Verfall einer Familie

Moin!

Es gibt Bücher, die man gelesen haben muss, weil sie ein Teil der Weltgeschichte sind, aber wenn man keine Lust hat? So erging es mir, als ich das erste mal von den Buddenbrooks hörte. Uhh, dicker Schinken in schwerer Sprache – kann so etwas überhaupt interessant sein? Doch irgendwann im letzten Jahr wurde ich neugieriger und las es schneller durch, als ich erwartet hatte.

Autor: Thomas Mann
Titel: „Buddenbrooks – Verfall einer Familie“
Genre: Gesellschaftsroman, Drama, Klassiker
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1901
Verlag: Fischer Verlag
Preis: 9,95€ (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-569-29431-2
Länge: 768 Seiten

„Es ist eine hervorragende Arbeit, redlich, positiv und reich“, urteilte S. Fischers Lektor Moritz Heimann nach der Lektüre des Manuskripts über Thomas Manns, ersten Roman, seinen wohl am meisten gelesenen, am meisten verbreiteten. Verfall einer Familie – sein Untertitel scheint ihn einzureihen in eine bestimmte Gattung, aber „der Zug zum Satirischen und Grottesken“, der darin steckt, hebt ihn zugleich davon ab, gibt ihm einen eigenen Charakter, eigene Wirkung bis in die Gegenwart. Thomas Mann erzählt nur wenig verschlüsselt die Geschichte seiner Familie und ihrer Stellung in der Vaterstadt Lübeck, soweit er sie nachvollziehen, in Einzelheiten überblicken konnte, ja sogar noch miterlebt hat. Verwandte, Honoratioren und markante Persönlichkeiten seiner Jugend werden integriert. Den meisten Raum nimmt das Leben Thomas Buddenbrooks ein – „ein modernes Heldenleben“; sein Sohn Hanno wird einen langen Strich unter die Genealogie der Familie setzen und sich rechtfertigen mit den Worten:“Ich glaubte … ich glaubte … es käme nichts mehr …“ In den mehr als hundert Jahren seit seinem ersten Erscheinen hat der Roman unzählige Menschen in seinen Bann gezogen und hat bis heute nichts an Charme und Aktualität eingebüßt.“

Zugegeben, ein wenig hilfreicher Klappentext, doch im Grunde genommen geht es um die verschiedenen Generation Buddenbrook  eingebettet in ihr Familienunternehmen: von dem alten Johann Buddenbrook, über Jean Buddenbrook, dessen Sohn Thomas ein und als letzter erfolgt das kurze Leben des Hanno Buddenbrook.
Von Generation zu Generation wird das Handelsunternehmen übergeben und bringt jedem Oberhaupt Probleme, Konflitke und Herausforderungen. Thomas Buddenbrooks Leben füllt am meisten Platz in den Roman: er wird heiraten, aber nie die wahre Liebe in seiner Frau finden, er wird sich mit seinem psyisch angeschlagenen Bruder Christian abquälen und sich über ihn aufregen, Begräbnisse miterleben und nicht zuletzt an seinem Sohn Hanno verzweifeln, der kein Interesse an dem Handelsunternehmen zu haben scheint, sondern sich mit der Musik beschäftugen möchte – wie seine Mutter.

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Es ist das erste Buch, in dem ich viele „…“ sah, mir erschien es erst komisch, aber man gewöhnt sich dran, obgleich ich zugeben muss, noch immer nicht wirklich schlau daraus geworden zu sein. Ich muss zugeben, manchmal reichlich angeödet gewesen zu sein, es war langatmig und manchmal ein Kampf, aber dann wieder verschlang ich es! Besonders die Geschichte von Tony Buddenbrook mit ihrem Rauf und Runter, ihrem überschwänglichem Leiden und Aufgeben einer Liebe – eine moderne, extravagante Frau, die sich scheiden lässt. Doch auch die anderen Charaktere, wie Christian zeichnen sich von außerordentlicher Originalität wie Realität aus. Das ist wichtig bei einem Roman wie diesem, der unheimlich viele Charaktere vorstellt. Aber durch diese Zuordnung und exakte Beschreibung bleibt einem so gut wie jeder Darsteller (es hat was von einem Theaterstück!) in Erinnerung.

Der Roman beschreibt in einer exzellenten Sprache die Tragödie einer Generation, einer großen Familie, die mit ihrem letzten Sohn zusammenbricht. Thomas Mann schafft es hypotaktische Sätze zu einem Vergnügen zu machen, er wählt die Wörter bedacht und arbeitet mit hervorragenden Nuancen der Sprache, baut sogar Dialekte ein, was die Charaktere umso lebendiger erscheinen lässt – was manchmal aber auch nicht wirklich einfach zu verstehen ist. Nun, warum sollte man es lesen, wenn man mit dem Untertitel bereits weiß, was geschieht? Vlt sollte man es lesen, weil es ein Klassiker ist, weil man beginnt, die Welt mit offeneren Augen zu erblicken, wenn man den Roman gelesen hat? Das Buch veranlasste mich sogar dazu, Lübeck (T.Mann erwähnt zwar nie den Ort Lübeck, aber irgendwie weiß man es anhand der Beschreibungen ziemlich gut einzuordnen) zu besuchen, weil mir das Lesen kaum noch reichte, ich wollte es endlich sehen! Schade nur, dass vom eigentlichen Buddenbrookhaus nicht sehr viele Zimmer im Originalzustand eingerichtet sind, was etwas enttäuschend war.

Besonders muss ich die Ausgabe des Buches loben, sie ist nämlich nicht allzu schwer, in einer angenehmen größte gedruckt, und man kann es knautschen und knicken, der Buchrücken bekommt nicht diese schrecklichen Rillen – ich bin da ein bisschen pingelig:D

THE VERDICT: Diese wortwörtlichen Wucht zu bewerten ist letztlich schwer, da obgleich ein Meisterwerk, der Roman kann auch ziemlich langatmig und öde seien kann. Dennoch: Man sollte sich definitiv die Zeit nehmen, ihn zu lesen, da er einen auf gewisse Weise lehrt. 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha


„Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, wann sie wiederkommen?“ – Oscar Wilde

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3 Kommentare zu „Verfall einer Familie

    1. Das solltest du auf jeden Fall! Auch, wenn es ein recht harter Brocken ist, es ist ein glänzendes Stück Weltliteratur, welches jeder gelesen haben sollte! Du musst mir unbedingt berichten, wie du es fandest.

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