Die Sucht nach Stress

Oder eine Erinnerung an mich selbst.

Es ist gar, als stünde ich ständig unter Strom, müsste ständig tun, um in Bewegung zu bleiben, höher, schneller, weiter. Zufriedenseien ist Aufgeben in dem ständigen, täglichen Kampf des Besserwerdens. Sich auf einen Erfolg auszuruhen ist ein Wimpernschlag, bevor ich begreife, dass ich das beim nächsten Mal auch schaffen muss, wenn nicht gar besser. Es ist fast lächerlich: Ich klage darüber, wie schrecklich gestresst ich bin, dass mir der Kopf sonstwo steht, doch gleichzeitig entwickelt man auf eine paradox-perverse Weise eine Art Stockholmsyndrom zu diesem Leiden. Es ist die Droge, der Adrenalinkick, etwas auf den letzten Drücker machen zu müssen und freudetaumelnd, fast schon übermüdet in der Nacht endlich fertig zu sein! Wer braucht schon Schlaf, wenn man von Kaffee leben kann?

Doch dann kommt etwas überaus absurdes: ein ruhiger Tag, an welchem man die Füße hochlegen kann. Ein sanftes Lächeln bei dem Gedanken, doch kaum habe ich es mir am Fenster bei mildem Samstagslicht mit einem Buche gemütlich gemacht, da pulsiert die Schläfe, die Gedanken gehen verloren, man fragt sich was man doch machen könnte, was fehlt.
Fast schon eine leere Enttäuschung, mal entspannen zu müssen.
An den Tagen, wo ich weiß, dass ich noch später etliches zu tun habe, da lege ich gerne die Füße hoch, um den Moment abzuwarten, wo es nahezu zu spät ist, um anzufangen. Es ist die Sucht, die einen ergreift, das Spiel mit der Zeit zu spielen in der festen Überzeugung, es gewinnen zu können. Ein Packt mit dem Teufel. Nur, dass ich nicht Faust sein möchte.

Das ist Schwachsinn. Das Aufschieben, das nächtliche Arbeiten, die bittren Tränen der Angst, die man weint aus reiner Verzweiflung. Das Leben ist nicht die Aufreihung von Erfolgen, das Leben ist nicht die Schule oder das Studium, und doch muss man auch hinfallen, denn Glück fühlt man nur im Kontrast intensiv. Es ist keine Schande, hinzufallen und zu scheitern, es tut weh, doch nur wer liegen bleibt, ist gescheitert. Zufriedenheit ist eine Belohnung, die man sich selbst schenken sollte. Ich möchte ein bisschen mehr lächeln, einfach tief einatmen und an mich glauben, ohne psychopathisch zuckend in der ständigen Angst des Versagens zu leben, die ich mit der Sucht nach Stress, den ich mir selbst aussetzte mache.

Sagte ich Schwachsinn? Unsinn. Wahnsinn!

Das wird schon. Stress hilft zur Motivation, aber die Motivation sollte nicht alleinig aus Stress hervorgerufen werden.
Ich möchte nicht mehr sagen: ich bin der unentspannteste Mensch auf Erden.
Ich möchte sagen – nein, ich werde jetzt einfach schmunzelnd nicken.

Love, Katha

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3 Kommentare zu „Die Sucht nach Stress

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