134 Minuten des Leides

DT: 12 Years a Slave
OT: 12 Years a Slave
Genre: Historienfilm, Drama
Darsteller: Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Benedict Cumberbatch, Paul Dano, Lupita Nyong’o, Paul Giamatti, Brad Pitt
Regie: Steven McQueen
Drehbuch: John Ridley
Musik: Hans Zimmer
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: 134 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Saratoga/New York, Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Afro-Amerikaner Solomon Northup lebt ein einfaches aber glückliches Leben als freier Mann. Als zwei Fremde den virtuosen Geigenspieler für einen Auftritt engagieren und danach noch auf einen Drink einladen, schöpft Solomon keinerlei Verdacht. Umso größer ist sein Entsetzen, als er sich am nächsten Morgen in Ketten gelegt auf einem Sklavenschiff Richtung Louisiana wiederfindet! Jeder Hinweis auf seine verbrieften Freiheitsrechte verhallt ungehört: Solomon wird verkauft und muss unter schlimmsten Bedingungen Fronarbeit leisten. Zwölf lange Jahre sucht er nach einem Weg, sich aus der Gefangenschaft zu befreien und dabei zu überleben… Wird er seine geliebte Familie jemals wiedersehen? [amazon.de]

Es ist definitiv auch kein Film, den man zweimal sehen möchte (was aber für die Rezension notwendig war, dennoch war es grausam), denn man geht nicht gutgelaunt und unterhalten aus dem Kino raus. Die Wahrheit ist, der etwas leere Saal war verstummt und verstört. Man weiß nicht ganz, ob man überhaupt nach Worten suchen möchte.

Dieser Film legt die Verhältnisse in der Sklaverei offen und schonungslos dar. Ich bin nicht sehr bewandert in der Thematik und umso mehr schockte es mich. Zunächst landet Solomon (Chiwetel Ejiofor) unter dem Namen Platt, den er annehmen muss,bei dem Plantagenbeseitze Ford (Benedict Cumberbatch), mit welchem er verhältnismäßig gut auskommt, Ford schenkt ihm sogar eine Geige und man hegt leichte Hoffnungen für Solomon. Der wird jedoch in einen Streit mit einem der Aufseher kommen und zu seinem eigenen Schutze wird er zu einer anderen Plantage geschickt. Doch Edwin Epps (Michael Fassbender) ist überaus brutal und spätestens ab hier beginnt das absolut unfassbare Grauen.

Die Optik des Filmes ist natürlich hervorragend: tolle Landschaftszenen von blutroten (welch Ironie!) Sonnenuntergängen, schweren Weiden im Wind und großen typischen Südstaatenbauten. Das Licht des Filmes ist sehr natürlich gehalten, keine übertriebene Düsterkeit, wie man sie bei anderen Historienfilmen hat. Zu dem kommt der Score, eine Mischung aus typischen Hans-Zimmer-Elementen (als habe man den Score von Inception zusammengeschreddert und ihm eine weniger bedrohliche Note verpasst) und Worksongs der Sklaven. Hans Zimmer hat mal wieder hohen Wiedererkennungswert und dadurch, dass sich in den letzten Jahren seine Stücke beginnen, ziemlich ähnlich anzuhören, sticht die Musik zwar nicht sooo heftig hervor, aber unterschreibt die Traurigkeit des Filmes auf eine angenehme Weise – aber leider nichts so besonderes.

Ich bin absolut befangen, was die Besetzung angeht, da ich ein großer und bekennender Benedict Cumberbatch Fan bin, werde ich es bei: er war großartig, im Wesentlichen belassen. Seine Rolle als Ford war dahingehend eine interessante, weil er eigentlich recht ‚gut‘ zu ihm war. Nun was heißt gut? Jemand der Sklaven hat ist nicht gut. Aber es ist mehr in ihm, ganz, als sei er sich selbst ab und an nicht so sicher darüber und nehme es als selbstverständlich für die Gegend an und wolle sich selbst lieber nicht genauer damit auseinandersetzten, weil er letztlich das Schlechte daran bemerken würde – aber nicht sehen will.

Solomon leidet unendlich, viel und man leidet mit ihm, er wird sehr gut von Chiwetel Ejiofor gespielt und ich habe großen Respekt vor ihm, da es eine schwere Aufgabe ist. Eine weitere Sklavin spielt eine große Rollle: Patsey, welche auf der Plantage von Epps arbeitet und Unmengen von Baumwolle pflückt und dadurch von Epps auf eine äußerst perverse Art begehrt wird. Lupita Nyong’o, die den Ocar für die beste Nebendarstellerin erhielt, spielt sie beeindruckend. All den Schmerz, den körperlichen und seelischen fühlt man mit ihr, es tut einem unendlich weh, jemanden derart leiden zu sehen, Szenen von unmenschlicher Gewalt und eine Vergewaltigung – sie hat dieses Oscar mehr als verdient!
Dann wäre da natürlich Michael Fassbender, den ich aus Jane Eyre kenne und mag – ein unglaublicher Kontrast zu 12 years a Slave. Nun, nach dem Film war er mir eine gewisse Zeit verdammt unsympathisch und das ist eigentlich ein gutes Zeichen. Seine Rolle ist mit Abstand die ekelerregenste im ganzen Film: eine Mischung aus Menschenverachtung, Zynismus,  Perversität und einem kalten Schauder, der einem über den Rücken läuft, wenn dieser Typ zu Brüllen beginnt. Und das bringt mich schon zum nächsten Punkt: Dieser Film sollte definitiv nicht das FSK 12 haben. Ich kannte zwar den Trailer und dieser zeugte schon von abartiger Grausamkeit aber das, was sie zeigen, ist noch mehr und ich glaube nicht, dass ein 12 Jähriger das Verträgt. Das schlimmste daran ist wirklich, dass man weiß, das es so war, das es ein dunkler Fleck in der Menschheitsgeschichte war und als ich den Film mit Tränen in der Augen von Entsetzten sah, habe ich mich gefragt, wie das passieren konnte, dass Menschen zu derartige Monstern werden, fernab von jeder Form von Würde. Man schämt sich, ein Mensch zu sein.

Den einzigen Kritikpunkt, den ich habe, sind die Szenen, wo Solomon ab und an ins Nichts sieht (und nachdenkt?). Es ist nicht so, dass diese Szenen einem eine Art Pause erlauben – sie sind ziemlich lang und befremdlich.

THE VERDICT: Ein mal sehen reicht. Aber man sollte ihn trotz des Schmerzes sehen, weil er unglaublich gut gemacht ist und zugleich auf  eine gewisse Weise lehrreich. Ein grausames Meisterwerk: 9 von 10 Sternen

Love, Katha

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4 Kommentare zu „134 Minuten des Leides

  1. Wenn man die grossen Verfilmungen aus Hollywood kennt, dann läuft es mittlerweile nach Schema F ab mit Musik, Drama, Gewalt und Gefühlen und das Ziel ist ein Oscar. Nach 10 Minuten erkennt man schon den Ablauf, die Höhepunkte und das Ende. Mir hat der Überraschungseffekt, etwas Neues und Tiefe gefehlt.

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