[Unileben #4] Bewegung

Neuerdings habe ich einiges über mein Verhältnis zu sportlichen Aktivitäten nachgedacht.

Ich weiß, was jetzt kommt. Ich hasse Sport auch, ehrlich. Schulsport gehört noch immer zu den unangenehmsten regelmäßigen Demütigungen meines Lebens und bei dem Namen gewisser SportlehrerInnen stehen mir die Nackenhaare noch immer zu Berge. Nicht ohne Grund hieß es unter uns Lernenden auch „Müller* Sport ist Schülermord“ (*Die Lehrkraft hieß natürlich anders, aber ich musste ja einen Namen einsetzen). Ich war ganz grottig und furchtbar ungeschickt im Schulsport und habe irgendwann angefangen diese Frustration auf meine ganz persönliche Bewegungsebene zu übertragen – so wurde ich eine chronische Couchpotato.

In der 10. Klasse nahm mein Leben aber einen witzigen Lauf: ich wurde Teil der Ruder AG meiner Schule, in erster Linie, weil viele meiner Freundinnen lange auf mich eingeredet hatten. Das erste Mal seit langem genoss ich es wirklich in der Natur und ebenfalls in Bewegung zu sein. Rudern ist wirklich großartig!
Rückblickend betrachtet weiß ich, dass es mir unfassbar gut tat, da ich sonst den ganzen Tag ja nur am Schul- oder Schreibtisch saß – aber was für einen Unterschied es machte, darüber dachte ich damals nicht großartig nach.

Mit dem Abistress und schließlich dem Verlassen der Schule, stieg meine Faulheit wieder an und mein Bewegungsradius schloss durchschnittlich dem Weg zur Bahn oder die lahmen Schritte innerhalb der Wohnung ein – im Sommer gar einen längeren Ausflug in der Park. Dabei ist es nicht mal so, als ob ich mich ungern bewege. Mir geht es hierbei gar nicht darum, meine körperliche Gesundheit, meine schlechter werdende Kondition oder mögliche Figurprobleme anzusprechen, die sich daraus auch ergaben, sondern mein geistiges Wohl, dass tatsächlich unter meinem selbstverursachten Bewegungsmangel litt.

„Warum machst du nicht mal Unisport?“, hieß es dann öfter, mal von Freunden oder der Familie oder sogar von KommilitonInnen, die davon schwärmten. Und ich muss sagen, dass ich diese Frage ein bisschen satt habe, weil ich stets das Gefühl habe, mich rechtfertigen zu müssen. Aber, um es werde knapp zu sagen, dass ich dann wieder mein Schulsportsyndrom bekomme und es einfach zur peinlichen Qual für mich wird. Außerdem haben mir die Ausflüge in die Krafträume im Winter mit meiner Ruder AG damals bewiesen, dass ich outdoor Sport weitaus mehr schätze.

Unabhängig davon, ob man akut mit Stress zu tun hat, vielleicht unter einer psychischen Erkrankung leidet, oder ob es einem im Großen und Ganzen gut geht: Mir scheint in letzter Zeit, wo ich mich endlich wieder angefangen habe, ein bisschen auszupowern, dass meine geistige und meine körperliche Gesundheit zusammenhängen und ich meinem Körper auch etwas geben muss, damit mein Geist stabil ist. vielleicht ist das keine große Erkenntnisse für manche, eigentlich höre ich mir das auch schon seit Jahren von anderen an, aber es nun am eigenen Körper zu fühlen, ist noch mal etwas ganz anderes.

Nachdem ich vor ein paar Wochen mit meiner Mitbewoherin gequatscht hatte, die mir Sport empfahl, als es mir nicht so gut ging, war es eine unglaubliche Erkenntnis, physisch zu fühlen, wie viel mir allein die zehn Kilometer, die ich täglich mit dem Fahrrad zu Uni hin und zurück zurücklege, geben. Und erst recht, wenn ich mal mehr fahre, am Landwehrkanal langradel und neue, schöne Teile der Stadt entdecke, einfach mal für mich bin, ohne auf das Smartphone zu schauen und entspanne oder wie letzten Sonntag, spontan bei der Sternfahrt des ADFC mitmache.

Es ist unfassbar, wie viel stärker und entspannter ich mich fühle. (Zugegeben, an manchen Tagen bin ich auch frustriert, wie asozial manche VerkehrsteilnehmerInnen sind, aber in der Summe ist es doch ein positives Erlebnis). Nun ist es Sommer und ich wohne in einem halbwegs fahrradfreundlichen Bezirk und ich habe leider noch gar nicht bedacht, wie ich meine Sportlichkeit bei fallenden Temperaturen umsetzten werde. Aber das wird sich dann zeigen, erstmal genieße ich es, wie es ist.

Love, Katha

Olga

Autor: Bernhard Schlink
DT: Olga
Ersterscheinung: 2018
Verlag: Diogenes
ISBN: 978 3 257 07015 6
Länge: 320 Seiten

Ende des 19. Jahrhunderts in Pommern: Die Waise Olga trifft auf den Gutsherrensohn Herbert. Zusammen wachsen sie auf und treffen immer wieder aufeinander, obwohl sie nicht unterschiedlicher hätten sein könnten und verlieben sich schließlich. Während Olga sich trotz ihrer gesellschaftlichen Position zur Lehrerin hochkämpft, zieht es Herbert in den Kolonialkrieg nach Afrika und schließlich auf eine Expedition in die Arktis.

Schlink schafft es, das Leben von Olga, von ihrer Kindheit und Jugend, ihrer großen Liebe und dem Altwerden, einfühlsam auf 320 Seiten zu erzählen, sagt dabei nie zu viel, aber auch nicht zu wenig. Man hätte sicherlich daraus auch ein Familiendrama spinnen können, einer dieser romantischen historischen Romane von 600 Seiten – keine Frage, bei der Fülle der historischen Ereignisse, der Rückblenden, des Materials hätte man das sehr wohl machen können und einen mittelmäßigen, netten und interessanten Roman daraus machen können. Aber Schlink gibt nur kleine Hinweise, erzählt in unterschiedlichen Tempi, mit Rückblenden, Briefen, nachdenklichen Momenten. Man fühlt als Leser, wie viel Liebe in diesen Figuren steckt. Die Verknüpfung der verschiedenen Zeiten, Vergangenheit und Gegenwart, ist überzeugend gelungen und steigert nur die Emotionalität des Romans.

Ich konnte nicht anders, als lächeln, während ich dieses Buch las und es kaum noch asu den Händen legen. Bücher, wie Olga, sind der Grund, weshalb ich so gerne lese. Weil man in ihnen eintauchen kann, mit den Figuren miträtseln, fiebern und wachsen, ihre Veränderungen wahrnehmen kann, mit ihnen durch Liebe und Trauer geht, aber auch, weil man sich verzaubern lässt von dem Schreibstil. Schlink zeigt so gut, wie wunderbar und schön Schlichtheit sein können – etwas, was mir auch an Benedict Wells‘ Vom Ende der Einsamkeit so gut gefallen hat: dass ich während des Lesens förmlich über die Seiten gleiten konnte, weil es so ruhig und sanft geschrieben ist und dieser Stil so hervorragend zum Gelesenenen passt. Ich habe auch den Eindruck, dass wenn man den Roman am Stück liest, sehr schön in seine Intensität eintauchen kann.

Manchmal passiert es, dass man ein richtig gutes Buch zum richtigen Zeitpunkt liest und es einem wahrlich das Herz und die Seele wärmt und man während des Lesens richtig aufgeht. Bei mir war das bei „Olga“ zweifelsohne der Fall, die poetische Leichtigkeit des Schreibstils, die Tiefe der Charaktere und die bewegende Geschichte haben bei mir Mitten ins Herz getroffen und ich fühle mich in einer altbekannten Situation wieder: Ich möchte in meinem Freundeskreis dieses schöne, bewegende Buch herumreichen, in der Hoffnung, dass sich andere ebenfalls so begeistern lassen.

Ich kann mit bestimmter Sicherheit sagen, dass Olga eines meiner Lieblingsbücher dieses Jahres werden wird. Zugegeben, man muss diese Art von ruhigen und dennoch bewegenden Büchern mögen, ich denke, es wird Leute geben, die da, wo ich Schönheit sehe, nur langweilige Blässe erkennen. Aber wer sich vielleicht mit meinem Geschmack identifizieren kann und den Vorleser auch mochte, wird vielleicht auch Freude an diesem Buch finden.

THE VERDICT: Ein kleines Juwel an Roman: Bewegend und packend geschrieben, erzählt Schlink eine traurige aber wunderschöne Liebes- und Lebensgeschichte mit absolutem Lieblingsbuchpotential. Ich kann es von ganzem Herzen empfehlen. 10 von 10 Sternen.

Love, Katha

Verzauberter April

Autorin: Elizabeth von Arnim
OT: Enchanted April
DT: Verzauberter April
Ersterscheinung: 1922
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 9783518389256
Länge: 278 Seiten

Vier englische Damen, die kaum hätten anders sein können, sowohl in Stand als auch Charakter, beschließen im April in einem italienischen Castello zu verbringen – jede trägt ihre eigene Geschichte mit sich und hat andere Gründe, den Monat dort zu verbringen. Unvermeidbar ist es also, dass es unter den vier Damen ruhig bleibt. Der Roman ist eine tolle Mischung aus herrlich zynischen Gesprächen, feiner englischer Sittenkomödie und der langsamen Verzauberung durch Italien.

Als erstes muss ich gleich vorweg gestehen, dass ich bin unfassbar positiv überrascht worden von diesem Roman und er im Sturm mein Herz erobert hat. Zugegeben, ich dachte, durch Titel und der Aufmachung der Geschichte, dass der Verzauberte April ein wenig E.M. Forsters „Zimmer mit Aussicht“ gleichen würde: ein nettes kleines Buch, das in Italien spielt, ein wenig Geplänkel über Briten im Ausland, upper-class-Gewitzel mit einer Note klischeehaftem Frauenroman. Nett und für zwischendurch, am besten für den Urlaub. Oh, was lag ich falsch!

Letztes Jahr wurde mir der Roman von einer Bloggerin empfohlen, so dass ich schon ein Bauchgefühl hatte, dass ich mit meinem vorschnellen Urteil falsch liegen könnte, weil sie das Buch wirklich lobpreiste. Als ich dann noch von ein paar Instagrammerinnen, deren Urteil ich ebenfalls vertraue und die öfter ähnliche Bücher wie ich genießen, hörte, wie grandios dieses Buch sei, wollte ich es am liebsten sofort lesen, denn ich hatte Blut geleckt. Meines Gefühls nach handelt es sich beim Verzauberten April um einen Roman, der im deutschsprachigen Raum eher unbekannt ist, während ich überrascht war im anglophonen Bereich viele Rezensionen zu finden – ebenfalls überschwängliche!

Bereits nach den ersten Seiten fühlte ich den Charme und Witz des Romans auf mich wirken und wusste, dass ich ihn genießen würde. Es ist unfassbar, wie viel Schönheit und Wärme in diesem Buch steckt, wie man über die Schrulligkeit der vier Damen lacht und ihre Entwicklung nicht nur beobchten, sondern mitfühlen kann. Es ist kein bisschen, wie ich leider gestehen muss erwartete zu haben, ein ’nettes‘ Buch, sondern man fühlt wirklich einen Mehrwert beim Lesen. Elizabeth von Arnim hat hier eine wunderbare Mischung aus Sittenkomödie und einfühlsamer Schilderung von Einzelschicksalen von Frauen, die nicht anders hätten sein können, verfasst, die  durch Authentizität aber auch einer Art Freundlichkeit besticht. Ein Schande, dass dieses Buch nicht weitaus bekannter ist, zumal es nicht nur wunderbar geschrieben ist und man den üppig blühenden Garten des Castellos vor den eigenen Augen sieht, sondern so viel Spaß macht zu lesen und öfters laut loslacht. Ich würde sagen, dass für diejenigen, die sich oft daran stören, dass Klassiker doch langatmig und substanzlos sein, man sie nicht verstehe, zu sehr nach Ernsthaftigkeit greifen und mit schöner Sprache übertreiben, möglicherweise mit diesem Roman eine positive Erfahrung mit (modernen) Klassikern machen könnten.

THE VERDICT: Ich kann mit Sicherheit sagen, dass der Verzauberte April sicher eines meiner Lieblingsbücher in diesem Jahr werden wird, weil es einem wirklich das Herz wärmt: man lacht, man lebt mit und fühlt sich selbst, als wäre man für einen Monat in Italien gewesen. 9 von 10 Sternen

Love, Katha

[Unileben #3] Erwachsen sein?

In letzter Zeit wurde ich öfter mit dem sogeannten Erwachsensein konfrontiert und habe darüber nachgedacht, was es für mich bedeutet. Mir ist aufgefallen, dass mein Blog etwas vor sich hindümpelt und ich zwar weiterhin gern lese, aber etwas von dem Literaturblog weggekommen bin und eigentlich auch wirklich lust hätte, mehr über Alltägliches, das mich beschftigt zu schreiben – was in erste Linie mein Unileben ist. Hier ist also ein erster kleiner Versuch, meine Gedanken zu Erwachsensein und -werden zu sortieren.

Ich hatte kürzlich wieder einen dieser Momente, in denen mir einfiel, dass ich theoretisch auf dem Weg bin, eine eigenständige, erwachsene Person zu werden. Aber was genau heißt das? Wenn mir Leute sagen, dass nun wo ich erwachsen bin, mich auch so verhalten soll? Was ist denn angemessen für jemanden mit 20? Wie habe ich zu sein?

