Der Medicus

 

Autor: Noah Gordon
Titel: Der Medicus
Orignialtitel: The Physician
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453471092
Länge: 848 Seiten

England im 11. Jahrhundert: Als Robs Mutter stirbt, findet er Junge Schutz bei einem Bader und wird sien Lehrling. Seine Neugier und sein Wissensdurst werden ihn jedoch bald nach Persien aufbrechen lassen, um dort den berühmtesten aller Ärtze zu treffen. Er macht sich auf eine gefährliche Reise und begegnet Hunger, Wissen und Fanatikern.

Ich muss zugeben, dass ich ein wenig etwas anderes als erwartet, las. Irgendwie rechnete ich mit mehr ‚Blut‘, als dann letztlich vorkam, dafür lernte ich eine Menge über dilettantische Bader und die Pest. Robs Figur ist eine sehr interessante und vielfältige Persönlichkeit, man erfährt sehr viel über sein Innenleben, den Eindrücken und entwickelt sich etwas mit ihm mit: vom kleinen, Ärzte misstrauen Burschen zum großen Heiler mit einer ganz besonderen Gabe.
Seine Gabe ist die zentrale Thematik, die ihn letztlich zum Heiler macht, denn wenn Rob die Hand eines Patienten ergreift, spürt er, ob derjenige sterben wird oder nicht. Besonders gut fand ich, wie die Gabe behandelt wurde, denn in einer Zeit von Aberglaube und Hexenverfolgung hatte Rob natürlich vor sich selbst Angst!

Mit der Zeit wird Rob älter, als er in die Lehre beim Bader eingeht, treten nach und nach seine sexuellen Wünsche vor – und das zeiht sich von dort an fortwährend durch das Buch.
In gewisser Hinsicht ist Noah Gordon ein wenig wie Ken Follett: historischer Roman, nein, dicker historischer Roman, gut geschrieben  (obwohl Follets Stil etwas blumiger und schöner ist), präzise beobachtet und die Zeit gut aufgefasst und ja, mit Sexszenen. Der wesentliche Unterschied ist, dass Ken Follett diese weniger Ärztehaft beschreibt, denn mal ehrlich: Rob kommt einem ziemlich unheimlich rüber, wenn er beim Sex daran denkt, was da alles so medizinisch gesehen passiert. Zudem sind die Szenen immer seltsam nüchtern und leidenschaftslos geschrieben.
Für weitere Fremdschäm-Momente sorgt Robs Schwanzvergleich: sein Glied war größer/kleiner/haariger/dunkler als das von Wemauchimmer und weiß der Himmel. Bitte nicht!
Wer sich nun denkt: was ist denn das? Abgesehen davon ist der Roman wirklich toll! Man lernt Unmengen dazu und ich weiß nicht so viel über die historische Korrektheit dieses Buches, aber ich persönlich finde sie überzeugend. Es wird von dem Leben in einer Karawane erzählt, wie sie funktioniert, wie die persische Welt war mit ihren schmucken Bauten und den fremdartigen Lebenstilen, den Widersprüchen und Streitigkeiten zwischen Religion und Alltag bzw. der Anwendbarkeit religiöser Grundsätze im Alltag – an sich ziemlich aktuell, wenn man bedeckt, dass der Roman im 11. Jahrhundert spielen soll.
Eine weitere Thematik und zentrale Rolle spielt natürlich (besonders zu diesen Zeiten) die Religion. Zudem kann Rob nicht als Christ in Isfahan lernen und so tut er das unglaubliche: er gibt sie als Jude aus und das ist sowohl witzig als auch spannend, weil man sich die ganze Zeit fragt, ob er auffliegen wird. Er wird zum Menschenbeobachter und studiert mit manch witzigen Kommentar die Gewohnheiten und die Religion.
Rob wird einiges leiden und manchmal ist man sich schon ziemlich unsicher um das Schicksal des werdenden Medicus: wird er die Reise überleben (naja, ganz offensichtlich schon, was soll denn die restlichen 500 Seiten passieren)? Was passiert mit der Frau, in welche er sich verliebt? Kann man die ausbrechende Pest stoppen und was ist mit seinen Gefährten: werden sie diese überleben? Ab und an hat man immer ein paar Abstecher in die Perspektive der anderen, mal in die von Mary, die Frau, in welche er sich verliebt, dann Ibn Sina usw. Ich finde das ganz gut, weil man dann auch einen anderen Blick auf Rob bekommt.
Dafür, dass es ein Schinken ist, passiert eine Menge, was gut ist, weil man fortwährend zum Lesen gezwungen wird, denn es ist sowohl spannend als auch unterhaltsam. Man lernt, wird mit Rob erwachsen, fiebert z.B. bei einem persischen Marathon und einer Schlacht mit. Der Stil ist recht präzise, verliert sich ab und an in Details, was ganz schön ist und lässt sich flüssig und gut lesen. Recht ungewöhnlich, aber auch schon beim Schamanen die selbe Problematik: Druckfehler, von fehlenden Buchstaben, Buchstabendrehern und fehlenden Satzzeichen ist ein bisschen war drin.

THE VERDICT: Eine unterhaltsame und lehrreiche Lektüre mit ordentlich Saft und gutem Stil, aber kleinen Mängeln: Robs Sexualitätsdrang war dann doch nach einer Weile etwas nervig und die Druckfehler gehen absolut gar nicht, deshalb kann ich das Buch auch leider nicht ‚Episch‘ nennen, auch wenn es mir sehr gefallen hat. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s