Verblendung

Autor: Stieg Larsson
DT: Verblendung
OT: Män som hatar kvinnor (Millenium I)
Genre: Thriller
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2005
Verlag: Heyne
Preis: 9,99
Länge: 704 Seiten
ISBN: 978-3453438200

Was geschah mit Harriet Vanger? Während eines Familientreffs spurlos verschwunden, bleibt ihr Schicksal jahrzehntelang ungeklärt. Bis der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander recherchieren. Was sie zu Tage fördern, lässt alle Beteiligten wünschen, die hätten sich nie mit diesem Fall beschäftigt. [Klappentext]

Nachdem mich neuerdings der Wunsch gepackt hatte, eher Kriminalliteratur zu lesen, wusste ich natürlich, dass ich „Verblendung“ nicht entkommen würde. Ich erinnere mich sogar ziemlich gut daran, wie mein Vater sie las, als ich noch klein war, und das ziemlich obsessiv. Also nah ich mir kurzerhand den Roman aus dem Regal und begann zu lesen – nicht gerade wenig sogar! Ich war förmlich an „Verblendung“ gekettet, ich wollte das ganze Mysterium verstehen.

Der Plot, die Frage, nach der verschwunden Harriet Vanger beginnt schon interessant: als Mikael Blomkvist vom ehemaligen Großindustriellen Henrik Vanger gebeten wird, Nachforschungen anzustellen, sträubt er sich gewaltig, hält das ganze Unterfangen für reinste Zeitverschwendung, denn der Fall liegt schon Jahrzehnte zurück. allerdings scheint es, als sei Henrik Vanger nahezu besessen mit dem Thema, sammelte Bilder, Informationen, eigentlich alles, um herauszufinden, was mit seiner Lieblinsnichte passiert ist. Nur eine Sache hält ihn daran, an diesem Fall verbissen weiterzuarbeiten: jedes Jahr zum Geburtstag erhält er ein Paket mit einer gerahmten Blume. Wie einst von Harriet.
Doch Mikael Blomkvist hat eigentlich ganz andere Probleme, der Wirtschaftsjournalist muss ins Gefängnis gehen, da seine Story gegen den Unternehmer Wennerström sich nicht vor Gericht beweisen lässt. Das wird lang und breit am Anfang erzählt, mit allerlei Wirtschaftsfachchinesisch, dass man sich fühlt, als würde man auf den Kohlen sitzen und auf den eigentlich Plot warten – aber es ist wichtig für die gesamte Geschichte. Schließlich ködert Vanger Blomkvist: er könne ihm exklusive Information zu Wennerström geben, die diesen ins Verderben stürzen würde.
Und dann freut man sich schon fast als Leser: jetzt beginnt das Aufarbeiten, ziemlich ausführlich, gründlich, tief und man glaubt schon selbst nicht mehr so richtig, dass Blomkvist etwas herausfindet über Harriets Verschwinden, das Henrik nicht weiß. Bis er auf einen mysteriösen Code trifft. Und dann kommt alles saftig ins Rollen.

https://i1.wp.com/ecx.images-amazon.com/images/I/51lOka1QQwL._SX319_BO1,204,203,200_.jpgMan darf sich „Verblendung“ keinesfalls als actiongeladenen, blutigen Thriller vorstellen. Er ist auf eine ganz andere Art und Weise grausam: so verrät der schwedische Titel mehr über den Inhalt, als der Deutsche: Männer, die Frauen hassen. Der Roman ist ebenfalls in mehrere Teile gegliedert, welche stehts auf ihrer Deckseite eine Statistik über Gewalt- und Sexualverbrechen an Frauen aufweisen. Das gibt einem schon mächtig zu schlucken.
Wie man es sich bei einem Unternehmerclan, der auf einer schwedischen Insel verteilt wohnt, ist die Stimmung unter den Mitgliedern teilweise nicht die beste: verhasst, verfeindet, ehemalige Nazis: wunderbar großes Konfliktpozential, das den Roman nur umso interessanter macht.

Wie es schon im Klappentext angekündigt wird, bleibt Mikael nicht alleine, sondern trifft – relativ spät sogar – auf Lisbeth Salander. Ein herrliches Gegenstück zu ihm: klein, tätowiert, äußerst ungewöhnlich gekleidet und furchtbar schweigsam über ihr eigenes Leben. Dafür beherrscht die junge Frau Hacker-Fähigkeiten, wie keine zweite – und einen tollen Verstand. Auf ihre sehr eigne, etwas grobe, geniale Art und Weise arbeiten die beiden richtig toll zusammen.
Figurentechnisch wurde sie mir auch viel sympathischer als jeder andere Charakter in „Verblendung“, nicht nur, weil sie so einzigartig ist, aber auch, weil sie eine wirklich starke Persönlichkeit ist.
Im Gegensatz zu Mikael, von dem es natürlich vorteilhaft ist, ihn als Protagonisten zu mögen, doch ehrlich gesagt ging mir sein etwas übersexualisiertes Leben etwas auf die Nerven. Irgendwann gibt es auch eine gewisse Grenze, wie viel ich über Sex in einem Thriller lesen möchte, vor allem weil Blomkvist auch grob gesagt, sich durch die Gegend vögelt.

Das Setting hingegen fand ich besonders toll: fast wie isoliert, gefangen auf der Vanger-Insel, um mehr über die Familie Vanger zu erfahren, die Mikael alle überaus seltsam, meist abweisend behandeln. Man braucht ein bisschen, um die Namen einordnen zu müssen, außerdem erfährt man die ganze Familiengeschichte der letzten 100 Jahre. So gesehen ist der Roman überaus detailliert, nahe zu perfektionistisch werden die Fäden langsam zusammengeführt. Und davon lebt „Verblendung“ : das Zusteuern auf die Lösung, langsam, präzise und glaubwürdig.

THE VERDICT: Nicht umsonst werden Krimi- und Thrillerautoren ständig mit Stieg Larsson verglichen: sein Werk ist einzigartig, faszinierend, fesselnd und genial aufgebaut. Es war eine Bereicherung „Verblendung“ zu lesen, auch wenn mich der Protagonist etwas nervte. 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen:
Cover

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