Ich glaube, die letztere Frage fasst es perfekt zu sein. Mir scheint, als wäre Erwachsensein eine Einstellung für Außenstehende, für Fremdwahrnehmung. Da merke ich schon, wie problematisch die Idee ist, sich in ein solch ungenaues Konzept zu quetschen oder sich, wie ich zur Zeit, davon einschüchtern zu lassen. Und das große Fass, was man von uns Millenials denkt, möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst aufreißen.

In meinen frühen Teenager Zeiten war es genau das, was ich mir so gewünscht habe: erwachsen sein, was auch immer das genau heißen sollte, ich stellte es mir verheißend und wunderschön vor: unabhängig, meine eigene, schöne Wohnung, eine großartige Beziehung, ein Studium, das super läuft und tolle Zukunftschancen hat und natürlich viel Freiheit, natürlich von den Eltern. Mit 20 ist man so verdammt erwachsen, dachte ich, in der Hoffnung, Dinge dann besser zu verstehen.

Ehrlich gesagt, nun, gute 7 Jahre später bin ich eigentlich nur viel verwirrter vom Leben und von diesem Erwachsen sein – was mir besonders vor einigen Wochen aufgefallen ist, als ich endlich den Schritt wagte, von zu Hause auszuziehen. Nun verbringe ich wirklich viel Zeit allein verbringe und mir liegt diese erträumte Freiheit theoretisch zu Füßen. In der Schwebe zwischen der unendlichen Möglichkeit, mich mal richtig gehen zu lassen und dem Bewusstsein, dass ich meinen Alltag irgendwie strukturieren muss, komme ich nicht weiter. Ja, dieses 20 Jahre alt sein, dieses komische unbestimmte Konzept, dass aber etwas bestimmtes verlangt,fühlt sich momentan an, als müsste ich auch herausfinden, wer ich eigentlich sein möchte.

An der Uni kommt man mit vielen verschiedenen Altersgruppen zusammen: zum einen all die jungen Leute, die frisch nach dem Abi den Campus erobern wollen oder vielleicht ein FSJ oder ein Work And Travel Jahr in Neuseeland reingezequtscht haben – aber irgendwas zwischen durchschnittlich 18 und 20 Jahren sind mit leuchtenden Augen und voll Euphorie.
Andererseits gibt es ganz viele, die beispielsweise schon eine Ausbildung hinter sich haben, oder sogar ein Studium und nun Ende zwanzig sind, oder Anfang dreißig. Ich glaube, grob gesagt trifft man vor allem auf diese Altersgruppe zwischen 18 und 32 (was nun nur eine grob geschätzt unempirische Bauchgefühlstatistik ist) und das ist wirklich echt eine große Spanne, wenn man es so recht überlegt, wie viele individuelle Lebensabschnitte dazwischen liegen und wie sich die Lebensefahrung staffelt. Zumindest wirkt es aus meiner 20 jahre alten Sicht so auf mich – ich war stets von mehr oder weniger Gleichaltrigen umgeben, wie es in der Schule üblich ist. Aber plötzlich haben sich Türen zu ganz anderen Altersgruppen geöffnet und etwas sehr merkwürdiges ist mit mir passiert.

Ich stresse mich immer enorm, wenn ich Menschen Ü25 treffe. Es ist, als müsste ich mit aller Kraft beweisen, dass ich schon so erwachsen bin – erwachsen, so wie ich es oben beschrieben habe: ein strukturiertes, erfolgreiches Leben mit der gehörigen Portion Coolness und vor allem Intelligenz. Aber was heißt denn erwachsen, muss ich mich an dieser Stelle erneut fragen.

Mir während der WG Suche in Berlin aufgefallen, dass Leute ganz bestimmte Vorstellungen haben, wie ich mit 20 zu sein habe – und zwar überhaupt nicht erwachsen. Jung und wild aufs Feiern, Leute kennenlernen, eine freie ungebundene und großteils verantwortungslose, unordentliche Seele. Ich bin mir sicher, dass ich diesen naiven, offenen Charakterzug auch habe, aber meine Güte, ich will nicht darauf herunterreduziert werden.
Genau deshalb versuche ich, so verdammt erwachsen rüber zu kommen – Grund gütiger, es ist wirklich schwer mit 20 ernst genommen zu werden – außer von gleichaltrigen – und ich möchte es doch gern. Ich freue mich von Herzen auf die Zeit, wo ich darüber schmunzele, was mich nun beschäftigt. Schließlich kann ich mich auch darüber amüsieren, welche Probleme ich mit 16 hatte und wie anders ich mittlerweile einiges sehe.

Ist erwachsen sein vielleicht nur die Begabung, Dinge deutlich entspannter zu sehen und sich nicht so gequält Sorgen zu machen – gerade, weil man immer mehr Lebenserfahrung und Kenntnis auf dem Rücken trägt und Dinge gelernt hat?
Ich glaube, ich komme hier an meine Grenzen. Ich werde berichten, wenn ich mehr weiß!

Love, Katha

März + April Lieblinge

Und schon wieder ist ein Monat rum! Da ich auf Grund des Unistarts kaum Zeit hatte, wirklich aktiv auf meinem Blog zu sein – was ich vermutlich schon sage, seit dem ich studiere, also fast 2 Jahre – wird es wieder Zeit meine Highlights aus den letzten zwei Monaten vorzustellen. Zwei, weil ich es leider versäumt hatte im April über den März zu schreiben.
Gleich dazu habe ich beschlossen, dass ich die Nomenklatur meiner Faves-Serie in eine Lieblinge-Serie umbenennen werde, weil ich gemerkt habe, vielleicht auch als zukünftige Deutschlehrerin, dass es ein wenig überflüssig ist, mit englischen Wörtern um mich zu fuchteln, wenn ich einfach Lieblinge sagen kann. Ohne weiteres herumgeschwafel, los geht’s.

1. Topshop Pyjama
Instagram und YouTube sind eindeutig schuld daran, dass ich neuerdings hübsche Bettwäsche und elegante Pyjama-Sets zu schätzen weiß. Das ist bereits mein drittes Set, aber ich glaube mein auch mein liebstes. Ich habe es bei Topshop in Canterbury zu einem Spottpreis in der Sale Abteilung gefunden und mich sofort verliebt – super bequem und leicht mit einem tollen Print ohne durchsichtig zu sein. Leider fehlen die Hosentaschen, aber ich kann damit leben. Nun bin ich wirklich mit fancy Nachtwäsche ausgesorgt.

2. Sainsbury Tee
Erneut in Großbritannien aufgegabelt und verliebt: Diese würzige Teemischung aus Ingwer, rote Beete un Zimt ist die perfekte Aufwärmung nach einem regnerischen, tristen Tag und schmeckt einfach köstlich und kein bisschen nach roter Beete (zum Glück!).

3. Daunt Books Tasche (und Großbritannien-Urlaub)
Diesen hübschen Jutebeutel habe ich in einer zauberhaften Buchhandlung in England aufgegabelt und sie ist seitdem im Dauereinsatz bei mir. Schön geräumig, mit einem tollen Motiv und Trägern, die nicht zu lang sind (so dass der Beutel nicht auf der Straße schleift) noch zu kurz (so dass man auch darin kramen kann, während er sich auf der Schulter befindet). Zusätzlich ist es ein Sinnbild für meinen tollen Großbritannienurlaub, auf dem ich Ende März war und welchen man in meinem London und Rye Beitrag nachempfinden kann.

4. Batiste Trockenshampoo
Trockenshampoos sind schon lange meine Freunde, aber ich habe nun endlich eins gefunden, was nicht abartig stark duftet, einen guten Sprühkopf hat und auch tatsächlich Wirkung zeigt. Die Empfehlung kam von einer guten Freundin und ich kann bestätigen, dass dieses Trockenshampoo den Hype, den es von beauty Leuten erhält, gerecht wird.

5. Pomade
Vor allem im März habe ich eine Zeit lang mit Vintage inspireirten Frisuren herumexperimentiert und um diesen wirklich Form zu geben, ist Pomade mehr oder weniger unverzichtbar. Auch wenn ich wenig Ahnung von gutem Frisierzeugs, kann ich definitiv sagen, dass diese Pomade wirklich geholfen hat, Pin Curls zu formen und zusätzlich angenehm duftet.

6. Cath Kidson Kulturtasche
Nun dass meine Kulturtasche, die ich seit Kindheitstagen (mit einer gelben Quietscheente) langsam auseinanderfällt, habe ich mir in London eine ‚erwachsenere‘ Version zugelegt. Leider hat sie nur eine kleine Innentasche und nicht viele Compartments, aber im Grunde genommen ist das auch okay. Dieses Monster verschlingt alles, so harmlos sie auch aussieht ist das Fassungsvermögen wirklich beeindruckend. Das Material fühlt sich auch hochwertig an, so dass man den preislichen Aspekt herunterschlucken kann.

7. Don Norman: The Design of Everyday Things
Ich bin schon so oft daran gescheitert, eine Tür in die richtige Richtung zu öffnen – aber warum das passiert und weshalb man glatt sagen kann, ich sei gar nicht schuld daran, erklärt Don Normans neuropsychologisches Buch über Design im Alltag. Mit viel Humor, guten Beispielen und einer tollen Zugänglichkeit selbst für Menschen, die sich bisher nicht mit diesem Thema befasst haben!

8. Karaffe von Ikea
Ebenfalls im Dauereinsatz ist momentan diese Karaffe von Ikea, sowohl für leckere Limonaden aus Zittronen- und Orangenscheiben, als auch für frische Minztees. Das Fassungsvermögen und die Form sind einfach großartig und der Deckel, so unscheinbar er aussieht, macht überraschend viel mit. Ich kann sie vom Herzen empfehlen! Außerdem hilft es mir, als jemand der zu wenig trinkt, sie einfach auf dem Tisch vor mit stehen zu haben, um immer wieder mal einen Schluck zu nehmen.

Musikalische Highlights

Wie waren eure letzten Frühlingsmonate?

Love, Katha

[Unileben #2] Motivationsprobleme überwinden

Pünktlich zu meinem vierten Bloggeburtstag möchte ich über ein Thema schreiben, das mir besonders am Herzen liegt, und mit dem ich auch meine Problemchen habe: Motivation und der Mangel an dieser. Nachdem ich nun einige Wochen darüber gegrübelt habe, wie ich diesen Beitrag am besten schreiben, bin ich zu dieser Version gekommen.

Ist es nicht ironisch über Motivationsprobleme zu schreiben, wenn eigentlich für die Uni zu lernen sollte? Es könnte kaum typischer sein, wenn ich ehrlich bin. Manchmal kommt die Motivation und Inspiration aus dem Nichts und plötzlich funktioniert alles, es ist so leicht und alles läuft von selbst, an anderen Tagen geht gar nichts und es ist für mich schon ein Problem, aus dem Bett zu kommen, geschweige denn mich an meinen Schreibtisch zu bekommen. Ich möchte hier ein bisschen meine Erfahrungen teilen, was mir hilft, um zu Potte zu kommen – oder zumindest, was mir Kraft gibt.

Durch meinen Studiengangwechsel habe ich schnell festgestellt, dass ich zwar nach wie vor öfter wirklich keine Lust habe, mich mit etwas zu beschäftigen, aber wenn ich mich erst dazu aufgrafft habe, anzufangen und mich mit etwas auseinander zusetzten, stets aufs neue merken, es wirklich interessant ist und ich mich meistens sogar sehr gern mit den Texten, die ich lesen muss oder schreiben soll, beschäftige. Sicher gefällt mir nicht alles, aber jetzt spüre wirklich ich den Kontrast, wie viel leichter es ist für etwas zu lernen, was einen im Kern begeistert. Deshalb würde ich grundsätzlich dazu raten, dass wenn man merkt, dass man große Motivationsschwierigkeiten zum Lernen hat, für sich selbst festzustellen, ob es am Lernen liegt, oder der Tatsache, dass man möglicherweise etwas ‚falsches‘ studiert. Ich habe eine kleine Liste mit einer Erfahrung und einigen Warnzeichen in einem älteren Blogpost dazu verfasst, in den ihr gerne ebenfalls reinschauen könnt. Ich hoffe wirklich, dass ich mit meinen Erfahrungen jemanden helfen kann.

Erster Disclaimer: Wer wirklich mit schwerwiegenden Prokrastionationsproblemen zu kämpfen hat (und ich zähle mich nicht dazu) sollte sich meiner Meinung nach vielleicht an die psychologische Beratung der Uni wenden, da ich dafür keine hilfreichen Tipps geben kann.

Zweiter Disclaimer: Ich schreibe das nicht, weil ich großartige Noten an der Uni habe (das ist nicht der Fall), oder weil ich meine Tipps für das Non plus ultra halte und total den Dreh raushabe. Ganz im Gegenteil, ich möchte einfach meinen Gedanken zu diesem Thema Raum geben.

1. Wenn schon prokastinieren, dann effektiv: Ende letzten Semesters gab es diesen einen großen Essay, an den ich mich überhaupt nicht ransetzten wolle – zugegeben, bei den anderen Essays war es nicht besser, aber Ende Februar war bei mir gänzlich die Luft raus, besonders nach den Klausuren. Bloß nicht dieser Essay! –  ich hatte einfach einen Trotz der Lustlosigkeit in mir. Aber anstellte mich mit YouTube und Instagram abzulenken, nutze ich diese Energie, um etwa total banale Sachen nachzuholen oder aufzuräumen. Aufräumen hat einen tollen Effekt bei mir: ich kann sowieso in einem geordneten Raum besser lernen und ich musste ohne hin  etwas aufräumen oder putzen. Sicherlich ist es keineswegs eine dauerhafte Lösung, besonders bei schwerwiegenden Prokrastinationsproblemen.

