Sühne und Vergebung

DT: Abbitte
OT: Atonement
Cast: Keira Knightley, James McAvoy, Saorise Ronan, Vanessa Redgrave, Ramona Garai
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Christopher Hampton
Musik: Dario Marianelli
Länge: ca. 118 Minuten
Erscheinungsjahr: 2007
FSK: ab 12 Jahren

Nach dem Roman „Abbitte“ von  Ian McEwan aus 2001.

Als Briony an einem heißen Sommertag des Jahres 1935 etwas sieht, dass sie nicht versteht und auch noch einen Brief in die Hand bekommt, in dem Robbie (James McAvoy) ihrer älteren Schwester Cecilia (Keira Knightley) seine sexuellen Absichten im groben niederlegt, ist Briony verwirrt, glaubt jedoch trotz ihrer mangelnden Erfahrung die Situation beschwerten zu können und sieht hinter ihm einen Triebtäter – dabei sind Robbie und Cecilia ineinander verliebt.
Am Abend schließlich wird die Robbie beschuldigen, ihre Cousine Lola (Juno Temple)sexuell belästigt zu haben, womit sie nicht nur die zwei liebenden auseinanderreißt, sondern auch das Leben von ihnen dreien für immer verändert.

Schon dieser Auszug zeigt, dass es sich bei „Abbitte“ um keine einfache, schlicht-traurige Liebesgeschichte handelt, sondern von einer abartig schmerzhaft intensiven Tragik, die einen jeden Zuschauer eigentlich nur erschüttern kann.
Denn ein 13-Jähriges Kind – besonders zu diesen Zeiten – versteht nicht viel von Sex und als sie schließlich mit diesem verboten-geheimnisvollen damit konfrontiert wird, überfällt sie die Eifersucht ihrer Schwärmerei für Robbie. Die Folgen ihres Handelns begreift sie nicht, glaubt aber richtig mit ihrer Beschuldigung zu liegen und ist eher von ihren eigenen Gefühlen überzeugt, als von dem, was sie vielleicht gesehen hat. Der in drei Teile gegliederte Film berichtet sowohl von den Konsequenzen für die auseinandergerissenen Liebenden, als auch für Briony selbst.

So wird in „Abbitte“ nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern es werden auch philosophische, moralische Fragen behandelt, welche nur eine Qualität dieses Filmes sind. Dabei sind die 7 Oscarnomminierungen nur ein kleiner Beweis.
Zum einen sind es die überaus überzeugenden Schauspieler, insbesondere die drei Hauptdarsteller, die dem Film seine Tiefe und Überzeugungskraft geben. Obwohl man Saorise Ronan für ihre Rolle der Briony über den Ganzen Film hassen und verabscheuen kann, ist es beeindruckend, wie gut die damals 13-jährige in diesem Film, der viele sehr bekannte und gute Schauspieler, wie z.B. Vanessa Redgrave, spielt und kein bisschen in ihrer Rolle untergeht.
Was mich ein bisschen überrascht und mir beim Erstsehen vor gut 2 oder 3 Jahren nicht aufgefallen ist, ist Benedict Cumberbatch in einer kleinen, aber bedeutsamen Nebenrolle.

Für mich ist „Abbitte“ ein wunderbares Zeugnis desssen, dass eine Kooperation zwischen Joe Wright, Dario Marianelli und Keira Knightley einen ganz wunderbaren Zauber haben und immer wieder aufs neue funktionieren, ohne zu langweilen – man denke an „Anna Karenina“ oder „Stolz und Vorurteil“.
Wie gut der Film in Anbetracht dessen, dass einer Adaption ist kann ich nicht beurteilen, da ich Ian McEwans Roman nicht gelesen habe.
Auch hier untermalt die wunderbar melancholische, unfassbar tragische und bewegende Musik Dario Marianellis die Stimmung des Filmes so einzigartig und nahzu perfekt. Maßgeschneiderte Melodien, mal bitter-süße Streicher verwoben mit dem Tippen einer Schreibmaschine, mal ein Chor, welche von der so vielen Themen des Filmes zeugen – und es lohnt sich, sie außerhalb dieses Filmes zu hören, wie beispielsweise „Denoument“ Dieser tolle Soundtrack gewann 2008 den Oscar.
Auch die Kostüme, besonders das eine lange grüne Abendkleid aus Seide, welches Keira Knighltey trägt, sind wunderbar. Das Kleid wurde übrigens 2008 von der amerikanischen InStyle zum schönsten Kleid der Filmgeschichte gewählt. Jaqueline Durran war ebenfalls für die prächtigen Kostüme in Anna Karenina verantwortlich-

THE VERDICT: „Abbitte“ ist eine unfassbar tragische Liebesgeschichte, die sich mit der Frage des Verzeihens und der Schuld auseinandersetzt. Dabei leisten alle Darsteller derart tolle Arbeit, dass man fast in der Geschichte versinken glaubt, was die gute Kamera und der berührende Score nur unterstreichen. Dennoch muss gesagt werden, dass es schmerzhaft ist, ihn zu sehen und ich ihn deshalb nicht allen Filmbegeisterten empfehlen kann. Am besten ist wahrscheinlich, wenn man nach diesem schweren Stück jemanden zum Reden hat.
9 von 10 Sternen.

Love, Katha

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3 Kommentare zu „Sühne und Vergebung

  1. Zwei Wörter: James McAvoy *-*
    Na gut, und: Keira Knightley *-*
    Die wären so ziemlich der einzige Grund für mich, diesen Film noch einmal zu sehen, denn ansonsten trifft es „abartig schmerzhaft intensive Tragik“ ziemlich gut. Dieser Film ist echt ein Film zu mitleiden. Und Briony hassen, völlig egal, was sie nicht verstanden hat und dass sie die Folgen ihres Handelns nicht einkalkuliert hatte.
    Stimmt, Saoirse Ronan, die Frau mit dem unaussprechlichen Namen :P, spielt wirklich sehr gut. Aber Keira Knightley und James McAvoy sind meine Lieblinge <3. Benedict Cumberbatch ist mir damals auch nicht aufgefallen, aber da kannte ich ihn glaube ich auch noch nicht.
    Ich wusste gar nicht, dass Marinelli bei Abbitte und Anna auch die Musik gemacht hat :O. Das erinnert mich daran, dass ich an diesem Stück arbeiten sollte, das ich grad auf dem Klavier spiele…
    Ich gebe dir auf jeden Fall Recht, der Film ist nicht für jeden etwas. Und ich würde ihn auch nicht oft hintereinander sehen, dafür ist er einfach zu anstrengend…
    LG 🙂
    Don Carlos

    1. Hey!
      Es ehrt und freut mich immer sehr, deine Meinung auf meinem Blog zu sehen 🙂
      Keira Knightley gehört – wie man vielleicht an meinem Rezensionen sieht – zu meinem Lieblingsschauspielerinnen. Filme mit McAvoy habe ich leider nicht wirklich gesehen, um das zu berurteilen, jedoch ist seine Performance zweifelsohne sehr gut in Abbitte 🙂
      Ich finde den Film auf eine ganz spezielle Weise wertvoll und daher auch irgendwie sehr spannend zu diskutieren. Es ist deutlich mehr als Entertainment!
      Marianelli – nicht Marinelli, das ist der Böse aus Emilia Galotti 😀 – hat übrigens dem wunderbar emotionalen Jane Eyre Score ebenfalls komponiert. Er gehört mit Desplat zu meinem großen Lieblingen 🙂

      Love, Maret

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