nicht weiß, ob ich in drei Jahren noch immer davon überzeugt seien werde. Allerdings muss ich dafür herausfinden, was mein „Davon“ überhaupt ist.

Das ist ein guter Anfang. Und danach? Ich scheiß drauf, ich werde mich nicht einsperren lassen und meine Entscheidung einen ‚Tag‘ werden lassen. Diese Angst über meine Zukunft nachdenken zu wollen, muss aufhören – dass es Zeit gibt, kann ich nicht ändern, ebenso wenig, dass sie erbarmungslos voranschreitet. Angst ist kein gutes Motiv, Respekt ist eine bessere Einstellung.

So viel zu den Dingen, die ich weiß. Mal sehen, wie es mit der Umsetzung klappt. Wahrscheinlich ist dieser etwas persönlichere Artikel ein kleine Entschuldigung für die Zukunft, dass ich weniger schreiben kann. Mir steigt alles zu Kopfe – und den brauche ich gerade.

Alles Liebe und hoffentlich bis bald!

Katha

 

Advertisements

6 Kommentare zu „Kolumne: Suche nach mir selbst

  1. Liebes,
    vertraue darauf, daß Du Dich im Laufe Deines Lebens immer besser kennenlernen wirst.
    So mancher Schritt zeigt erst im Nachhinein, wohin der Weg führt und selbst Umwege sind keineswegs Fehler.

    Mach‘ mal öfter Deinen dauerdenkenden Kopf leer und fülle stattdessen Dein Bewußtsein mit EINFACHSEIN, ATMEN, LIEBESLÄCHELN und dem, was JETZT geschieht.

    „Die Seele empfängt aus der Seele das Wissen,
    und nicht aus Büchern noch vom Reden.
    Erwächst das Wissen der Geheimnisse
    aus der Leerheit des Geistes,
    so ist das Herz erleuchtet.“
    – RUMI –

    Lächellichte Grüße von
    Ulrike 🙂

  2. Also ICH, liebe Katha,

    fand den Dschungel der analytischen Geometrie SEHR belebend 🙂

    Er gehörte während meiner vorabituriellen Zeit – mit weitem Abstand vor so uninteressanten, weil trivialen Fächern wie Deutsch und Gemeinschaftskunde (wo ich dauernd wie blöd gähnen musste vor Langeweile) zu meinen allerliebsten Aufenthaltsplätzen!

    Herzliche Mittagsgrüßle vom Lu

  3. Ein sehr schöner Text, den du da verfasst hast 🙂
    Regt auch selbst zum Nachdenken an, denn es sind gute Fragen, die du stellst.
    Aber manche beantworten sich leider nicht nur durch Nachdenken, sondern mit der Zeit. Je mehr du voranschreitest, desto mehr kannst du reflektieren 🙂

    LG,
    GNB

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s