2. Duschen: Manchmal bedarf es nur einen kleinen Frischekicks, um mal den Kopf freizubekommen oder ein wenig zu entspannen, um ein wenig Stress zu entladen oder eine Pause während des Lernens zu machen, um Abstand von seinem eigenen Gedankenwirrwarr zu bekommen.

3. Nicht in Jogginghose oder Pyjama oder im Bett lernen. Manche mögen mir hier total widersprechen, aber bis auf wenige Ausnahmefälle lerne ich oft komplett „anzogen“. Manchmal trage ich sogar Hemd und Jeans, einfach nur um mich irgendwie professioneller und vorbereiteter zu fühlen. Vermutlich ist es eine Art von psychologischem Selbstbetrug, aber es hilft mir wirklich. Übrigens gilt das auch  für Prüfungssitautionen.

4. Anfangen ist der erste und wichtigste Schirtt. Es gibt Momente, da ist alles so viel, dass man keine Ahnung hat, was man tun soll, der Gedanke an diese komplizierte Aufgabe nimmt einem schon alle Kraft und man badet förmlich in der Überforderung, diesen überwindenden Schritt zu tun. Mir ging es letztes Semester oft so, ich war einfach strukturell überfordert und musste für mich lernen, wie ich lerne. Wenn man dann erstmal die Gliederung und den Plan hat, wie man an die Aufgabe rangeht, schreiben sich Texte oft von alleine. Ich glaube, wenn man sich vor Augen führt, dass diese Aufgabe absolut machbar ist und man allein schon durch Aufstellen einer Gliederung, einer Übersicht oder eines Lernplans viel erreicht hat, wird einem ein kleines bisschen leichter ums Herz und man kann systematisch weiter machen.

5. Motivation und rechtzeigtig Anfangen. Ich sage es noch immer zu mir: fang rechtzeitig an und ich bin leider noch immer nicht gut darin – einerseits weil ich wirklich viele abzugebende Abgaben letztes Semester hatte und nicht wusste, wo mir der Kopf stand, andererseits weil ich wirklich unmotiviert war. Aber hey, ich habe zumindest angefangen, mir früh einen Plan zu erstellen, was ich machen muss.  Mit rechtzeitig anfangen meine ich bei einer Klausur mindestens drei Wochen vorher und bei einem Essay unbedingt mindestens zwei Wochen früher – das ist mit Nichten ein gutes Zeitfenster, aber ich versuche mich. Natürlich gibt einem auf-den-letzten-Drücker-machen einen unglaublichen Adrenalinschub, aber wenn man mit dem Verstehen philosophischer Texte kämpft und 4 Stunden vor der Abgabe mitten in der Nacht einen großen logischen Argumentationsfehler entdeckt – und ich war da – ist das einfach keine Situation in der man stecken will.

6. Handy weg. Es ist so einfach und doch so beschissen schwer, sich gleich doppelt zur Selbstdisziplin aufzuraffen. Oft hilft es mir, mein Handy nicht in Sichtweite zu haben, aber den ultimativen Trick habe ich auch noch nicht herausgefunden.

7. Finger weg von YouTube oder Netflix – gilt jedenfalls für mich, einmal angefangen, etwas in der Form eines Videos zu sehen, ist es bei mir sowohl mit der Motivation als auch mit der Konzentration vorbei. Deshalb spare ich mir, so gut ich kann, Fernsehen oder Filme als Belohnung auf, wenn ich etwas geschafft habe. Funktioniert meistens sogar ganz gut.

8. In der Bibliothek lernen. Dies habe ich erst in meinem letzten Semester für mich entdeckt, aber ich bin überrascht, wie gut es mir geholfen hat. In dem Grimm-Zentrum der HU ist es nicht nur unbequem und ein bisschen kühl, sondern alle sind derart konzentriert und es gibt eine Aura des angespannten Lernwillens, dass man nicht anders kann, als konsequent zu lernen. Die Bibliothek hat einige Nachteile und Aspekte, die mich wirklich aufregen, aber dazu möchte ich in einem anderen Beitrag ausführlicher äußern. Ich glaube, was in der Bibliothek der springende Punkt ist, der sich beispielsweise auch an meiner Angewohnheit in ’schickeren‘ Sachen zu lernen sehen lässt, ist, dass wenn man es ‚zu bequem‘ hat, die Verlockung im Bett rumzugammeln (man sitzt ja schon da und hat seine bequeme Jogginghose an) und Netflix zu sehen noch viel größer ist, als wenn man in der unbequemen Bibliothek mit Jeans und Hemd sitzt und alle anderen fleißig lernen- vielleicht ist es ein alberner psychologischer Trick, aber bei mir funktioniert er.

9. Tee- und Spazierpausen. Ich trinke unheimlich gern Tee, wie ich es hier auf meinem Blog sicherlich schon hunderte Male beteuert habe. Für mich ist eine schöne Art eine Pause zu halten, mir einen Tee zu kochen und ganz bewusst (möglichst ohne Instagram o.Ä.) in der Küche zu sitzen, durchzuatmen und die Pause als solche zu genießen. Ich bin nicht immer diszipliniert genug, um das immer durchzuziehen, aber oft hilft es mir neben der anstrengenden  Uniaufgabe den Kopf freizubekommen. Andere Art der entspannenden Pausen sind ein Spaziergang oder einer Meditation auf dem Balkon, die ich beide wärmstens empfehlen. Aber kann ich mir das zeitlich leisten? Naja, wenn ich wirklich glaube, dass ich mir YouTube leisten kann, dann ist der Gang um den Block echt die bessere Alternative.

10. Mittags lernen. Meinen letzten Stundenplan fand ich Anfang des Semesters katastrophal, drei Mal in der Woche fing mein Tag um 8 Uhr an und ich hatte keinen  freien Tag. So kam es, dass ich oft spätestens um 14 Uhr aus der Uni raus war und den halben Tag noch vor mir hatte – ein enormer Motivationsboost. Deshalb ging ich nach der Uni öfter noch in die Bibliothek und lernte dort einige Stunden, was bedeutete, dass wenn ich abends Heim fuhr, noch Zeit zum Entspannen und Nichtstun hatte. Früher habe ich oft um 19 Uhr angefangen zu lernen und saß teils noch um 1 Uhr morgens an einer Hausaufgabe, was nicht nur frustrierend ist, sondern auch dafür sorgt, dass ich noch weniger Schlaf bekomme. So hatte ich wirklich die Kraft, meine Zeit besser zu nutzen, was sich toll anfühlt.

11. Ziele setzten. Natürlich kann man lernen, bis man umfällt und die Augen zu klappen, aber keine zwei Wochen am Stück. Für mich hat es sich bewährt, mit gewisse Ziele für den Tag zu setzten, was ich schaffen möchte, oder dass ich, wenn ich eine bestimmte Sache gelernt habe, mir die Zeit nehme, Abend noch einen Film als Belohnung zu sehen. Oder im Bullet Journal systematisch durchstreichen zu können, was man geschafft hat, gibt mir auch eine gewisse Zufriedenheit. Ich glaube, es ist wichtig, sich ab und zu zu sagen, dass es für heute reicht (oder aber auch das Gegenteil, dass man echt noch ein paar Sachen schaffen muss).

12. Ein schöner Schreibtisch. Ein großer, möglichst leerer Schreibtisch mit viel Licht und einem gemütlichen, ergonomischen Stuhl kann für mich die Welt verändern. Ich lerne sogar lieber, wenn man Schreibtisch mich in einer Form dazu einlädt. Was zusätzlich mit dem ersten Punkt Hand in Hand geht, für mich lernt es sich aufgeräumt einfach besser.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich nach wie vor meine Probleme mit Motivation habe – manchmal gibt es leider die Tage, wo man auch akzeptieren muss, dass nichts geht (außer es ist der Tag der Abgabe oder vor der Prüfung) und man sich auch die Ruhe nehmen muss. Ich arbeite wie bereits gesagt selbst noch an meiner Motivationslosigkeit.

Ich freue mich wie immer über Kommentare und Anregungen

Love, Katha

Eine neue Liebe: Rye

Den versprochenen zweite Teil meiner England Reise wollte ich nun auch endlich posten, weil nun fast schon ein Monat seit der tatächlichen Reise vergangen ist. Auf Grund des Unistarts und eines großen privaten Ereignisses, von dene ich bald berichten möchte, hat es wieder ein bisschen länger gedauert als mir lieb ist., dass ich zum Schreiben kam Allerdings muss ich zugeben, dass Rye rückblickend einer der schönsten Momente meiner Großbritannienreise beinhaltet, und es mir außerordentlich gut gefallen hat, so dass es schade wäre, nicht endlich davon zu erzähen.

Die kleine Stadt Rye zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass sie eine kleine, verschlafene Stadt mit wunderbaren historischen Gebäude und Straßen in East Sussex ist, und damit nur wenige Kilometer entfernt vom Meer, was man auch durch die große Population von Möwen merkt.  Aber warum sollte man eine kleine Stadt wie diese besuchen und wie kommt man überhaupt darauf? Zum einen wurde mir dieser kleine Ort von einem Freund ans Herz gelegt, zum anderen haben mich meine Lieblingsminiseire Parade’s End und die Visit Britain Seite auf Instagram auf die Idee gebracht. Ich kann es eigentlich nur empfehlen, sich nicht nur Reisefüher und Empfehlungen von Freunden zu Gemüte zu führen, sondern auch mal ein Auge darauf zu werfen, wohin britische Blogger fahren und was sich berichten. An dieser Stelle kann ich nur wärmstens den Blog und das Instgramprofil von Romona (@monalogue) empfehlen.

Auf dem Beitragsbild übrigens ist die Mermaid Street zu sehen, in welcher sich einer der Hauptattraktionen dieses Ortes befindet, einem alten Hotel, dem Mermaid Inn, welches irgendwann zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert gebaut wurde und bis heute durch seine schiefe und  mysteriös dunkle Fassade bezaubert. Allerdings sieht die ganze Stadt mindestens so pittoresk aus, wie dieser kleine Ausschnitt, weshalb es mehr als lohnenswert ist, einen Spaziergang durch die vielen kleinen und verwinkelten Gassen zu machen und die alten Gebäude, das Kopfsteinpflaster und rankenden Blumen und Pflanzen dazwischen zu bewundern.
Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mein Foto von der leeren Mermaid Street bekommen habe, aber diesen legendären Ausblick musste ich fotografieren. Glücklicherweise war herzlich wenig los an dem Tag, an dem ich in Rye war, außer einer kleinen Hand voll Touristen, waren weitestgehend Einheimische zu sehen und es herrschte eine ruhige, verschlafene Atmosphäre, welche die Urigkeit des Ortes nur unterstrich. Das ist die Art von Urlaub, die ich mag!

Als ich das alte Haus neben der Kirche fotografieren wollte, welches das weiße mit dem großen Baum ist, kam plötzlich der Bewohner des Gebäudes aus der Tür. Ich fürchtete schon, dass er not so amused wäre, dass ich sein Haus fotografiere und mich vom Grundstück verweisen würde (was ich auch irgendwie verstanden hätte) – doch stattdessen kam der wirklich sehr alte Mann, gekleidet wie ein britischer Dandy, auf mich zu und fragte mich, wie mir mein Aufenthalt in Rye gefiele – natürlich in einer Mischung aus RP und südlichem Dialekt, die wirklich schwer zu verstehen war – und erzählte mir, dass es in Sussex zwischen Juli und September doch am schönsten sei, besonders der September sei entzückend. Wir unterhielten uns ganz wunderbar über den Ort und Großbritannien und es war herzerwärmend, was für ein freundliches und schönes Gespräch wir hatten – schließlich stellte ich ihm die Frage, die mir tatsächlich unter den Nägeln brannte: Wie konnte es sein, dass er Baum vor seiner Haustür blühte, wo doch noch nichts Blätter trug und gerade erst die ersten Narzissen zu sehen waren? Dieser Baum sei ein strawberry tree, ein arbutus unedo, ein immergrüner Baum, der eigentlich eher in mediterranen Räumen zu Hause sein und dessen Früchte irgendwas zwischen Erdbeeren und Litschi ähnlich sähen.

Ich lief noch ein Weilchen durch die Gegend, erkundete Straßen und stieg auf den Hügel von Rye, von dem man die Kleinstadt von oben bewundern konnte. Es gibt unzählige kleine Läden und Restaurants, cottages und hübsche Sträucher. Ein bisschen als hätte man England, wie man es sich vorstellt, in diesem kleinen südenglischen Ort festgehalten und konserviert. Aber auf eine natürliche und süße Art, nicht als wäre es gezwungenermaßen ein Freilichtmuseum.

Später war ich noch in einem Burgerladen essen, dem Hoof. Es war wirklich zauberhaft eingerichtet, gut besucht und dessen Essen hätte nicht schöner angerichtet worden können, doch um ehrlich zu sein, war ich ziemlich enttäuscht von meinem vegetarischen Pilzburger, der mir kein bisschen schmeckte. Die Pommes waren hingegen wirklich ein Traum! Leider keine Empfehlung, aber es gibt unzählige Restaurants und Cafés in Rye, dass man sich dumm und dämlich essen könnte.

