Ein verworrenes Engelsspiel

Autor: Carlos Ruiz Zafón
DT: Das Spiel des Engels
OT: El juego del Ángel
Genre: Mystery
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2008
Verlag: Fischer Verlag
Preis: 10,95 € (Taschenbuch)
ISBN: 978-3596186440
Länge: 720 Seiten

Barcelona in den turbulenten Jahren vor dem Spanischen Bügerkrieg. Der junge David Martín fristet sein Leben als Autor von Schauerromanen, als er einen mit dem Zeichen des Engels versiegelten Brief erhält. Der mysteriöse Verlger Andreas Corelli macht ihm ein unwiderstehliches Angebot. Bald kämpft David um sein Leben – und um seine Liebe.

Der Protagonist erzählt seine Geschichte im wunderbar blumigen, ausführlichen und dabei so malerisch präzisen Stil, wie man ihn von Zafón schon aus dem ersten Teil der Barcelona-Reihe, dem „Schatten des Windes“ kennt – bzw. der wunderbaren Übersetzung von Peter Schwaar. Schon alleine dieser Stil und die Erzählweise, die einem ein unheimliches, düsteres Barcelona vor die Augen zaubern, ist es wert, mindestens etwas von Zafón zu lesen.
Da ich bereits den „Schatten des Windes“, „Marina“ und versehentlich schon den dritten Teil der Reihe „Der Gefangene des Himmels“ (und hier lässt sich sagen, dass man die Bücher eigentlich unabhängig voneinander lesen kann) gelesen hatte, waren meine Erwartungen nicht minder groß.

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©FischerVerlag

David Martín lässt sich in einen Pakt mit den Teufels ein und trägt die Konsequenzen. Ich glaube, wer Goethes „Faust“ gelesen hat, ist hier vielleicht im Vorteil. Die Geschichte schwankt zischen liebevoll-lustigen Momenten mit seinem großen Fan Isabella, die unbedingt seine Assistentin werden will und Stunden in den Buchhandlung Sempere und Söhne, die praktisch die Verbindung zum „Schatten des Windes“ bildet. Andererseits folgt der für Zafón typische Mystery-Teil und im Laufe des Romans wird dieser Teufelpakt mit all seinen Auswirkungen immer kurioser, ja gar gruseliger, die David in Angst und Schrecken versetzt.
Leider bin ich etwas zwiegespalten, denn während sich die Spannung über die ersten 500 Seiten des Romans ballt – ACHTUNG SPOILER – geht der Roman schließlich in ein reinstes Blutbad über, eine Art Splatterroman, exzessives Sterben und Morden,  es scheint, als lese man einen reinen Wahn, ein Delirium mit keiner Chance auf ein gutes Ende. Oder wie ein Freund von mir sagte: Am Ende stehen so viele Fragen offen, man ist eigentlich nur noch verwirrter. Ich habe kein Happy End erwartet, es hätte auch nicht gepasst, aber dass sich der Kreis schließt, dass ich verstehe, wer Andreas Corelli ist – oder bin ich zu blöd?! Aber vielleicht ist das auch der Reiz: ein bisschen Interpretationsspielraum, ein paar Geheimnisse.

THE VERDICT:
„Das Spiel des Engels“ ist ein spannender, packender Mysteryroman von wunderbaren Stil, präzise, malend und dennoch perfekt abgestimmt zur Handlung, die sehr speziell und ungemein faszinierend ist. Hier harmonieren Stil und Inhalt. Ich verschlang ihn innerhalb weniger Tage und dennoch bin ich irgendwie verwirrt, ein bisschen enttäuscht über die Wendung zum Ende, was mich sehr teilt. Es ist schwierig, eine passende Bewertung zu geben, aber ich entscheide mich für 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

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8 Kommentare zu „Ein verworrenes Engelsspiel

    1. Oh, da kann ich nur Zustimmung finden! Ich weiß mittlerweile leider nicht mehr so ganz, ob ich seine anderen Werke lesen will, weil nichts den Schatten des Windes übertrumpfen kann 😀

      1. Na ja, versuch’s mal mit der Idee: auch von Ludwig van Beethoven ist nicht jede Sinfonie so großartig wie die Dritte!
        Und dennoch kenne und schätze ich sie doch natürlich alle 🙂

      2. wundervoll gesagt 🙂 ja, mal sehen, mein SuB ist momentan schon von katastrophalem Ausmaß…

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