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Ich kann eine Reise nach Rye wirklich von ganzem Herzen empfehlen, man kann stundenlang spazieren gehen und es ist mit dem Zug nur wenige Stunden von London entfernt und ziemlich gut zu erreichen. Vielleicht hatte ich Glück mit der Jahreszeit und dem Tag, aber es war wirklich herrlich untouristisch und des nette Gespräch mit dem alten Mann wird mir zweifelsohne im Herzen bleiben.

Love, Katha

Mein BuJo: Erfahrung nach anderthalb Jahren + Innenleben

Angestiftet zu dem ganze Bullet Journaling hat mich vor gut anderthalb Jahren meine beste Freundin Charlie, als sie mir bei einer Verabredung erzählte, dass sie plane nachdem sie so viele gesehen habe, ebenfalls eins anzulegen. Ich habe es geschafft, bis dato nichts von Bullet Journaling gehört zu haben und war schließlich überrascht, was ich verpasst hatte. Nach ein paar inspirierenden YoutTube Tutorials und Instagram Posts und ein paar Versuchen, bin ich schnell auf das Layout gestoßen, das ich bis heute verwende. Es ist sehr simpel und ähnelt stark einem Kalender, um ehrlich zu sein. Aber gerade das ist das schöne am Bullet Journaling, das jeder es nach seinem Belieben und Gebrauchen gestalten kann. Deshalb möchte ich es heute mit euch teilen.

Zur Ansicht habe ich ein paar Seiten meines April Set Ups (bevor ich es ausgefüllt habe) fotografiert. Es sieht sehr leer aus, aber ich wollte es auf Grund von Privatsphäre lieber so machen, als dass ich einiges unkenntlich machen muss. Am Ende des Monats ist es meistens sehr voll und deutlich farbenfroher. Meistens verwende ich einen Staedler Pigment Liner in 0.05 für die Outlines, aber zum Schreiben passt 0.2 perfekt.

Übrigens, das Notizbuch, welches ist verwende, ist ein Leuchtturm 1917 mit gepunkteten Seiten. Anfangs war ich ein bisschen skeptisch, weil ich diese Punkte irgendwie hässlich fand, aber nach kurzer Nutzung hat sich meine Meinung ganz schnell geändert und jetzt liebe ich es! Meiner Meinung nach sind die gepunkteten Versionen ideal für Bullet Journals. Auch Leuchtturm als Marke kann ich auf Grund der guten Papierqualität und dem hübschen, handlichen Format empfehlen – günstig sind die Notizbücher leider nicht, aber es lohnt sich!

 

Am Anfang des Monats habe ich ganz klassisch eine Seite, die ich mit Kacheln für ganzmonatige oder nicht tagesgebundene To Dos, Abgabefristen, Einkaufslisten, Ideen für Monatsfavoriten,  und andere Blogbeiträge und sponate Dinge, die sich ergeben (wie z.B. zu Weihnachten Geschenkideen) nutze.
Auf der anderen Seite habe ich einen monthly tracker, der meistens diese Form hat. Ich zeichne auf, ob ich genügend Wasser getrunken habe (klappte anfangs besser, momentan lasse ich leider nach), wie viel ich schlafe, ob ich gelesen habe, ob ich gelernt habe (das hilft bei der Motivation) und ob ich draußen mich ordentlich bewegt habe – im Grunde genommen, kleine Ziele, die ich mir setzte, um nicht zum dehydrierten, faulen Stubenhocker zu verkommen. Und es hilft tatsächlich dabei!

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Dann verwende ich einen klaren, relativ minimalistischen Wochenüberblick, um meine To Do’s für diesen Tag aufzuschreiben. Termine sind in meinem normalen Kalender, wo ich vor allem mein Unizeug regle. Für mich funktioniert diese Trennung so optimal.

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Und zu guter letzt meine kleine Gratitude Liste. Das ist definitiv etwas, was ich von Instagram übernommen habe und seit letzten Oktober kontinuierlich durchziehe und es bringt etwas.

Das Set-Up meines Bullet Jourals ist vermutlich das unspektakulärste aller Zeiten – keine fancy Washi Tapes, kein großartiges Gedoodle oder Challenges und keine hübschen Post Its. Für mich muss es vor allem übersichtlich und funktional sein und wenn ich mal Langeweile oder Inspiration habe, kommen ein paar wenige kleine Zeichnungen dazu. Vielleicht mag das Menschen, die mich persönlich kennen, überraschen, weil ich eigentlich oft kritzle und Muster und hübsche Zeichnungen über alles liebe und anfangs habe ich es wirklich versucht, ein paar nette Bilder zwischen den Listen einzufügen, aber ich bin leider kläglich gescheitert.

Meiner Meinung nach nimmt das aber einfach nur Platz weg und da ich jemand bin, der wirklich gerne die volle Weite der Seite nutzen will, zeichne ich selten, zumindest bei BuJos (Bei der Rohfassung meiner Uninotizen ist das ein ganz anderes Thema). Im Grund genommen sieht es jeden Monat mehr oder weniger gleich aus, nur dass manchmal Leselisten, finanzielle Übersichten, Buchwunschlisten oder Lernpläne dazukommen. Vielleicht werde ich eines Tages noch kreativer und entdecke für mich, dass ich ein paar Seiten für kreative Selbsterprobung verwenden möchte. Aber fürs erste ist mehr oder minder mein Gedächtnis mit simplen Design.

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Was ich neben der Tatsache, dass man sein BuJo so frei und individuell gestalten kann, am meisten daran liebe, ist dass es eine wunderbare Gedächtnisstütze ist. Die meisten Dinge, die ich erledigen muss, wie einen Kontoauszug zu holen oder Taschentücher einzukaufen, weiß ich ohnehin und auch mit einem Unifristen ist mein Gedächtnis ziemlich gut. Ich merke aber, dass ich seitdem ich mein BuJo habe, deutlich weniger gestresst zu Bett gehe. Es schläft sich auf jeden Fall so viel besser, wenn weiß, dass man aufgeschrieben hat, dass man morgen unbedingt etwas bestimmtes erledigen muss, und sich nicht selbst stressen muss, dass man es möglicherweise vergisst.
Außerdem macht es einfach unheimlich Spaß, etwas kreativ mit Layout zu sein oder Kalligrafie zu faken oder sich ein für einen selbst gut funktionierendes Key-System auszudenken – oder sich mit anderen darüber auszutauschen.

Ich kann jedem, der Spaß daran hat, Dinge analog zu machen, von Herzen empfehlen, das Bullet Journaling vielleicht auszuprobieren, weil es wirklich Spaß macht und zu dem eine gute Unterstützung im Alltag ist.

Love, Katha

London mal anders erleben

Ich erinnere mich noch gut daran, als ich meinen Beitrag über meinen dritten London-Besuch hier auf meinem Blog gepostet habe. Seitdem habe ich einige andere aufregende Reisen erlebt, aber letztendlich komme ich irgendwie immer zurück auf die entzückende Insel.

Diesmal führte unsere Reise uns nach Rye, Cambridge und Canterbury – mit Aufenthalt in London, so dass ich wieder ein paar Tage in der Stadt hatte. Seit meinem letzten Besuch hat sich einiges verändert, nicht nur die Art, wie ich Urlaub mache, sondern selbstverständich auch, was mich interessiert und wie ich bin.

Dabei war es mir diesmal wieder wichtig, einfach die Stadt zu erleben, mich beim Spazierengehen von meiner Intuition leiten zu lassen und nicht den ganzen wichtigen Attraktionen nachzurennen (zumal ich mittlerweile schon sehr viele Sehenswürdigkeiten gesehen habe). Außerdem wohnten wir in einem AirBnB in einem edwardianischen, denkmalgeschützen Gebäude im Stadtteil Islington, was das Gefühl, London ein bisschen mehr wie ein Einheimischer zu erleben, verstärkte. Außerdem traf ich mich dort mit einer Instagrammerin, mit der ich schon länger befreundet bin und sie zeigte mir die Stadt nochmal aus einem ganz anderen Winkel, was ein ganz besonders tolles Erlebnis war.

Allerdings muss ich sagen, dass die Orte, an denen ich war, ordentlich durch Instagram beeinflusst wurden, weil ich durch Seiten wie „Pretty little London“ inspiriert wurde, welche Viertel besonders interessant und pittoresk wären und wo ich tolle Bücherläden und ein wunderschöne Cafés entdecken könnte. Wie immer war mein Leitmotiv meinen Augen zu folgen und mich einfach zu verlieren.

Lesen

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John Sandoe Books

Um den Anspruch, mich weiterhin guten Gewissens vor allem als Buchblog bezeichnen zu können, möchte ich drei Buchhandlungen, die mich ganz großartig begeistert haben, vorstellen. Jede hat ihre eigene Art und ich kann deren Besuch jedem/jeder bibilophilen LondonbesucherIn ans Herz legen:

Persephone Books besuchte ich mit einer Freundin, die ich vor längerem über die Untiefen des Buchblogger/instagrammertums kennengelernt habe und endlich persönlich treffen konnte. Diese Verlagsbuchhandlung ist ein kleiner Himmel in Bloomsbury, der Bücher in schönen eleganten grauen Editionen anbietet, wobei der Fokus vor allem auf Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts liegt, die in Vergessenheit gerarten ist. Hier hat man richtig das Gefühl, sich in einer persönlichen, liebevollen Buchhandlung zu bebefinden, die auch wenn sie klein ist, zum Schauen und Verweilen einlädt. Auf den  vielen Tischen stehen neben Büchern und Lesezeichen, auf denen jeweils der Klappentext steht, auch Vasen mit frischen Tulpen, deren Duft ganz subtil den ganzen Laden erfüllt.

Daunt Books hat mehrere Standorte, unter anderen den bekanntesten in Marylebone und einen in Holland Park, auf den ich dort zufällig stieß, als ich zur Tube wollte. Besonders spannend ist, dass dort die Belletristik nach Regionen sortiert sind, beispielweise stehen also im Deutschland-Regal sowohl Romane über Deutschland als auch übersetzte Werke deutscher AutorInnen. Die Auswahl ist wirklich hervorragend, auch wenn das Sortierungssystem zunächst gewöhnungsbedürftig ist. Außerdem ist alles wunderschön angerichtet und der Laden in Marylebone strahlt besonders durch die Holztäfelung und ein großes altes Fenster, das mit den petrolfarbenen Wänden für ein englisches Wohnzimmerflair sorgt.

John Sandoe in Chelsea wiederrum spiegelt wieder, wie man wirklich auf das effektivste jeden kleinsten Millimeter in einem Laden nutzen kann und es trotzdem unheimlich gemütlich ist, obwohl man echt erschlagen ist von der Menge an verschiedenen Büchern. Zugegeben, ich habe nicht ganz verstanden, wie der Laden funktioniert, aber es hat mir gefallen – es gab wirklich alles, auch wenn es ein kleines Labyrinth ist. Man kann dort Stunden verbringen!

Entdecken

Am Slone Square in Chelsea auszusteigen und sich einfach in den vielen schönen Straßen zu verlieren und zu staunen, wie unfassbar reich manche Leute sind und in welch pittoresken Häusern sie leben, ist ein Erlebnis für sich. Auf Instagram wird der Bezirk Chelsea und Kensington in seiner ganzen Schönheit bereits auf etlichen hübschen Accounts gefeiert. Einen Spaziergang zu machen und dies für sich selbst zu entdecken, an blühenden Bäumen vorbeizulaufen, Eichhörnchen über die Straßen huschen zu sehen und sich an schöner Arhitektur dumm und dämlich zu schauen – fern ab der Touristen – war eines meiner persönlichen Highlights.

Ebenfalls bezaubernd  st Holland Park, das etwas weiter draußen ist als Chelsea, und zwar in South Kensington. Hier stehen eher große Familienhäuser, die individualistischer sind als die endlosen weißen Reihen in Chelsea, uund meist von Pflanzen und Bäumen geziert werden . Außerdem kann man in kleinen Gassen zwischen den großen Häusern die sogenannten Mews bestaunen, die einst Pferdeställe gewesen sind und nun zu hübschen kleinen Häsuern gemacht wurden.

Meine dritte Entdeckung war Neal’s Yard, ein kleiner, bunter Innenhof mit kleinen Essmöglichkeiten in der Nähe von Covent Garden, der einem eine ganz andere Seite von London zeigt. Nach einer kleinen Tee Shopping Tour in der bezaubernden Marthalle von Covent Garden in meinen Lieblingsteeladen Whittard of Chelsea, erkundeten wir Neal’s Yard. Auf dem Weg dahin, läuft man außerdem an wunderschönen kleinen Gassen und Blumenverzierten Pubs vorbei, es lohnt sich also gleich in mehrfacher Hinsicht.

Kulinarisches

Das Host Café in der Saint Mary Aldermary Church ist einer der schönsten und stimmungsvollsten Orte, an denen ich je gewesen bin. Mitten in der Hektik in der City of London so einen entzückenden Ort mit tollem Tee zu finden, gleicht einem kleinen Wunder. Zugegeben, es ist wirklich ein sehr eigenes Gefühl, in einer Kirche und obendrein einer so schönen, seinen Tee zu schlürfen, denn, normalerweise macht man das nicht – andererseits ist es vielleicht auch ganz richtig, weil dieser heilige, friedvolle Ort wirklich dazu einlädt, einfach nur zu sein und ein wenig Entspannung zu genießen – und das kann man am besten mit einem guten Tee.

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Ein ebenfalls toller Ort, um zu essen ist der berühmte Borough Market. Sicherlich ist das nichts Neues und total tourimäßig, aber es macht trotzdem Spaß durch die Hallen zu laufen, die vielen verschiedenen Stände zu beobachten und die leckeren Gerüche einzuatmen. Am Ende gab es dann Falafel.

Ebenfalls empfehlenswert finde ich es nach wie vor bei der Pub Kette Whetherspoon zu essen, beispielsweise in Shakespeare’s Head an der Tube Station Holborn. Die Portionen sind anständig und der Standard ist eigentlich immer da, es ist bezahlbar und die Fish & Chips sind ziemlich lecker. Neuerdings bieten sie sogar ein veganes Curry an.

Allgemeine Gedanken

Wenn man an London denkt, ist eines der bekanntesten Stichwörter sicherlich die Tube und auch, damit zu fahren. Mir fiel auf, dass die Abstände zwischen den Stationen durchaus größer sind, als in Berlin und dass es manchmal wirklich Ewigkeiten dauert, umzusteigen, weil man gefühlte Jahrhunderte damit verbringt, durch die Tunnel zu laufen – besonders schlimm ist dies bei der Haltestelle Bank. Früher sind mir diese Dinge gar nicht aufgefallen, aber weil ich in vergangener Zeit größere Probleme im Umgang mit unterirdischen Verkehrsmitteln und engen Räumen habe, war es eine persönliche Herausforderung für mich, allein durch diese Stadt zu fahren. Was es allerdings etwas erleichtert wurde, dadurch, dass der respektvolle und zivilisierte Umgang der Menschen miteinander hier funktioniert. Es ist etwas, das mir immer posititiv ins Gedächtnis kommt, wenn ich an Großbritannien denke. Dieses Gedränge und das aggressive schlecht gelaunte Geschubse, aneinander Anzischen oder irgendwo im Wege zu stehen und sich allgemein super egoistisch im öffentlichen Nahverkehr zu verhalten, gibt es in beinahe in keinster Weise. Ich staune noch immer darüber, wie es in London funktioniert, dass die Menschen auf der Rolltreppe alle auf der rechten Seite stehen. Ich wünschte, das wäre bei uns möglich – so schwierig kann das nicht sein.

Außerdem bin ich diesmal auch oft mit dem Bus gefahren und stand wirklich ziemlich häufig im Stau, aber da ich alle Zeit der Welt hatte und es draußen sowieso regnete, war es eigentlich echt schön: man sieht so viel mehr von der Stadt und ich kann es nur empfehlen, wenn man Zeit hat, damit durch die Gegend zu bummeln.

Allgemein muss ich sagen, dass ich was die Briten angeht, bisher stets gute Erfahrungen gemacht habe, wie freundlich und hilfreich man mir entgegen kam. Sicher kann man das nicht verallgemeinern, gute und schlechte Menschen gibt es überall, aber ich bin so froh über diese Gastfreundlichkeit. So macht es Spaß, Tourist zu sein. Eine kleine Geschichte dazu folgt in meinem Beitrag über Rye.
Das Wetter war leider nicht gut. Andere mögen staunen, aber meine bisherigen Ausflüge nach Großbritannien waren von fast ausnahmslos gutem Wetter gezeichnet. Aber Ende März ist es leider einfach nur kalt und nass, vor allem nach so einem besonders deprimierend langem Winter. Ein paar wunderschön blühende Magnolienbäume habe ich glücklichweise gesehen und wenn dann kurz die Sonne rauskam, war es bezaubernd.

Noch eine kleine Sache zum Schluss, die mich amüsiert hat: die Pub Kultur in Großbritannien ist einzigartig, nicht nur stehen pünkltich zum Feierband ab 17 Uhr die Menschen Schlange vor allen möglichen Pubs (Briten lieben es ja bekanntlich in Schlangen zu stehen) und nicht nur sind die Pubs wunderschön mit Blumenkörben verziert und absolut urig, sondern pünktlich zur Mittagspause, wo allen Londoner in der City aus ihren Büros strömen, um Mittagsessen zu besorgen, schlenderte ich durch eine Straße und sah etwas unglaubliches: Diese Büromänner tranken Bier in der Mittagspause, die Pubs waren voll, als sei Feierabend!

Love, Katha

 

Salt To The Sea

An diesem Ostertag möchte ich ein Buch vorstellen, das zwar unheimlich grausam ist, aber dessen Rezension schon lange aussteht und ich es gerne ausführlicher empfehlen möchte. Es war nicht leicht, die passenden Worte zu finden, um auszudrücken, wie es mir mit diesem Buch ging, aber ich glaube, mittlerweile habe ich es einigermaßen geschafft.

Autor: Ruta Sepetys
OT: Salt To The Sea
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 2016
Verlag: Puffin
ISBN: 978-0141347400
Länge: 400 Seiten

Sepetys historischer Jugendroman ist weitaus mehr, als die tragische Geschichte der Wilhelm Gustloff. Sie erzähl  auf bewegende und sehr direkte Weise das Schicksal mehrerer Jugendlicher (beziehungsweise junger Erwachsener), wie sie sich durch den kalten Winter 1945 kämpfen und wie sie die Grausamkeit des Zweiten Weltkrieges erleben. Die vier Figuren sind authentisch und geben durch die einzigartigen Erzählweisen dem Roman unheimlich viel Charakter. Joanna, Florian, Emilia und Alfreds Geheimnisse und Hintergründe kristallisieren sich langsam und auf spannende Art über den Roman heraus. Jede Figur hat ihre eigenen Motive, ihre eigenen Sorgen, die sie in Mitten des Zweiten Weltkrieges plagen.

Selten hat mich ein Buch emotional derart mitgenommen, dass ich es für einige Zeit zur Seite legen musste, obwohl es so unerträglich spannend war, um die ganze Geschichte zu verarbeiten und auf mich wirken zu lassen. Das Thema hat es wirklich in sich. Auch, wenn man im Laufe seines Geschichtsunterrichts und mit einer gewissen Allgemeinbildung einiges über den Zweiten Weltkrieg lernt, scheint mir, als sei die Wilhelm Gustloff, zumindest in meiner Generation, ein beinahe vergessenes Thema. In Anbetracht der Grausamkeit ist es allerdings so wichtig, egal wie furchtbar ist, die Konversation dazu aufrechtzuhalten. Sepetys macht das in ihrem berührenden Nachwort auch klar. Sie schafft es in diesem Roman einen Denkanstoß zu geben, sich historisch zu informieren und gleichzeitig das Thema in Anbetracht auf die unbeschreibliche Grausamkeit, die einzelne Individuen erlitten haben, würdevoll und sorgfältig zu erzählen. Es ist kein bisschen abgeschmackt. Gleichzeitig ist es aber auch nicht vollgestopft mit historischen Fakten, sondern lässt sich unglaublich schnell und fließen weglesen.

Manchmal war ich etwas verwirrt über die mehreren Erzählstränge und wusste nicht ganz genau, wo ich mich im Roman fand, auch wenn bestimmte Figuren, wie Alfred, einen sehr eigenen Erzählstil haben, kann man sich schon mal im schnellen Blättern und Mitfiebern ein wenig verirren. Manchmal muss ich sagen, hätte ich gerne mehr über die Figuren erfahren und ich denke, das wäre durchaus durch intensivere Beschreibungen und Zeitsprünge möglich gewesen, vielleicht würde das allerdings etwas auf die Länge schlagen und dem dynamischen Tempo des Romans im Wege stehen. Entsprechend kam der Schluss des Romans auch sehr plötzlich und hat einem mit einem merkwürdigen Bauchgefühl hinterlassen – andererseits dünkt mich, dass es ebenfalls eine stilistisch interessante Entscheidung ist, den Leser so verloren und verwirrt zu hinterlassen.

Sepetys hat einen vergleichsweise schlichten, einfachen und klar verständlichen Schreibstil, so dass sich das Lesen des englischen Originals lohnt und keinerlei Probleme macht. Es ist, als wäre jede Schörkelhaftigkeit bei der Darstellung dieses brutalen Kriegsgeschehens unangemessen. Gerade diese direkte Weise fördert die direkte Verbindung zu den Figuren und die Emotionalität sticht mit aller Grausamkeit sofort ins Herz. Es ist keine leichte Lektüre, aber eine, die ich nur empfehlen kann.

Ich bin zugegebenermaßen keine große YA Leserin, vor allem weil mich die endlose Fokussierung auf Liebesgeschichten nervt – hier allerdings befindet sich diese Thematik weit im Hintergrund und verhält sich auf eine angenehme Weise zum Rest des Romans, was mir gut gefallen hat. Ich bin positiv und nachhaltig beeindruckt von Sepeteys und hoffe, in der Zukunft mehr Bücher von ihr zu lesen.

THE VERDICT: Alles in allem ein sehr spannender, gut geschriebener und emotionaler historischer Jugendroman, der mich sehr berührt hat und den ich empfehlen kann, auch wenn er einem das Herz bricht. 9 von 10 Sternen

Love, Katha

Ein Tag in Straßburg

Oder: erste Eindrücke einer neuen Liebe

Als ich vor einigen Jahren in Paris war, hatte sich ein Eindruck von Frankreich in mir verfestigt, der nicht sonderlich positiv war. Es war heiß gewesen, eng, oft dreckig, laut, die Menschen unfeundlich und alles war einfach zu hektisch und die Stadt der Liebe erschien mir eher grau und statisch, als bezaubernd. Jeher hatte ich Frankreich mit einem negativen Stempel in meinem Gedächtnis dank meiner Paris-Erfahrung gespeichert und war auch wenig interessiert daran gewesen, dies zu ändern.

Seither hatte ich oft von Menschen in meinem Umkreis gehört, dass Paris und der rest von Frankreich zwei Welten sein – ich war allerdings wenig überzeugt, obgleich mir  meine beste Freundin entzückende Bilder aus Südfrankreich schickte. Zugegeben, ich hatte es mir ordentlich bequem gemacht, Frankreich als unschön abzustempeln – ich weiß mittlerweile, was für ein kurzsichtiger Unfug das war.

Ende Dezember bekam ich die Möglichkeit, einen kleinen Ausflug mit einer Freundin nach Straßburg mit zu planen, und kam ich als, es ist kein Scherz, anderer Mensch zurück. Zugegeben, Straßburg ist wohl schon auf Grund des politischen und historischen Hintergrunds sehr europäisch, vielleicht auch, ich möchte vorsichtig mit der Einschätzung sein, geprägt von deutschen Einflüssen, oder sagen wir, alemannischen, und durch die vielen Touristen ziemlich international. Zum Glück ist es aber längst nicht so unerträglich überlaufen wie in Zaanse Schans in Holland, woran ich mich noch mit Grauen erinnere.

Straßburg ist mit seinen alten Gebäuden, den zauberhaften Gassen und den freundlichen Menschen einfach hinreißend und es ist schwer, sich nicht sofort zu verlieben. Ich fand mich plötzlich so entzückt wieder, ich wusste nicht, wohin ich schauen soll, weil ich so verzaubert vom Gesamtbild war: Alles war einfach so hübsch, eine Augenweide für jeden Architekturfan. In gewisser Weise kann ich sagen, dass ich mir Frankreich genauso vorgestellt habe, so charmant, und was mich tatsächlich am meisten berührt hat, war die Atmosphäre, denn genau das war es, was ich in Paris vermisst hatte.

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Ich hatte so einen seltsamen, melancholischen Augenblick, als ich am Nachmittag in einem Café saß, alles um mich herum sprach französisch, ich verstand mangels Sprachkenntnissen kein Wort, draußen zog die Dunkelheit ein und die Straßen tauchten in warmes Licht und an dem Tisch neben uns saß eine hübsche junge Frau, elegant in schwarz gekleidet, mit weichen Zügen und karamellfarbenen Haar, die sich angeregt mit einem leicht ergrauten Mann mittleren Alters unterhielt, der sicherlich ihr Vater war. Beide tranken ihren Tee und aßen Kuchen. Ich weiß nicht, woran es lag, aber diese Szene hätte kaum französischer seien können. Sie erinnerte mich an diese Filme, die ich mit 14 Jahren gesehen hatte und die mir dieses romantisch-elegante an Frankreich vermittelt hatten, was ich nun endlich sah. Es klingt sicher sonderbar, aber ich fand mich so glücklich wieder, mein kleines Paris-Trauma überwunden zu haben.

Ich möchte nicht zu sehr mit Stereotypen spielen, aber diese warme, elegante, in der Zeit verlorene, aber doch so lebendige Atmosphäre war, wie ich stets geglaubt hatte, dass Frankreich sein würde. Nicht dieses schreckliche Paris, wo alles Furchtbare an einem Ort zusammmenkam, groß, voll, dreckig, überlaufen und keinerlei Flair (außer in Montmatre).  Aber irgendwann gebe ich Paris sicher auch noch eine zweite Chance.

Aber ich will schon aufhören, mich endlos in Schwärmereien über die Atmosphäre zu verlieren.

Es war ein windiger und kalter Tag, aber der historische Kern diese Stadt, fern ab von den ganzen, mir verhassten Shoppingstraßen, war Einach zauberhaft. Wir besuchten viele kleine Indie-Läden, einem großen Comic Shop und schauten uns in einem zauberhaften Antiquariat um.
Natürlich wurde, wie man es tut, wenn man im Elsaß ist, Flammkuchen gegessen: Die Freundin, mit der ich da war, teilten und jeweils einen herzhaften und einen süßen Flammkuchen, die hervorragend schmeckten. Straßburg ist zweifellos die Stadt für optischen und kulinarischen Genuss. Es jagt ein süßes Restaurant das andere, man weiß gar nicht, wo man hingehen soll, weil alles so gut aussieht – auch, wenn es etwas auf den Geldbeutel schlägt.

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Straßburg ist die richtige Stadt, um in stundenlangen Spaziergängen verloren zu gehen, im Sommer sicher noch mehr, als bei dem kalten, verschneiten Wetter, das wird Ende Dezember hatten. Man läuft und entdeckt immer mehr verwunschene Gassen, interessante kleine Läden und Cafés und das alles umgeben von einer entzückenden Architektur. Die Stadt hat zweifelsohne einen sehr internationalen Hauch, ohne seinen historischen Charme zu verlieren. Die Menschen, denen wird begegneten, waren sehr offen und freundlich und ich hoffe sehr, dass es mich irgendwann, vielleicht auch für etwas längere Zeit, nach Straßburg oder irgendwo anders im Elsass verschlagen wird, um erneut durch bezaubernde Straßen zu laufen und guten Essen bis zum Umfallen zu genießen.

Leider habe ich es erst nach sage und schreibe drei Monaten geschafft, diesen Beitrag vollständig zu schreiben, dennoch glaube ich, dass eine Reise nach Straßburg einfach zeitlos ist und der zeitliche Abstand deshalb nicht so ausschlaggebend ist.

Wart ihr schon ein Mal in Straßburg? Ich freue mich wie immer auf eure Kommentare!

Love, Katha

Mini-Filmreviews: Die Dunkelste Stunde / Der Seidene Faden / Die Verlegerin

Moinsen!

Wie auch in den letzten Jahren, war ich in den ersten paar Monaten des Jahres für meine Verhältnisse viel im Kino, drei Mal um genau zu sein. Ob es am Oscar-Wahnsinn liegt oder ob Januar bis März einfach die perfekten Monate sind für das Erscheinen von guten Filmen, weiß ich nicht, feststeht, dass mir alle so gut gefallen haben und mich – wie ein Freund von mir stets zu sagen pflegt – nachhaltigt beeindruckt haben, dass ich beschlossen habe, aus meiner filmischen Rezensionsversenkung auftauchen und ein paar Worte zu den Filmen „Die Dunkelste Stunde“, „Der Seidene Faden“ und „Die Verlegerin“ zu verlieren. Mir ist in letzter Zeit überhaupt nicht mehr nach langen und ausführlichen Filmrezensionen mit Inhaltsangaben und dem ganzen großen Drumrum, deshalb werde ich ohne großes Herumgerede in meine Eindrücke eintauchen. Wer an weiterem interessiert ist, dem habe ich den englischsprachigen Trailer verlinkt. Bis auf den „Seidenen Faden“ habe ich die beiden anderen Filme im englischsprachigen Original gesehen, was ich jedem, der interessiert ist, auch ans Herz legen möchte, besonders bei „Die Dunkelste Stunde“ – aber genug von dem Geplauder.
Die Reihenfolge ergibt sich aus der Reihenfolge, wie ich im Kino war.

P.S. Außerdem habe ich beschlossen, weil ich einfach auf kein vernünftiges Maß kommen konnte, bei diesen Kurzrezensionen eine Sterneberwertung wegzulassen, weil sie mir wirklich alle gut gefallen haben, aber auf so unterschiedlichen Ebenen und Arten, dass ich es einfach für ungerecht halte, sie auf ein vergleichbares Maß herunterzureduzieren.

Die Dunkelste Stunde

DT: Die Dunkleste Stunde
OT: Darkest Hour
Cast: Gary Oldman, Kristin Scott Thomas, Lily James
Regie: Joe Wright
FSK: ab 6 Jahren

„Die dunkelste Stunde“ ist ein hervorragender Film, der besonders durch subtile Details in einem großen Portrait-Komplex um Winston Churchill, besticht.
Zweifellos lässt sich sagen, dass Gary Oldman bis zur Unkenntlichkeit verwandelt wurde, das Kronjuwel dieses Filmes ist und ihn so sehenswert macht. Die Stunden von Make-Up und Kostümierung, die dieser Mann verbracht hat, haben sich ausgezahlt: Er brilliert als Churchill, macht eine Legende menschlich und vermittelt ebenso Nähe zu der historischen Figur – umso glücklicher bin ich, dass diese außerordentliche Darstellung mit einem Oscar belohnt wurde. Untermalt wird dieser mitreißende Film durch eine dramatische Kameraführung und einem Lichtspiel, das ich sehr genossen habe und einem guten Soundtrack Dario Marianellis, der wieder beweist, dass seine Zusammenarbeit mit Joe Wright einfach brilliant ist.

Oft scheint mir Churchill in Filmen und Serien wie „The Crown“ oder „The King’s Speech“ wie der unantastbare, cholerische fette alte Mann dargestellt zu werden, der zufällig in der Rolle eines mächtigen Politikers steckt. Ich will damit nicht sagen, dass die Portraiterung Chruchills in den genannten Verfilmungen schlecht ist, keineswegs. Jedoch wirkt er bei „Darkest Hour“ einem so nah: man wird vertraut mit seinen Macken, seinem Innenleben, seinen schlechten Seiten und seiner genialen Rhetorik. Es ist ein langsames Eintauchen in das Portrait eines wichtigen Mannes in einer brisanten Zeit.

Ich kann nicht bestreiten, dass der Filmie sehr pathetische Momente hat. Ohne Spoilern zu wollen, möchte ich sagen, dass der Moment in der U-Bahn mir schon unangenehm kitischig war, wenn gleich es auch bewegend gemeint war, konnte ich es im Gesamtbild nicht ernstnehmen. Allerdings ist dieses Pathetische, wie er im dimmen Licht des Parlaments seine Rede vorträgt, meist ansteckend. Natürlich ist dieses Portrait von diesem heroischen Hauch gefärbt, ich glaube, es wäre höchst deprimierend im Kontext des 2. Weltkrieges und in dem des grausamen, menschlichen Verbrechens und der Verzweiflung, einen Film mit einem unpathetischen Ton zu drehen. Gerade durch die Mischung  aus Verehrung, aber auch Aspekten der Kritik, ehrt dieser Film Churchill auf eine schöne und menschliche Art und Weise. Meines Erachtens nach ist da eine Brise Pathos nur die angebrachte Menge Salz in einer guten Suppe!

Der Seidene Faden

DT: Der Seidene Faden
OT: Phantom Thread
Cast: Daniel Day-Lewis, Vicky Krieps, Lesley Manville
Regie: Paul Thomas Anderson
FSK: ab 6 Jahren

Grund gütiger, was habe ich unter der unterschwelligen (An)spannung dieses Filmes gelitten: So subtil und so böse arbeitet die Emotionalität dieses optischen Meisterwerks. Der Film ist anders, als alles, was ich bisher gesehen habe, er ist ruhig und elegant, er bedarf keines großen Handlungsrahmens, keiner dramatischen Sexualität oder kitschigen Liebe, nur zwei großartigen Hauptfiguren und einem Soundtrack der in seiner Wucht unter die Haut geht –  denn die Handlung spielt mit leisen Tönen, die Melodien jedoch mit lauten, dramatischen Quellen. Dieser Film ist unfassbar reichhaltig und ich glaube, wenn man ihn nur ein Mal gesehen hat, dass man nur ein grobes Verständnis entwicktelt hat. Für meinen Geschmack war er ein wenig langatmig, gleichzeitig dünkt mir, dass auch diese langsame Art den Film erst zu dem macht, was er ist.

Eine kleine Anekdote dazu: Bereits als ich im Kino war, diskutierte ich mit Charlie darüber, wie interessant die Stimme von Alma (Vicky Krieps) sei und dass es schade sei, dass wir die deutsche Fassung gesehen hätten, denn ihre Stimme sei so markant und merkwürdig ruhig, da könne das englische Original nur noch beeindruckender sein – entsprechend habe ich mir zu Hause den englischen Trailer angesehen und festgestellt, dass die deutsche Synchronisation der englischen unfassbar glich, was mich dazu veranlasste, dem auf die Spur zu gehen, um festzustellen, dass Vicky Krieps die deutsche Synchronisation übernommen hat. Ihre Stimme bleibt einfach hängen. (Daran, das ich das nicht wusste, erkennt man, wie selten ich deutsches Fernsehen sehe)

Ferner muss ich sagen, dass  durch die Kameraführung die unheimliche Stimmung dieses Films hervorragend zur Geltung kommt. Alles in einem ist der Film optisch durch Kameraführung, durch Close-Ups, durch die Kostüme, die Kulisse und den genialen Soundtrack  und selbstverständlich den zwei so einzigartigen und authentischen Hauptdarstellern sowie der weiblichen Nebendarstellerin einfach nur elegant und vollendet. Es ist ein klaustrophobischer, berührender, schauerliche Film über – ich weiß es auch nicht: Liebe? Mode? Bessenheit? Es ist ein merkwürdiges Meisterwerk, welches ich nur empfehlen kann – allerdings mit der Einschränkung, dass man diese Art des kunstvollen, langsam entwickelnden Film mit viel Fokus auf die Figurenentwicklung mögen muss, denn sonst glaube ich, kann der „Seidene Faden“ nicht seine volle Wirkung entfalten.

Die Verlegerin

DT: Die Verlegerin
OT: The Post
Cast: Tom Hanks, Meryl Streep, Bruce Greenwood
Regie: Steven Spielberg
FSK: ab 6 Jahren

Im Gegensatz zum „Seidenen Faden“ der sich auf einer künstlerischen Sphäre befindet, die anfangs schwer zu begreifen ist, ist „Die Verlegerin“ ein direkter, spannender Journalismusfilm, so wie man ihn sich erwünscht. Leicht zugänglich, brilliant gespielt, ein wenig Humor, ein wenig Zynismus, viel Ernst und Politisierung – ich würde sagen, ein Klassiker dieses Genres, der gleichzeitig auch ein wunderbares Portrait der Verlegerin Katharine Graham zeigt. Bei diesem Film handelte es sich bei mir eher weniger um ein Portrait mit Pathos (wie bei der dunkelsten Stunde) oder abstrakter Kunst (wie beim seidenen Faden), sondern eine politischen und niveauvollen Varianten des spannenden und gut gemachten Filmes, in welchen man gerne Abends reingeht, historisch ein bisschen was dazulernt und mitfiebert. Ich möchte nicht den degradierenden Begriff des Popcorn-Kinos verwenden, denn dafür ist dieser Film alle mal zu gut, aber ich möchte zum Ausdruck bringen, dass „Die Verlegerin“ gut und niveauvolle Unterhaltung mit der guten und angenehmen Prise Hollywood und amerikanischem Freiheitspatrotismus ist.

Ich muss außerdem zugeben, dass ich einfach ungemein gern Filme mit Tom Hanks sehe und es stets eine Freude ist, ihn in dieser Art Rolle zu sehen, wo er den ambitionierten, verbissenen, aber auch fehlerhaften Typen mit Intelligenz und Humor spielt.

Insgesamt muss man sagen, dass es einfach ein gut gemachtes, spannendes Historiendrama von Spielberg mit gutem Williams Soundtrack und zwei Juwelen Hollywoods – man kann wirklich mit einem Auflauf von Stars in einem sehr soliden Film sprechen.

Habt ihr einen dieser Filme gesehen oder vor zu sehen? Und ist das Format der Minireviews zugänglich oder sollte ich lieber wieder kleine einzelne Rezensionen schreiben? Ich freue mich wie immer über Kommentare und Feedback!

Love, Katha

Winter Faves 2017/18

Moinsen!

Nach einer dreimonatigen Pause dank des stressigen Wintersemesters, wurde es für mich wieder Zeit, einen kleinen Rückblick auf meine Favoriten der Monate Dezember, Januar und Februar zu werfen, denn besonders Lese- und Kinotechnisch waren zwei großartige Dinge dabei.
Unitechnisch waren es  leider eine sehr stressige Zeiten, was ich leider noch immer an anhalten Rückschmerzen spüre und einer dauerhaften Übermüdung, die sich über die Zeit eingeschlichen hat. Aber zu meiner Erfahrung, wie es ist, zum zweiten Mal im ersten Semester zu sein, werde ich in einem anderen Beitrag kommen, in welchem ich hoffe, meine Erfahrung für zukünftige oder auch jetzige Studierende in Form von hilfreichen Ratschläge zu formulieren.

Favoriten

1. Paperblanks Kalender im Verso Format
Wie bereits in meinem Uni-Taschen-Beitrag erwähnt, liebe ich die Paperblanks Kalender schon lange, habe jedoch im Laufe des letzten Semesters festgestellt, dass ein anderes Format wohl möglich praktischer wäre für die Art, wie ich meinen Kalender zu nutzen gedenke, und bin deshalb, nachdem ich seit 3 Jahren das Horizontale Wochenformat genutzt habe, auf das Verso Format umgestiegen. Man darf sich es folgendermaßen vorstellen: die Woche ist horizontal auf der linken Seite dargestellt und rechten findet sich Platz für Notizen. Aktuell zeigt sich, dass dieses Design wirklich besser für mich funktioniert, da ich meine (meist langfristigen) Hausaufgaben als Überblick auf der Notizenseite unterbringen kann, während sich meine Termine auf der linken Seite wiederfinden – eine einfache, übersichtliche Trennung.

2. Jeanne En Provance Shower Gel
Ein angenehmes Öl-Duschgel, welches für mich ideal war, da die ganzen anderen Normalen meine ohnehin trockene, aber jetzt von der Heizungsluft belastete Haut, angegriffen haben. Außerdem ist der Duft sehr leicht und frisch.

3. Filmhighlight: Der Seine Faden
Grund gütiger, was habe ich unter der unterschwelligen (An)spannung dieses Filmes gelitten: So subtil und so böse wirkt die Emotionalität dieses optischen Meisterwerks. Der Film ist anders als was ich je gesehen habe, er ist ruhig und mindestens so elegant wie die zu sehenden Kostüme, er bedarf keinem großen Handlungsrahmens, keiner dramatischen Sexualität oder kitschigen Liebe, nur zwei großartigen Hauptfiguren und einem Soundtrack der in seiner Wucht unter die Haut geht. Es gibt diese unterschwellige Erotik, ohne, dass man sie sieht, das Machtspiel, ohne dass es direkt ausgesprochen wird oder eindeutig gezeigt. Die Geschichte des Modedesigners Woodcock und seiner Lebensgefärtin spielt mit leisen Tönen, die Melodien mit lauten, dramatischen. „Der Seidene Faden“ ist reichhaltig an Eindrücken, wenn auch meinen Geschmack ein wenig langatmig, da sich alles ein wenig hinzieht.  Ich glaube mit Sicherheit behaupten zu können, dass ich nicht alles ins Detail verstanden habe, sondern erst am Ende in der Abrundung für mich alles zusammenkam. Dieser Film ist wie ein komplexes, abstraktes Kunstwerk: Von ganz eigenem Schönheitsgrad und unfassbar schwer in Worte zu fassen, als mit dem Ausdruck des positiven Entsetzens (ohne, dass ich sagen kann, was mich so schockiert hat). Ich kann nur empfehlen, ins Kino zu gehen und sich selbst Eindrücke zu machen.

4. Lesehighlight: Ruta Sepetys: Salt To The Sea
Selten hat mich ein Buch emotional derart mitgenommen, dass ich es für einige Zeit  zur Seite legen musste, obwohl es so unerträglich spannend war, um die ganze Geschichte zu verarbeiten und auf mich wirken zu lassen. Sepetys historischer Jugendroman ist weitaus mehr, als die tragische Geschichte der Wilhelm Gustloff. Sie Erzähl das Schicksal mehrerer Jugendlicher und junger Erwachsener, wie sie sich durch den kalten Winter 1945 kämpfen und wie sie die Grausamkeit des Zweiten Weltkrieges zeichnet.
Sepetys hat einen vergleichsweise schlichten, ja, einfachen und klar verständlichen Schreibstil, so dass sich das Lesen des englischen Originals lohnt. Es ist, als wäre jede Schörkelhaftigkeit bei der Darstellung dieses brutalen Kriegsgeschehens unangemessen. Gerade diese direkte Weise fördert die direkte Verbindung zum Lesen und die Emotionalität sticht mit aller Grausamkeit sofort ins Herz. Es ist keine leichte Lektüre, aber eine, die ich nur empfehlen kann.

5. Spotify Premium
Irgendwann im Laufe des Semesters, hat mich die Werbung auf meinem kostenlosen Spotify Account wirklich genervt und da Spotfiy, wie die letzten Jahre zuvor, auch Werbung für das Angebot 3 Monate Premium für 0.99 € zu kaufen, entschloss ich mich, es endlich wahrzunehmen. Zudem hatte ich ein neues Smartphone zu Weihnachten bekommen (ebenfalls auf dem Bild zu sehen), das im Gegensatz zu meinem alten Vorgängerschrottteil auch Premium benutzen könnte, ohne ständig abzustürzen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits seit 3 Jahren ein Spofity Konto und war bereits ein großer Fan der riesigen Musikauswahl (auch wenn ich manchmal, was Soundtracks betrifft, auf Grenzen stieß). Nach wie vor finde ich, dass auf dem Laptop die kostenlose Version definitiv ausreicht, auch wenn die Werbung,  besonders wenn man sich gerade auf die Uni konzentriert möchte, nervt. Aber auf dem Handy taugt die kostenlose Version nichts, im Gegensatz zur PC-Version kann man nicht alle Funktionen (bis auf das kostenpflichtige offline Hören) benutzen, sondern kann auch nur  mit dem Shuffle-Modus Songs hören, d.h. nicht einmal das, was man eigentlich hören möchte. Unter dem Strich kann ich  nach fast 3 Monaten Nutzung sagen, dass sich das Abo für mich wirklich auszahlt, ich nutze Spotify so gut wie täglich mehrere Stunden, meist im Hintergrund zum Lernen oder Arbeiten. Außerdem ist es sehr schön, endlich wieder unterwegs Musik hören zu können dank der Offline-Version. Insofern bin ich mir sehr sicher, dass ich auf ein kostenpflichtiges Studenten-Premium-Abo umsteigen werde, da sich Spotify für mich lohnt, weil praktisch ständig Musik höre.

6. Premium Heiße Schokolade von Whittard of Chelsea
Nachdem ich mich während meines ersten London Aufenthalts (2012!)in die britische Teemarke Whittard Of Chelsea verliebt habe, entdeckte ich diesen Winter ihre Variationen von köstlichen, heißen Schokoladen für mich, die ich von Herzen empfehlen kann. Eine Tasse, am besten mit Minimarshmellows, kann man zweifelsohne als halbe Mahlzeit werten.

7. Uniqlo Heat Tech Hose
Es passiert eigentlich nie, dass ich ein Kleidungsstück zwei Mal kaufe, aber diese Hose hat mich so begeistert, dass ich sie sowohl in dunkelgrün (die Farbe kommt leider nicht gut durch auf dem Bild) als auch in schwarz habe. Es ist schwer diese Hose zu beschreiben: Sie ist ein Mittelding aus Leggings und Hose, die Innen leichtes, flauschiges Material hat, ohne wie eine Leggings auszusehen – allein der Gummibund würde sie verraten. Meines Wissens nach kommen sie sogar noch in mehr Farben, aber die dunkelgrüne Variante ist genau perfekt für mich und ich bin sehr glücklich, dass ich diesen Winter ohne die Eisröhren (aka Jeans) ausgekommen bin.

8. Heiße Schokolade Caramel-Salz von Whittard von Chelsea
Ich konnte mich nicht entscheiden, weil ich beide Schokoladen viel getrunken habe diesen Winter, deshalb erwähne ich beide.

9. Doc Martens Pascal Virginia
Ich wollte sie schon seit Jahren haben, aber als ich sie dann Ende November letzten Jahres endlich mein eigen nennen durfte, fing der eigentliche Kampf erst an – die Schuhe einzulaufen ist leider kein Vergnügen. Aber wenn so viele diese Schuhe haben, dann muss es schließlich möglich sein. Obwohl das Virginia Leder ein weiches Nappa Leder ist, im Gegensatz zu dem eher steiferen Brush-Leder, welches man an den allermeisten Docs sieht, habe ich echt eine Weile gebraucht, dass das Tragen dieser Schuhe erträglich wurde. Ich hielt mich schließlich an den Rat einer Freundin: immer wieder für ein paar Stunden auf die Straße damit, am besten mit zwei Paar Socken und die Hacken immer schön provisorisch mit Flaster abkleben. Nach einigen Wochen war schließlich Frieden zwischen den Stiefeln und meinen Füßen! Jetzt kann ich sie guten Gewissens lieben und trage sie fast ausschließlich. Jedoch sind es relativ schwere Schuhe, weshalb ich gemerkt habe, dass es sinnvoll ist, andere zwischendurch zu tragen, damit meine Füße Abwechslung bekommen. Wenn es wirklich kalt wird, trage ich meine gefütterten Winterstiefel, aber mit einem dicken paar Socken kann man diese Schuhe bis zwei Grad problemlos tragen, danach wird es jedoch ein bisschen (zu) frisch an den Füßen.

Musikalische Highlights

Ich glaube, meine Lieblinge der letzten drei Monate repräsentieren ganz gut, wie vielfältig und durchmischt mein Musikgeschmack manchmal sein kann: Von New Age Klassik, über Chansons und Soundtrack, zu elektronischer Musik und gut gelaunten deutschen Indie ist alles dabei. Ich habe außerdem auf Empfehlung eines Freundes von mir in die Musik von Boby Dylan reingehört (ich kannte ihn selbstverständlich auch schon früher, hatte ihn allerdings nie bewusst gehört) und fand ich positiv überrascht zurück, in dem ich ständig Songs von ihm rauf und runterhörte.  Ich habe außerdem versucht, indem ich auch mehr deutschsprachige Musik gehört habe, mal aus meiner trauriger-Indie-Klassik-Soundtrack-Jazz-Schublade herauszukommen, und Neues zu entdecken.

Was waren eure musikalischen Highlights und welche Dinge haben euch in letzter Zeit begeistert? Ich freue mich wie immer auf Rückmeldung.

Love, Katha

[Unileben #1] Was ist in meiner Uni Tasche? + Kanken Review

Moinsen!

Den ersten Beitrag zu meiner Uni-Leben-Reihe auf meinem Blog möchte ich dem Innenleben meines treuen Begleiters des Wintersemesters 2017/18 widmen – pünktlich zum Beginn der Semesterferien kann ich nun endlich mit Ruhe und Gelassenheit hier schreiben. Dadurch, dass ich immer ein kleines Weilchen zu meiner Uni pendeln muss und außerdem oft morgens bis abends dort bin, musste ich anfangen, anders zu packen, damit mein Rücken nicht noch mehr leidet, als ohnehin. Zum einen war wichtig, festzustellen, was das Minimum an Dingen, die ich brauchte, sein würde, vor allem Dinge, die ich im Zweifelsfall immer bei haben möchte. Natürlich, wenn die Uni in der Innenstadt ist, sind Supermärkte und Drogerien in der unmittelbaren Nähe, um schnell was zu besorgen, aber es ist immer gut, auf einen spontanen Einsatz von Kopfschmerzen, Blasenpfastergebrauch und ähnliches vorbereitet zu sein. Deshalb habe ich beschlossen, für diesen Beitrag meine Rucksack für einen langen (und kalten) Unitag zu packen und darüber zu schreiben.

Ich habe zunehmend den Eindruck, zu Studieren bedeutet auch zu lernen, seine Zeit gut einzuteilen und zu nutzen. Was heißt, dass manchmal die einzige Entspannung die man bekommen wird, diese 20 Minuten in der Regionalbahn sind . Ich genieße es, einfach mit Musik in den Ohren zu haben und aus dem Fenster zu schauen oder ein bisschen zu lesen.

Außerdem möchte ich im zweiten Teil meines Beitrages ein bisschen über meinen Rucksack selbst schreiben – diesen beliebten Hipsterrucksack sieht man überall auf den Berline Straßen und vermehrt auf meinem Campus – nach anfänglicher Scheu, ob ich ihn wirklich mögen würde, bin ich bisher zu einem positiven Urteil gekommen.

Was ist in meinem Rucksack?

1. Lektüre
Ob es meine freiwillige „Privatlektüre“, Auszüge für bestimmte Kurse, oder aber ein großer Schinken, den ich für das Semester lesen muss, ist: eine Tasche, in der kein Buch ist, fühlt sich einfach falsch an. Ich versuche allerdings, dicke Taschenbücher und schwere Hardcover zu Hause zu lassen und für Unterwegs etwas dünnere Bücher zu nehmen. Es ist schön, eine Bahnfahrt zum Lesen zu nutzen, obwohl ich meistens tatsächlich einfach nur müde aus dem Fenster schaue.

2. Reclam Univeral Kulturtasche gefüllt + Schloss
Da ich nur noch mit einem Rucksack in die Uni gehe und meine übersichtliche Umhängetasche bis auf weiteres für weniger gepäcklastige Ausflüge verwende, wollte ich nicht, dass Wertsachen wie mein Schlüssel oder aber auch mein geliebter roter Lippenstift  in meinem Rucksack herumfliegen und ich ewig danach suchen muss – was besonders unangenehm ist, wenn man etwas spontan braucht. Mein persönliches Horrorszenario ist, dass ich zum Bus renne, mein Semesterticket in den Untiefen meines Rucksackes nicht finde, und das Bus genau dann wegfährt, wenn ich es gezückt habe – was mir auch schon passiert ist. Als ich diese süße Kulturtasche bei Dussmann durch Zufall entdeckte, wusste ich, dass genau dieses Problem sich dadurch lösen würde – und noch besser, durch das leuchtende Gelb findet man sie auch schnell in meinem Kanken.

3. Laptoptasche mit Laptop (ggf. Aufladekabel)
Seitdem ich dieses Semester angefangen habe, mit Laptop zu studieren, kann ich es mir kaum ohne vorstellen. Ich nehme mein heißgeliebtes Lenovo Yoga keineswegs jeden Tag zur Uni, aber wenn ich weiß, dass ich das Gerät für einen bestimmten Kurs brauchen werde, später für ein paar Stunden in die Bibliothek gehen will, oder einfach in der Bahn auf dem Hin- und Rückweg an einer Abgabe arbeiten werde, ist es sehr praktisch, dieses handliche Gerät einzustecken. Dank der guten Akkuleistung muss ich, wenn ich mit vollem Akk das Haus verlassen, auch nicht das schwere Netzteil mitnehmen. Ich finde keineswegs, dass man ich meinen Laptop jeden Tag und immer benötigte, vor allem weil ich noch viel analog mache, aber ich sehe auch ein, weshalb ein leichter, handlicher Laptop einem einiges erleichtert und man deutlich mobiler ist. Meine aktuelle Lieblingsfuntkion ist, auf Microsoft Note mit der Tablet-Funktion und dem Lenovo-Stift elektronisch handschriftliche Notizen zu machen – das Schriftbild ist noch sehr wackelig, aber es macht Spaß und ist sehr praktisch.

4. Kopfhörer
Egal, ob man in der Bibliothek das endlose Klackern und Knistern seiner Kommilitonen einfach nicht hören will, oder ein guter Beat beim Lernen hilft, meine Kopfhörer sind für mich mein heiliger Gral.

5. Desinfektionsmittel
Sicher ist sicher, besonders wenn man seine Stulle essen will und keine Möglichkeit zum Händewaschen ist, finde ich es gut, einfach welches dabei zu haben.

6. Schal
Es gibt diese Räume, in denen es einfach immer verdammt kalt ist – leider sehr viele Räume in meiner Uni. Ob ich meinen Schal auf den Stuhl lege oder um meinen Hals, wenn es nicht gerade tiefster Winter ist (wo man sowieso einen Schal trägt) oder Hochsommer, finde ich es sinnvoll, einen Schal einfach sicherheitshalber mitzubringen. Den ganzen Tag frierend zu verbringen ist wirklich nur deprimierend.

7. Getränk

8. Heft / Notizblock
Ich arbeite sehr gerne analog, mir ist, als könnte ich einfach besser mitdenken, wenn ich handschriftlich schreibe, deshalb lerne ich gerne so, dass ich meine Notizen aus der Vorlesung später handschriftlich sauber überarbeite. Leider ist es meistens sehr zeitaufwendig  und bisher habe ich noch keine gute Alternative gefunden, aber momentan ist es die beste Lernmethode für mich.

9. Smartphone

10. Federtasche + Nagelfeile
Ich gehöre zu diesen glücklichen Menschen, denen irgendwann Mitten am Tag eventuell ein Nagel einreißen wird und den es ganz schön irre macht, daran nicht rumzufummeln. Deshalb habe ich (eigentlich schon seit Schulzeiten ) immer meine Nagelfeile für den Fall in meiner Federtasche.

11. Regenschirm
Oder wirklich gewissenhaft auf seine Wetterapp gucken.

12. Bib-Tasche
Das Grimm Zentrum der Humboldt Universität hat diese Regelung, dass man seine Gegenstände, wie Laptop, Hefte, Wasserflasche etc. entweder ohne Tasche ins Gebäude bringen muss (und dabei riskiert, dass einem alles herunterfällt) oder in einer durchsichtigen Tasche. Während es letztes Jahr noch direkt am Eingang gratis Plastiktüten gab, ist dies nun komplett verschwunden. Wer noch seine hat, kann sich glücklich schätzen, aber aus umwelttechnischen Gründen (was ich auch befürworte) gibt es nur noch diese Tasche zur Wahl. Sie ist auch weitaus größer, als die alte Plastiktüte und nach einem kurzen Augenblick des ästhetischen Bedenkens, habe ich mir diese Bib-Tasche für einen stolzen Preis von 4,90 Euro gekauft. Sie ist unglaublich praktisch und geräumig, das muss man ihr lassen.

13. Snackriegel
Für den kleinen Hunger zwischendurch.

14. Taschentücher

15. Kalender
Was wäre ich ohne mein analoges Gedächtnis? Abgabefristen, Pläne für das Semester, Hausaufgaben, Kritzeleien und Notizen finden in meinem geliebten Paperblanks-Kalender ihr zu Hause. Ich bin jetzt, nachdem ich seit 3 Jahren das Horizontale Wochenformat genutzt habe (was für die Schule ideal war) auf das Verso-Format umgestiegen (die Woche horizontal auf der linken Seite, auf der rechten Platz für Notizen) und mein Eindruck ist, dass es besser für die (meist langfristigen) Hausaufgaben als Überblick auf der Notizenseite und meine Termine auf der linke Terminseite funktioniert – es gibt einfach diese übersichtliche Trennung.

Kanken Review

Sehr viele haben ihn: diesen kleinen, unscheinbaren quadratischen Freund auf dem Rücken. Der Jutebeuteltrend hat sich langsam wirklich abgenutzt und man sieht sehr viele Leute mit sportlichen Rucksäcken oder einer etwas eleganteren Hipstervariante davon. (Obwohl ich fast schon fürchte, die nächste Trendwelle, vielleicht ja von durchsichtigen Taschen, kommt bald). Oder natürlich der grässlichen, aber sehr geräumigen Bib-Tüte.
Ich bin generell sehr skeptisch was Gegenstände, die sehr viele Leute haben, betrifft. Es ist fast schon ein bisschen so, als sein mir Außenseiterprodukte ein bisschen lieber, und dennoch muss ich zugeben, dass ich meinen Kanken liebgewonnen habe, obwohl ich gelegentlich schmunzeln muss, dass ihn so viele haben. Besonders schlimm wird es, wenn man mit Kanken und Doc Martens Schuhen durch die Uni stiefelt – da erfülle ich mit meinen gefärbten Haaren und dem obligatorischen Piercing (auch wenn es kein Helix oder ein Septum ist) wirklich ein Klischee. Aber man muss auch über sich selbst lachen können und wie ich gelernt habe, ist kein bisschen etwas schlimmes daran, etwas zu mögen, dass auch vielen anderen gefällt.

Zugegebenermaßen, ich habe Rucksäcke stets gehasst, sie passten nicht zu mir und versauten jedes Outfit durch diese Portion Outdoor, die ich an anderen super finde, aber mir nicht steht. Rucksäcke erinnerten mich an diesen potthässlichen kakifarbenen Ranzen, den ich in der Grundschule hatte und mit dem ich mich wirklich sehr uncool gefühlt habe. Ich glaube, ich war schon immer ein Umhängetaschentyp, vor allem weil ich sie als viel handlicher empfinde: kein Gewühle, kein ekliger Schweiß im Sommer am Rücken und wie gesagt, nicht dieses mir verhasste Outdoor-Aussehen.

Jedenfalls bekam ich meinen Kanken pünktlich zum Unistart von meinen Eltern geschenkt. Sie sagten mir, dass ich auf jeden Fall einen Rucksack bräuchte, wo ich permanent über Rückenschmerzen klagte, und ich entschied mich für einen Kanken: Mittlerweile hat sich meine Hassliebe Kaki beruigt und ich entschied mich für eine Art graues Tarngrün mit hübschen roten Elementen. Dieses kleine Ding ist aus sehr leichtem Material und macht zunächst einen höchst unspektakulären Eindruck, in gewisserweise macht ihn dieses unspektakuläre aber auch sympathisch. Ich will ehrlich sein, für das, was er auf den ersten Blick ist, ist der Preis von gut 90 Euro absolut lächerlich übertrieben. Ich will nicht lügen, ich finde ihn auch nach längerem Gebrauch immer noch überteuert und verstehe nicht, wie sich dieser Preis ergibt, aber ich finde auch, dass er für mich wertvoll geworden ist und man naja, es schlucken kann, wenn man unbedingt möchte, dass er nicht preiswert ist.

Für anspruchsvolle RucksackträgerInnen ist der Kanken sicher nichts, er hat keine besonders guten Träger, keine atmungsaktiven Elemente und die Polsterung für den Rücken ist auch nicht vorhanden, außer man lässt, wie ich, die Schaumstoffmatte, die mit dem Rucksack kommt, am Rückenbereich.

Der Kanken ist jedoch wirklich praktisch und sehr handlich (besonders durch diesen Griff). Es ist unfassbar, was da alles in dieses unscheinbare Ding passt. Ergänzend habe ich natürlich meine Bib-Tüte dabei, aber dadurch, dass er aus unheimlich leichtem Material besteht, welches bisher kleinere Schauer auch gut überstanden hat, dankt mir mein Rücken den Umstieg von der Umhängetasche auf den Rucksack. Wenn ich ehrlich bin, gibt der Rucksack allein durch sein Füllungsvermögen viel mehr Freiheit: ich brauche mir nicht so sehr strategisch den Kopf zu zerbrechen, was ich mitnehme, denn meistens geht es vom Gewicht noch immer gut klar und Platz habe ich sowieso. Ich liebe meine Cambridge Satchel nach wie vor, aber für einen langen Tag an der Uni brauche ich allein aus Platzgründen den Kanken.

Ich habe also ein ambivalentes Verhältnis zu meinem Rucksack: Einerseits liebe ich ihn für die Leichtigkeit, sein Fassungsvermögen und sein putzig quadratisches Aussehen. Andererseits ist er vom Preis-Leistungsverhältnis einfach nur lächerlich überteuert und es wäre schön, wenn er eine echte Rückenpolsterung hätte. Deshalb fällt es mir schwer, so sehr ich ihn eigentlich auch als täglichen Kameraden schätze, mit entladener Begeisterung davon zu schwärmen, weil er einfach Nachteile hat. Als Stadt- und Hipsterucksack ist er dennoch zum empfehlen, wenn man ein Auge zu drücken kann.

Love, Katha

Lied der Weite

Autor: Kent Haruf
OT: Plainsong
DT: Lied der Weite
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung (US)
Verlag: Diogenes
Preis: 24 Euro
ISBN: 978-3-257-07017-0
Länge: 384

Victoria ist siebzehn, als sie plötzlich schwanger wird und ihre Mutter sie aus Zorn vor die Tür setzt. Verzweifelt wendet sie sich an ihre Lehrerin Maggie, bei der sie eine Zeit lang wohnt, sich jedoch schnell Konflikte herauskristallisieren, weshalb Maggie versucht, die McPheron Brüder zu überreden, dass sie Victoria aufnehmen. Unterdessen bahnen sich beim Lehrer Guthrie ebenfalls Probleme an, als seine Frau ihn und ihre zwei Söhne verlässt.

Im Grunde genommen gibt es zwei Stränge: Den von der schwangeren Victoria und den von Guthrie uns seinen Söhnen, letzterer konnte mich leider nicht wirklich packen, zwar war der Konflikt sehr emotional, doch oft wirkten die Ausschnitte aus ihrem Leben eher abgehackt und vermittelten nicht sehr stark das Gefühl von Tiefe. Ich wusste nicht genau, was ich mit der Geschichte anfangen konnte, weil mir die Figuren keineswegs zusagten und es auch keine wirkliche Entwicklung gab, im Gegensatz zu Victoria und den McPheron Brüdern, die mir schnell ans Herz wuchsen.

Nachdem mich  „Unsere Seelen bei Nacht“ unglaublich begeistert und berührt hatte, freute ich mich natürlich zu sehen, dass es einen weiteren ins Deutsche übersetzten Roman Harufs geben würde. Ich möchte „Lied der Weite“ nicht unbedingt mit dem Vorgängerroman vergleichen, weil es sich nicht nur in der Figurenkonstellation und dem Inhalt, sondern auch vom allgemeinen Gefühl erheblich unterscheidet. Insofern ist es generell schwierig zu sagen, ob die beiden überhaupt vergleichbar sind. Allerdings kann ich sagen, um es vorwegzunehmen, dass mir Roman „Unsere Seelen bei Nacht“ im Gesamtbild besser gefallen hat.

„Lied der Weite“ ist ein ruhiger und bewegender Roman, mit leisen Tönen und einer manchmal drückenden Stimmung, wobei sich die Geschichte langsam nach und nach entfaltet. Insofern muss man mit dem Buch auch etwas geduldig sein, manchmal gibt es sicher lustige und spannendere Stellen, aber es geht meiner Meinung nach mehr um diese scheinheilige Kleinstadtidylle als Portrait, die Haruf hervorragend einfangen kann. Manchmal war ich mir jedoch nicht sicher, ob es melancholisch oder etwas langatmig ist. Man muss diesen speziellen Schreibstil Harufs mögen, sonst wird diese ruhige Art von Roman einem wohl nicht zusagen. Außerdem verwendet er, wie bereits in seinem  „Unsere Seelen bei Nacht“ bei wörtlicher Rede keine Anführungszeichen, was alles ineinander verwischen lässt, wie bei einem impressionistischen Gemälde. Ich bin mir noch immer nicht sicher, ob ich es als Stilmittel manchmal gelungen und an anderen Stellen für Verwirrung stiftend empfinde. Zweifelsohne ist es gewöhnungsbedürftig und ich muss zugeben, ich präferiere wörtliche Rede mit Anführungszeichen.

Leider hatte ich bei „Lied der Weite“ öfter das Gefühl, dass die Geschichte etwas vor sich hinplätschert und es dauerte ein Weilchen, bis ich den Eindruck hatte, in der Geschichte zu sein. Was Haruf allerdings gut vermittelt, ist zweifelsohne das beengende Kleinstadtgefühl und die Konflikte, die mit diesem verbunden sind. Aus dieser Perspektive, und das ist auch der Punkt, in dem sich „Lied der Weite“ und „Unsere Seelen bei Nacht“ gleichen, ist der Roman hervorragend gelungen.

Zu guter letzt möchte ich mich bei der Seite Vorablesen und beim Diogenes Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares bedanken!

THE VERDICT: Zusammengefasst hat mir der Roman im Großen und Ganzen recht gut gefallen, konnte mich jedoch nicht so sehr begeistern wie „Unsere Seelen bei Nacht“ . Gerade bei diesem emotionalen Themen fehlte mir oft ein Tiefgang, ein stärkerer Einblick in das Innenleben der Figuren. Eher das Kleinstadtgefühl als die Figuren blieben bei mir als nachhaltige Eindruck, was schade ist, weil es einige tolle Charaktere gibt. Alles in einem ist es ein solider Roman, allerdings kein herausstehender. 6,5 von 10 Sternen

Love, Katha